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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 25. April 2008

Neue Auslandeinsätze der Armee
Schweizer Mafia-Ausbildner?

Es war vor rund zehn Jahren: Die Schweizer Armeespitze wurde von einem eigentlichen Fieberschub durchgeschüttelt: Nur Auslandeinsätze, dramatisierten die Verantwortlichen, garantierten unserer Armee noch eine Zukunft. Verteidigung: «Für immer vorbei!» Schliesslich seien wir nur noch «von Freunden umzingelt». Neutralität: «Sanft einschlafen lassen!». Ausland, Ausland, Ausland…

Die Realität band die Höhenflüge zwar zurück. Immerhin: Bezüglich Ausland-Training gelang ein gewisser Durchbruch. Der Schweiz seien die Immissionen von Überschall-Training und Aufmarsch grosser Panzerverbände nicht länger zuzumuten. Das zog vorerst. Dass der Trainings-Export auf Gegenseitigkeit vereinbart wurde, erfuhr die Schweiz erst später. Als französische Panzer (das Immissions-Argument war plötzlich vergessen) das Glarnerland beglückten, als britische «special forces» in Zivil in unseren Alpen Afghanistan-Einsätze trainierten.

Doch jetzt, mit dem neuen, demnächst in die Räte gelangenden Militärgesetz erfolgt der nächste Schub: Die Schweiz will sich an sog. «Regionaler Militärischer Kooperation» (RMK) beteiligen. Auf dem Balkan, im südlichen Kaukasus, in Nordafrika, in Schwarzafrika. Dazu wird jetzt – klarer Wortbruch gegenüber dem Schweizer Souverän – der Auslandeinsatz für Berufsmilitärs definitiv obligatorisch erklärt. Man brauche die Schweizer als Ausbildner. Im Klartext: Die Schweiz will, der Nato gleich, sog. «Militärberater» stellen. Die im Ausland Armeen ausbilden. Staatliche Söldner, die Hashim Thacis kosovarische Mafiatruppen ausbilden. Die im Kaukasus Putin reizen. Die in Nordafrika islamistische Muslim-Bruderschaften auf die Schweiz als Terror-Operationsgebiet aufmerksam machen. Die im dem ewigen Krieg verfallenen Schwarzafrika neue Flüchtlingsströme auslösen helfen.

Schweizer Berufsmilitärs als Militärberater für kaukasische, balkanische, afrikanische Potentaten: Eine derart hirnverbrannte Idee kann nur in Calmy-Reys «Kompetenz-Zentrum» entstehen, wo einmal mehr darauf spekuliert wird, dass der eigentliche Armee-Verantwortliche Samuel Schmid – derzeit ohnehin vom Intrigieren gegen seine ehemalige Fraktion voll absorbiert – schliesslich einmal mehr bloss verhalten murrend hinterhertrotten wird.

Während Bern neue Ausland-Hirngespinste plant und ausfeilt, muss sich die Truppe hier, weil die Logistik buchstäblich kollabiert, mit Radpanzern herumschlagen, die nicht mehr wintertauglich bereift werden können…

Nicht nur die Armeegegner zerstören die Schweizer Armee. Die wirkliche Gefahr geht aus von Unfähigen und Auslands-Phantasten an ihrer Spitze.

Ulrich Schlüer

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