Nr. 13, 11. Juni 2004
Linksextremismus in der Schweiz 2003 (Teil
II)
Brandanschläge auf die Ruag
Von Dr. Paul
Ehinger, Zofingen AG
Ein «gefundenes Fressen» für
alle Linken war und ist der Irak-Krieg. Etliche Sachbeschädigungen am
Rande «friedlicher» Demos, die wie eine Seuche das Land überrollen,
sind seit 2003 auf diesen «Pazifismus» zurückzuführen.
Dass dabei auch vor terroristischen
Aktionen nicht zurückgeschreckt wird, zeigte der Brandanschlag auf den
Hauptsitz des Rüstungsbetriebs Ruag (zu hundert Prozent in Bundesbesitz)
in Bern. Unbekannte hatten in der Nacht auf Dienstag, den 1. April 2003, einen
Brandanschlag verübt. Es entstand Schaden
von gegen zweihunderttausend Franken. Ein Bekennerschreiben kritisiert Ruag-Exporte
an «die kriegstreibenden Armeen» im Irak.
Massiver Anschlag
Auf dem Gelände des bundeseigenen Rüstungsbetriebs fand die eintreffende
Feuerwehr um 03.45 Uhr mehrere brennende Fahrzeuge vor, wie die Berner Untersuchungsbehörden
mitteilten. Ein Militärlastwagen und ein Personenwagen brannten vollständig
aus, zwei weitere Fahrzeuge und ein Materialcontainer wurden beschädigt.
Die Terroristen hatten den Zaun um das Firmengelände
durchschnitten. Sie warfen einen Molotow-Cocktail gegen ein Gebäude.
Dabei entstand ebenfalls Schaden. Verletzte gab es bei dem Anschlag keine.
Ein anonymes Bekennerschreiben an die Nachrichtenagentur SDA kritisierte die
Ruag als Rüstungskonzern, der «Aufstandsbekämpfungs-Technologie»
produziere und auch die «kriegstreibenden Armeen im Irak-Krieg»
mit solcher beliefere.
Erst jetzt einen Waffenexportstopp zu fordern sei jedoch zynisch, da die Schweiz
bereits profitiert habe und die Waffen auch in kommenden Kriegen eingesetzt
werden könnten, hiess es in dem mit «1.-April-Komitee» unterzeichneten
Schreiben.
Bekannt wurde damals, dass bereits eine Woche zuvor ein Anschlag auf die Ruag
in Bern verübt worden war. Unbekannte hatten Molotow-Cocktails gegen
das Gebäude geschleudert, ohne jedoch grösseren Schaden zu verursachen,
wie Stadtpolizeisprecher Franz Märki auf Anfrage der SDA festhielt. Um
weitere Anschläge zu verhindern, mussten Sicherheitsvorkehrungen getroffen
werden, wie der Ruag-Sprecher Bruno Frangi erklärte.
Vorgespurt
Den Terroranschlag geistig quasi vorgespurt hatte die SP Schweiz. Sie hatte
eine Woche zuvor wegen einer Lieferung von Flugzeugkomponenten eine Strafanzeige
gegen das Unternehmen wegen einer angeblichen Verletzung des Kriegsmaterialgesetzes
eingereicht. Die eigentliche Täterschaft blieb im
dunkeln. Das sogenannte «1.-April-Komitee» war zuvor noch nie
in Erscheinung getreten. Ob ein Zusammenhang mit dem ersten Anschlag bestand,
blieb ebenfalls offen. Nochmals war die Ruag Ziel einer linksextremistischen
Aktion: Am 1. Mai 2003.
Rund dreihundert Chaoten versuchten im Rahmen einer unbewilligten Kundgebung
auf das Gelände der Ruag vorzudringen. Doch die Polizei verhinderte dies
und setzte Wasserwerfer ein. Die Kundgebung richtete sich auch dieses Mal
gegen die Waffenexporte der Firma und verlangte, wie zuvor an der
1.-Mai-Kundgebung die grüne Berner Nationalrätin Franziska Teuscher,
ein generelles Waffenausfuhrverbot für die Schweiz.
