Vor 75 Jahren starb Lenin, der Erbauer des
Totalitarismus
Lenin - Kommunist und Tyrann
Von Ernst E. Borer, Zürich
Lenin, der russische Revolutionär und Initiant der Errichtung des
totalitären
Staates auf der Grundlage der kommunistischen Ideologie, ging vor 75 Jah-
ren von dieser Welt. Lenins Ableben verdient deshalb in Erinnerung gerufen
zu werden, hat sich dieser doch etwa sieben Jahre in der Schweiz aufgeha-
lten und hier völlig unbehelligt die Revolution in Russland vorbereitet.
Vor allem in Zürich war Lenins Wirkungs- und Studienstätte, auf den Konferenzen von
Kiental und Zimmerwald konstituierte sich unter seiner Führung jener radikale Flügel
der internationalen Arbeiterbewegung, aus dem die kommunistischen Parteien und
die Kommunistische Internationale (Komintern) hervorgegangen sind. Im April 1917
benannte er definitiv den Zusammenschluss «Kommunistische Partei», die sich im
Gegensatz zur Sozialdemokratie das «Kommunistische Manifest» von Marx und
Engels zu eigen machte. Übrigens: Lenins Klarname war Wladimir Iljitsch Uljanow.
Seinen Parteinamen «Lenin» legte er sich im Jahre 1901 zu.
Schöpfer des «neuen Menschen»
Der marxistisch-leninistische Perspektivplan enthielt nicht nur materielle
Verheis-
sungen. Für Lenin war der Hauptträger des kommunistischen Systems der «neue
Mensch». Als Merkmale schrieb er diesem besondere Eigenschaften zu: Er leistet
gewissenhafte Arbeit zum Wohl der Gesellschaft, er ist geprägt von
Gerechtigkeits-
gefühl, Wahrheitsliebe und Schlichtheit. Daher gehe die Kriminalität kontinuierlich
zurück, da in der kommunistischen Gesellschaft dank allseitiger
Bedürfnisbefriedi-
gung das Verbrechen restlos beseitigt werde. Da es der Führung nicht gelang - nicht
einmal in ihren eigenen Zirkeln -, die Eigenschaften des «neuen Menschen» wirklich
zu vermitteln, bildete sich an dessen Stelle der sozialistische Realismus, d.h. die
Anwendung von Gewalt, personifiziert durch Geheimpolizei, Folterknechte und Hen-
kergarden.
«Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die
Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu
gewinnen.» So steht es im «Kommunistischen Manifest». Altgenossen und solche,
die ihre Naivität bis heute nicht losgeworden sind, beharren auf der Behauptung,
Stalin und nicht der als Humanist gepriesene Lenin hätte der Gewaltanwendung das
Wort geredet und Massaker angeordnet. Diese Zwecklüge widerlegen die Grund-
sätze und Anweisungen Lenins und dessen Befehlsempfänger, wie es deutlicher
nicht mehr geht. Abgesehen davon, dass auch wir jüngst mit der
Geschichtsmanipu-
lation vertraut gemacht wurden, die in etwa dem Raster kommunistischer
Propagan-
disten gleicht, muss dieser Zwecklüge in bezug auf die Lenin-Biographie -
angerei-
chert durch neue Erkenntnisse - Rechnung getragen werden.
Am 20. Dezember 1917 wies Lenin, der sich selbst zum Barbaren erklärt hatte, den
Genossen Felix Dserschinski an, eine ausserordentliche Kommission zur Bekäm-
pfung der Gegenrevolution und der Spekulation zu organisieren. Unter dem Namen
«Tscheka» wurde diese Geheimpolizei des Sowjets sogleich zum Symbol eines
Terrorsystems, wie es die Welt noch nie zuvor erlebt hatte. Dserschinski war wohl
der Grossinquisitor, aber Lenin übernahm die volle Verantwortung für den Terror. Die
Droge «Terror» machte den «Leitstern der Weltrevolution» dermassen süchtig, dass
sich in der Öffentlichkeit Widerstand erhob und auf Lenin mindestens zwei Attentate
verübt wurden, die jedoch fehlschlugen.
