Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer

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Am 4. Juni 1999 zum Asylwesen
Vor allem Unbestimmtes
Weit früher als von den Behörden erwartet, ist sie bereits Tatsache: Die
Flüchtlingswelle aus Kosovo, von italienischen Behörden mit Hilfe von
Schleppern «freundnachbarlich» an unsere Südgrenze dirigiert.Das einzige,
was Bern dazu bislang zu sagen weiss: Das Asylbudget für 1999 werde wohl
gesprengt werden.
Kein Wort fällt dagegen zur überfälligen, endlich beschleunigt
abzuwickelnden Rückführung aller noch immer in der Schweiz weilenden
ehemaligen Bosnien-Flüchtlinge. Ist Bosnien heute auch kein Paradies, so
ist es doch befriedet und sicher. Kein Grund für Bosnier, hier noch immer
Platz zu versperren für Kosovaren, denen es viel schlechter geht.
Allerdings: Freiwillig, «aus Solidarität» gehen die Bosnier nicht.
Behördenentscheide und darauf abgestütztes konsequentes, auch gegen
unqualifizierbare Medienpolemik durchgesetztes Handeln wäre gefragt - so
wie es die starke, ihrer Verantwortung vor der Öffentlichkeit wirklich
bewusste Zürcher Polizeidirektorin Rita Fuhrer bereits vorgemacht hat.
In Bern mutmasst man derweil bloss, dass wohl noch Zehntausende aus Kosovo
kommen werden - trotz aufwendiger Schweizer Hilfe vor Ort. Und dass das
Asylwesen 1999 viel mehr als vorgesehen kosten wird - obwohl sich ganz
Bundesbern erst vor wenigen Monaten feierlich am Runden Tisch gelobt hat,
die Sanierung der Bundesfinanzen vor allem durch Senkung der Asylkosten auf
sicher nicht mehr als eine Milliarde pro Jahr herbeizuführen. Dem Vize-Chef
des Flüchtlingsamtes, Urs Hadorn, fällt - wie einem Interview in der
«Berner Zeitung» vom 20. Mai zu entnehmen ist - dazu bloss ein, dass er die
Diskussion über zu hohe Asylkosten satt habe und dass er sich «nicht in die
Pflicht nehmen lasse, Kosten zu sparen». Wo sich Beamte derart nonchalant
über verbindliche Beschlüsse hinwegsetzen - wäre da nicht der Bundesrat
gefragt? Die junge, an sich zuständige Bundesrätin sei, vernimmt man dazu
höchstens, eben noch zu kurz im Amt, als dass bereits wegweisende
Entscheidungen zu erwarten seien. Zumal sie, ist man versucht beizufügen,
an medienwirksamen Auftritten in der Öffentlichkeit vorderhand wesentlich
interessierter scheint als an sorgfältiger, solider Einarbeitung in all
ihre brisanten Dossiers.
Eines ist klar: Nur das Volk, nur der Souverän kann Berns Schleuderkurs in
der Asylpolitik - unermessliche Geldverschleuderung verursachend - noch
stoppen. Die soeben gestartete neue Asylinitiative wird, wenn die dazu
notwendigen Unterschriften in der nötigen Raschheit zusammengetragen
werden, den ersten Schwerpunkt setzen auf dem Weg zur unaufschiebbaren,
tiefgreifenden Korrektur jenes unüberblickbar und unbezahlbar gewordenen
Wirrwarrs, der sich schweizerische Asylpolitik nennt.

Ulrich Schlüer


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