1.-Mai-Nachdemo
Die Demonstrierenden
formierten sich nach der 1.-Mai-Kundgebung der Gewerkschaften zu ihrem Zug
in Richtung Ruag im Norden Berns. Als sie sich dem Firmengelände näherten,
wurden sie von der Polizei am Weiterkommen mit Wasserwerfern gehindert. Die
Polizei erlaubte schliesslich einem halben
Dutzend Demonstrierenden, die in der Art von Waffeninspektoren der Uno in
weisse Overalls gekleidet waren, in die Nähe des Eingangsbereichs zu
gelangen. Dort wurde symbolisch eine Inspektion abgehalten.
Auf dem Rückweg kam es erneut zur Konfrontation mit der Polizei, als
diese die Herausgabe von zwei Schutzschilden verlangte, welche die Randalierer
zuvor «akquiriert» hatten. Sie hatten die Schutzgegenstände
in einer Nebengasse versteckt, wo sie von der Polizei gefunden wurden. Betreffend
Einsatz der Wasserwerfer kam es ebenfalls zur Kontroverse, weil die Krawallanten
diesen Einsatz angesichts naher Stromleitungen als unverantwortlich befanden.
«Friedenscamp» und Krawalle
Eine AP-Meldung vom 28. April 2003 begann so: «Nach ursprünglich
friedlichem Beginn ist ein sogenanntes Friedenscamp des linksautonomen Bündnisses
<Jugend gegen Krieg> in der Nacht zum Sonntag in stundenlange Scharmützel
mit der Polizei ausgeartet.» Da zeigt sich die Verharmlosungs-Strategie,
etwa bei Begriffen wie «friedlich», «Friedenscamp»,
«linksautononom» oder «Scharmützel».
Diese linksextremistische Aktion begann mit einem unbewilligten Umzug von
rund hundertzwanzig Personen durch die Berner Altstadt zum Dalmaziquai. Die
Demonstranten wurden von einem starken Polizeiaufgebot begleitet. In einem
Park am Dalmaziquai wollten sie unweit der US-Botschaft ein «Friedenscamp»
errichten, was die Berner Stadtbehörden aber bereits am Tag zuvor untersagt
hatten. Nach Verhandlungen mit der Polizei zogen die Demonstrierenden weiter
und schlugen ihr Lager schliesslich auf der anderen Aare-Seite unter der Monbijou-Brücke
auf.
Hatte die Stadtpolizei Bern für das Verhalten der Demonstrierenden am
Samstagabend noch lobende Worte gefunden, tönte es am Sonntagmittag anders:
«Versprechen nicht eingehalten, Vertrauen
missbraucht», war eine Mitteilung betitelt, mit der die Polizei über
nächtliche Krawalle und Lärmbelästigungen berichtete. Gemäss
Mitteilung waren um zwanzig und nach zweiundzwanzig Uhr jeweils etwa fünfzig
Demonstrierende über den Schönausteg vor die US-Botschaft gezogen.
In der
Zwischenzeit hörten sie bei der Monbijou-Brücke teils überlaut
Musik, was zu Lärmklagen der Anwohnerschaft führte.
Vor der US-Botschaft randalierten die Manifestanten lautstark und warfen Steine
und Flaschen. Nach zwei Uhr wurde die Polizei beim Schönausteg massiv
angegriffen und mit Steinen und Flaschen beworfen; drei Polizisten wurden
leicht verletzt. Die Polizei setzte Gummischrot ein. Die Unruhen zogen sich
bis gegen vier Uhr hin. Am Vormittag intervenierte die Stadtpolizei bei der
Mon bijou-Brücke und verlangte die Räumung des Camps, worauf es
zum Abzug kam.
Wieder Gewalt am 1. Mai
Wie jedes Jahr war der «Tag der Arbeit» auch 2003 in verschiedenen
Schweizer Städten von Ausschreitungen überschattet. Zu den heftigsten
Auseinandersetzungen kam es an der unbewilligten «Nachdemo» in
Zürich. Es wurden bei den Ausschreitungen 88 Menschen festgenommen. Drei
Polizisten wurden verletzt. Ein Einsatzleiter erlitt eine Ellbogenfraktur,
als er mit Gegenständen beworfen wurde. Ein weiterer Polizist wurde am
Knöchel verletzt, und eine Frau der uniformierten Frontmannschaft erlitt
ein Gehörtrauma.