Lenin verlangte nicht nur die Todesstrafe für seine politischen Gegner - die
Mensche-
wiki (Minderheitspartei) und die Sozialrevolutionäre -, denen er seit Anbeginn
mit
Hass begegnete. Sie galt auch für Diebe und Strolche: «Es hat in der Geschichte
keine einzige Revolution gegeben, wo die Menschen nicht eine gesunde Festigkeit
im
sofortigen Erschiessen von Dieben bewiesen hätten Eine Diktatur ist eine eiserne
Macht, die revolutionäre Kühnheit mit Schnelligkeit des Handelns verbindet und die
ebenso unerbittlich im Ausrotten von Ausbeutern wie von Strolchen ist.»
Dieselbe Strafe drohte auch denen, die man beim Verteilen oder Ankleben von
re-
gierungsfeindlichen Flugblättern ertappte.
Zuchtmeister
Der amerikanische Bolschewismus-Experte Richard Pipes legte 1995 in seinem
Buch «Drei Fragen der russischen Revolution» Dokumente vor, die Lenin als
skrupel-
losen Diktator ausweisen. Aus Insiderberichten wusste man dies seit Jahrzehnten,
die geöffneten Archive liefern nun aber die handfesten Beweise. In den Jahren
1921/
22 z. B. wurde die UdSSR von einer katastrophalen Hungersnot heimgesucht.
Anstelle eines Hilfsangebotes seitens der USA, das Lenin brüsk ablehnte, ordnete er
in einem Brief an Molotow Massnahmen an, die an Brutalität nichts zu wünschen
übriglassen:
«Es ist jetzt und nur jetzt, da in den Hungergebieten das Volk Menschenfleisch isst
und Hunderte, wenn nicht Tausende von Leichen die Strassen verdrecken, der Zeit-
punkt gekommen, dass wir die Konfiszierung von kirchlichen Wertgegenständen
bru-
tal und erbarmungslos durchführen können (und deshalb auch müssen). Je mehr
Ver-
treter der reaktionären Geistlichkeit und Bourgeoisie wir dabei hinrichten können,
desto besser.»
Die Hungerleidenden waren jedoch nicht allen Funktionären gleichgültig. An
einer
Sitzung des Sownarkoms nahm Alexei Rijkow das Wort und erklärte: «Kraft unseres
revolutionären Pathos sind wir Gott sei Dank in der Lage, unsere Arbeiter und Bauern
daran zu gewöhnen, auch ohne Brot zu arbeiten. Aber leider gelang es uns nicht, auch
unsere Pferde daran zu gewöhnen. Man mag die Pferde als konterrevolutionär
verur-
teilen, aber man kann diese Tatsache nicht leugnen, und ich fürchte, ihr werdet ihnen
Hafer geben müssen.»
Daraufhin befahl Lenin, den Bauern Brot und Hafer zu liefern. Die Arbeiter blieben
davon ausgeschlossen.
Erfinder der Konzentrationslager
Eine breite Öffentlichkeit glaubt noch immer, Hitler hätte als erster
Konzentrationsla-
ger eingerichtet. Dieser Irrglaube wird widerlegt durch den Befehl Lenins, den er am
9. August 1918 zur Ausführung weiterleitete: «Es ist notwendig, eine besondere
Truppe von ausgesuchten, zuverlässigen Männern zu organisieren. Diese müssen
einen unbarmherzigen Massenterror gegen Kulaken, Geistliche und Weissgardisten
durchführen. Alle verdächtigen Personen sind in einem Konzentrationslager
ausser-
halb der Stadt festzusetzen. Die Strafexpedition sollte sofort ausgesandt werden.
Drahtet über die Ausführung dieses Befehls. Präsident des Sownarkoms, LENIN.»
Wenn noch heute alle Schuld für den grausamen Terror dem einstigen Bankräuber
und späteren Generalsekretär der KPdSU, Jossif Stalin, überantwortet wird,
ge-
schieht dies aus dem alleinigen Grund, den Mythos des guten Vaters und
Menschen-
freunds Lenin nicht der Unglaubwürdigkeit anheimfallen zu lassen. Noch ist die Zahl
von Sozialisten und Kommunisten zu gross, um mit der Wahrheit den Mythos Lenin
der Auflösung preiszugeben. Einbalsamiert liegt er noch immer als Ikone im
Mauso-
leum in Moskau und wartet - hoffentlich vergeblich - auf eine Inkarnation!
Ernst E. Borer
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