Bürgerlich-konservative Zeitung für
Unabhängigkeit, Föderalismus und Freiheit


Spalte rechts

Übler Missbrauch

Spalte rechts vom 15. Mai 1998 (Ausgabe Nr. 12)

!SCHLER2.GIF (4603 Byte)  

Politiker, die sich zur Rückführung bosnischer Flüchtlinge äussern wollen, müssten die Situation am Ort kennen. Dann würden sie einsehen, dass Rückführungen unmöglich, unmenschlich seien. So belehren uns derzeit Schüler in verdächtig koordinierter Aktion – auffällig unterstützt von Medien und «Kulturschaffenden»: Die Rückführungen sollen torpediert, verhindert werden.

Der Autor dieser Zeilen hat Bosnien besucht. Gründlicher als die entsandten Schüler. Er kann die von ihnen behaupteten «Tatbestände» beurteilen.

Zum Beispiel die Schüler-Berichte über Mostar: Tatsächlich gibt es dort noch Ruinen, entlang der seinerzeit zwischen Muslimen und Kroaten erbittert umkämpften Demarkationslinie. Aber die Streithähne sind heute getrennt. Die Frontlinie ist seit zwei Jahren unter Kontrolle der SFOR-Truppen. Diese haben Mostar befriedet. Man kann dort spazieren. Ohne militärischen Schutz. Selbst nachts. Dass dort Schüsse fallen, ist Erfindung. Zwecks bewusster Täuschung der Öffentlichkeit.

Richtig: Die in Dayton ausgehandelten Vereinbarungen haben Bosnien nicht «den Frieden» gebracht, aber sie haben das Land befriedet. Getötet, verfolgt wird niemand mehr. Der Krieg ist vorbei. Weil die verfeindeten Volksgruppen rigoros getrennt wurden. Heute leben die Menschen dort in Sicherheit. Allerdings: Die Trennung der Streithähne bewirkt, dass nicht jedermann dort leben kann, wo er früher lebte. Aber jede und jeder, auch zurückkehrende Flüchtlinge, können unter ihresgleichen und sicher leben, eine bessere Zukunft aufbauen. Werden irgendwo auch nur Gelüste nach Gewalt wach, schreiten die SFOR-Truppen der Nato sofort ein. Rigoros.

Krass unwahr ist die Behauptung, Rückkehrer würden bloss Zerstörung antreffen. Der Wiederaufbau ist weit fortgeschritten. Auch die Schweiz hat – durch private Hilfswerke wie Caritas, durch das Katastrophenhilfe-Korps – Beispielhaftes geleistet, im Siedlungs- wie im Schulbau. Zurückkehrende Schüler müssen zwar Luxuseinbussen hinnehmen. Von Abbruch der Ausbildung kann keine Rede sein. Wer solches behauptet, sagt – bewusst oder fahrlässig – nicht die Wahrheit.

Bosnien wurde durch die Intervention von aussen befriedet. Die Sicherheit der Menschen ist heute wieder gewährleistet. Den Frieden, die Versöhnung zwischen den verfeindeten Volksgruppen – das müssen die Bosnier selbst zustande bringen, das kann ihnen von aussen nicht gebracht werden. Junge Menschen, die – wie in den Resolutionen hiesiger Schüler zu lesen ist – «die Zukunft verkörpern», könnten da wohl einiges beitragen.

Schwerwiegend verantwortungslos aber ist es, hiesige Schüler mit unwahren oder ungenauen «Argumenten» gegen die für die Umsetzung der Asylpolitik verantwortlichen Behörden als Aushängeschilder für die Medien in den Kampf zu schicken. Sind die Drahtzieher dieser Kampagne Lehrer, Schulleiter, um ihr Einkommen fürchtende Flüchtlingsbetreuer, dann sind diese konsequent am Wickel zu packen. Schüler für Polit-Kampagnen zu missbrauchen, das war seinerzeit in sozialistischen Staaten üblich. Wer sich heute und hier solches zuschulden kommen lässt, hat an einer öffentlichen Schule nichts verloren.

Ulrich Schlüer


**Inhalt "Spalte rechts"**