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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 25. Mai 2001
«Operettenarmee»
und «Freizeit-Militaristen»
Keine
Alternative?
Alle derzeit in der Schweiz laufende Militär-Planung orientiert sich am Ziel «Kooperation». Dabei das räumen alle Planer ein kommt als Kooperationspartner einzig die Nato in Frage.
Wer diese tiefgreifende Neuausrichtung der schweizerischen Sicherheitspolitik weg von der selb- ständigen «Strategie des hohen Eintrittspreises», hin zu einer an Nato-Vorgaben orientierten «Einsatz- Armee» skeptisch beurteilt, wird mit persönlichen Anwürfen geradezu überschüttet. Er sei, liest man zum Beispiel aus der Feder des an der ETH lehrenden, vom Steuerzahler entlöhnten Strategie-Experten Kurt R. Spillmann, «ewiggestriger» Anhänger einer «degenerierten Operettenarmee für Freizeit-Milita- risten».
Ob Herr Professor Spillmann mit derart einfältiger Diffamierung offensichtliche Schwachstellen in seinem «Kooperationskonzept» glaubt übertünchen zu können? Die vor allem dann sichtbar werden, wenn er als angeblich «einzig denkbare Alternative» zu seinem Anschlusskonzept Richtung Nato eine waffenstar- rende, trotzig und allein nach allen Seiten um sich schlagende, in der Abwehr gegen hochmechani- sierte, technologisch weit überlegene «Feinde» verblutende Schweiz beschwört? Wenn er also den «Fall Israel» (das sich tatsächlich in solch von allen Seiten existenzbedrohend umzingelter Lage sieht) als weltweit einzige Alternative zum Nato-Anschluss akzeptiert?
Das soll die einzige Alternative sein? Hat denn nicht vor zwei Jahren eine materiell weit schwächere Verteidigung, weil sie bombardierende Flugzeuge bis auf eine Höhe von immerhin 5000 Metern zutreffen vermochte, die technologisch bei weitem überlegene Nato über dem Balkan in so grosse Flughöhen gezwungen, dass bewegliche Ziele nicht mehr zu treffen waren? Offenbar kann geschicktes Ausnützen von Verteidigungs-Vorteilen für die Schweiz etwa das coupierte Gelände und die dicht überbauten Agglomerationen materielle Unterlegenheit selbst heute ausgleichen.
Noch nie, zumindest in ihrer jüngeren Geschichte, glaubte die Schweiz einen weit übermächtigen Gegner sozusagen in offener Feldschlacht schlagen zu können. Es war immer die umsichtige Kombi- nation einer klugen Politik der strikten Nichteinmischung in Konflikte anderer Neutralität genannt , verbunden mit einem dank starker Armee glaubwürdigen Abwehrkonzept des hohen Eintrittspreises, der die Schweiz seit bald zweihundert Jahren Frieden und Unabhängigkeit verdankt.
Ist es das Übersehen solch elementarer Existenzbedingungen, welche die VBS-Planer sofort in aggres- sive Unterstellung Zuflucht nehmen lässt, wenn jemand Zweifel äussert an ihrer Einbahnstrasse Rich- tung Nato?
Ulrich Schlüer