Die Sachschäden betrugen über zweihunderttausend Franken. Sie wurden
laut Polizei-Mitteilung vorwiegend im Gebiet rund ums Bellevue verursacht.
Grössere Schäden gab es bei einer Boutique, einem Restaurant und
einem Gebäude einer Warenhauskette. Aber auch an der Fassade eines Bankgebäudes
entstand durch den Bewurf mit Farbbeuteln erheblicher Schaden.
Bei den Festgenommenen handelte es sich um 77 Männer und 11 Frauen. 69
davon waren Schweizer Nationalität. 7 waren Erwachsene, 43 junge Erwachsene
im Alter von 18 bis 25 Jahren, 33 waren Jugendliche im Alter von 15 bis 18
Jahren. Zudem wurden fünf Kinder unter 15 Jahren in Polizeigewahrsam
genommen. Den Festgenommenen wurden Straftatbestände wie die Teilnahme
an
einer unbewilligten Kundgebung, Landfriedensbruch, Gewalt und Drohung gegen
Beamte, verbotenes Waffentragen sowie Verstösse gegen das Ausländerrecht
vorgeworfen. 79 von ihnen wurden nach der Feststellung der Personalien und
der polizeilichen Befragung noch am gleichen Tag oder im Verlauf der Nacht
aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Drei Personen wurden der Bezirksanwaltschaft
zugeführt, vier der Fachgruppe Ausländerbelange der Stadtpolizei
und zwei den Jugendanwaltschaften von Zürich und Solothurn.
Nicht nur in Zürich
Auch in Lausanne kam es zu Ausschreitungen. Anlässlich des Umzuges hatten
mehrere Dutzend Demonstrierende am Abend die Terrasse des Hotels Palace verwüstet,
Sprayereien angebracht und Fenster eingeschlagen. Das Palace war eines von
mehreren Hotels, das ursprünglich für die Unterbringung von Delegationen
des G8-Gipfels vorgesehen war. Die Behörden hatten jedoch inzwischen
andere Varianten der Unterbringung gewählt, um die Errichtung von Sicherheitszonen
im Stadtzentrum zu vermeiden. Diese Ausschreitungen führten sogar innerhalb
des Waadtländer Anti-G8-Komitees zu Spannungen. Selbst der linksextremistische
PdA-Nationalrat, einer der Führer im Komitee, Josef Zisyadis, sprach
von «inakzeptablen Vorfällen» und zeigte sich empört
über die Sachbeschädigungen. Von Polizei-Seite habe es keine Provokationen
gegeben, «und jeder Idiot weiss, dass das Palace nicht als G8-Unterbringungsort
dient», sagte er der Nachrichtenagentur SDA am 2. Mai. Die SP Waadt,
ebenfalls Komitee-Mitglied, hatte sich bereits früher von gewissen Aktionen
distanziert.
Ja, selbst das beschauliche Solothurn war an diesem 1. Mai von linksextremistischen
Unruhen betroffen. Um etwa 15 Uhr machten sich die Linksextremisten vom Besammlungsplatz
beim Gewerbeschulhaus in der Vorstadt über die Wengibrücke in nördlicher
Richtung auf. Nach Schätzungen der Polizei handelte es sich dabei um
etwa 300 bis 350 Personen. Darunter befanden sich auch gegen hundert «jugendliche
Randalierer» aus Bern, wie sie die Polizei nannte. Via Stalden marschierten
sie durch die Hauptgasse zum Märetplatz und anschliessend zurück
in die Vorstadt. Gegen Ende des
Veranstaltung kam es zu Sprayereien und Sachbeschädigungen. Die Polizei
warmit einem Kontingent vor Ort und entsprechend vorbereitet, hielt sich jedoch
im Hintergrund. Um 16.30 Uhr löste sich der Demonstrationszug auf.
Paul Ehinger