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Der
aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 11.
Juni 2004
Zum angeblichen
"Streit im Bundesrat"
«Fesselt Blocher!»
Wenn im Dezember jeweilen
Bundesratswahlen anstehen, ist das hehre Bekenntnis immer zu vernehmen: Die
«Wägsten und Besten» würden da für die Landesregierung
erkoren. Meist wird das Rennen dann allerdings von jener oder jenem gemacht,
dem es gelang, sein Profil bei den meisten ihm
erreichbaren Parteien und Interessengruppen hinreichend abschleifen zu lassen...
Letztes Jahr, am denkwürdigen 10. Dezember 2003, kam es anders: Ein -
gemessen an den allseits Abgeschliffenen - Aussenseiter, ein Kompromissloser,
der schärfste Kritiker des Berner Politfilzes schwang obenaus. Umwälzung
war angesagt.
Dass Christoph Blocher auch als Bundesrat Aussergewöhnliches leistet,
wurde schon in den ersten Wochen seiner Bundesratszeit klar: Alle persönlichen
Berater hat er als überflüssig erklärt. Der Chef führt
persönlich, trägt persönlich Verantwortung. Vor der Bundesversammlung
vertritt er seine Geschäfte in freier Rede - dabei eine Kompetenz demonstrierend,
der von Links bis Rechts uneingeschränkt Respekt gezollt wird. Wie begegnet
der Berner Filz - Politiker und Medienkuchen - dieser den
Rahmen des Üblichen sprengenden Persönlichkeit? Erster Schritt war:
Der Mann wird in jenes Departement verbannt, wo er sich - wie die Kleinkarierten
glaubten - am wenigsten entfalten könne. Sie täuschten sich. Zweiter
Schritt: Man müsse, sagten sie, Blocher «einbinden». Der
Filz müsste offenbar um seine weitere Wucherung fürchten, wenn Blocher
seine unbestreitbaren Führungstalente frei entfalten könnte. Also
wird behindert, gefesselt, beschränkt: Durch Intrigen, durch Indiskretionen,
durch merkwürdige Kampagnen, die ihn zum Streithahn zu stempeln versuchen,
wenn er offensichtliche Fehlleistungen endlich schonungslos kritisiert. Den
«Wägsten und Besten» wolle man im Bundesrat, sagen sie fürs
Polit-Schaufenster. Sprengt aber einer den Rahmen des Durchschnittlichen,
dann dominiert sofort kleinliche Eifersucht, peinlichste Partei- und Interessenpolitik:
Ein eigentlicher Aufstand aller Mittelmässigen bricht aus, die nicht
verwinden können, dass sie aus Blocher keinen Tanzbär für ihre
ausgeleierten Rituale machen können. Für jene Rituale, denen der
Bund bereits gegen 150 Milliarden Schulden «verdankt».Die Prognose
ist nicht schwer: Der Filz wird gegen Blocher auf der Strecke bleiben.
Ulrich Schlüer