Nr. 12, 17. Mai 2002

Wertvolle Luzerner Initiative
Wahrheit in den Medien
Porträt des «Fördervereins für wahrheitsgemässe Information»

Dass die Medienberichterstattung Meinungen und Haltungen prägt, ist eine Binsenwahrheit. Weil Medienmacher die ihnen offenstehenden Beeinflussungsmöglichkeiten nicht allzu selten missbrauchen, haben Persönlichkeiten aus dem Kanton Luzern einen Verein gegründet, der sich um «wahrheitsgemässe Information» bemüht.

Genauer: Eigentlich wurden zwei Vereinigungen gegründet: Der «Förderverein für wahrheitsgemässe Information» einerseits, die Stiftung «Wahrheit in den Medien» anderseits. Die «Schweizerzeit» hat mit den Präsidenten der beiden Vereinigungen, Dr. phil. Hermann Suter, Greppen (Präsident «Förderverein für wahrheitsgemässe Information»), und Dr. Alexander Wili, Kriens (Präsident «Stiftung Wahrheit in den Medien»), ein Gespräch geführt.

Protest genügt nicht
Anlass zur Gründung beider Vereinigungen gab die immer wieder festgestellte einseitige Information zu wichtigen Ereignissen und Entwicklungen, die, wenn sie von den Massenmedien verbreitet wird, nur in den seltensten Fällen korrigiert werden kann. Gegen solche Einseitigkeit kann zwar Protest erhoben werden, berichtigt wird eine Falsch-Darstellung dadurch aber nicht. Beide Vereinigungen legen den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit deshalb auf die Medienerziehung. Sie unternehmen Anstrengungen, ein breiteres Publikum ­ besonders auch junge Mitbürgerinnen und Mitbürger ­ über die Techniken der Berichterstattung, über die Hintergründe der Auswahl von Gemeldetem und Nichtgemeldetem ins Bild zu setzen, damit die Medienkonsumenten in die Lage versetzt werden, weit sicherer unterscheiden zu können, ob eine bestimmte Sendung, eine bestimmte Darstellung wahrheitsgetreu oder manipuliert ist.

Kritischer Umgang mit den Medien
Spektakuläre Soforterfolge zeitigt diese Arbeit nicht. Es geht den Initianten vielmehr darum, im Umgang der Konsumenten mit der ihnen vorgesetzten Medienkost langfristig Veränderungen herbeizuführen. Angestrebt wird, die Medienkonsumenten grundsätzlich skeptischer und kritischer zu stimmen, sie darauf hinzuweisen, was für Vergleichsmöglichkeiten zu Gesendetem und Berichtetem bestehen. Es soll also der kritische Geist der Medienkonsumenten gestärkt werden. Dies geschieht an Symposien, die einerseits gezielt für junge Leute ­ beispielsweise im Rahmen von Veranstaltungen des Pestaloz- zianums ­ angeboten werden. An ein breiteres Publikum wenden sich Tagungen, die regelmässig im Rathaus Luzern stattfinden, wobei der von Jahr zu Jahr wachsende Publikumsaufmarsch den Veran- staltern Beweis dafür ist, dass ihre Anstrengungen zunehmend honoriert werden und auf wachsende Beachtung in der Öffentlichkeit stossen. Selbstverständlich gehört zur Medien-Aufklärungsarbeit der beiden Vereinigungen, Informationen zu vermitteln über gesetzliche Möglichkeiten zur Beschwerde-, gegebenenfalls auch Klageführung gegen krasse Regelverletzungen oder krasse Desinformation in Artikeln und Sendungen.

Einfluss nehmen
Die Frage drängt sich auf: Will der «Förderverein für wahrheitsgemässe Information» gleichsam als Ersatz auftreten für die vor einigen Jahren verschwundene (bzw. in einer neuen Vereinigung aufgegan- gene) «Schweizerische Fernseh- und Radiovereinigung» (sfrv), die seinerzeit als «Hofer-Club» immer wieder für Schlagzeilen in der Öffentlichkeit gesorgt hat? Die Initianten der beiden Luzerner Vereinigun- gen verneinen: Ihnen geht es weniger um eine Mobilisierung der Öffentlichkeit für Protestkundgebungen im Anschluss an offensichtliche Missbräuche von Medienschaffenden. Sie wollen vorbeugend wirken, das Problem gleichsam an den Wurzeln packen, also bei der Erziehung beginnen. Einerseits sollen die Medienkonsumenten Berichtetes und Gesendetes kritischer beobachten und verfolgen können, ander- seits sollen Journalisten, Moderatoren und Redaktionen nachdrücklich auf ihre Verantwortung gegen- über der Wahrheit hingewiesen werden.

Allerdings: Journalisten lassen sich an den Tagungen des «Fördervereins für wahrheitsgemässe Infor- mation» bislang kaum blicken. Das entmutigt die Initianten indessen nicht: Je mehr Medienkonsumen- ten kritisch Stellung nehmen zu immer wieder vorkommenden Missbräuchen der Machthaber in den Medien, desto nachdrücklicher werden die Verantwortlichen für Missbräuche kritisiert und gegebenen- falls auch blossgestellt. Auch das erzielt Wirkung.

Antriebskräfte
Nach dem Motto «Steter Tropfen höhlt den Stein» führen die beiden Vereinigungen ihre Anstrengungen zielbewusst weiter. Wichtiger Impuls für die beiden Initianten war ein Jubiläum, das in unserem Land erstaunlicherweise nicht beachtet wurde: 1998 war nicht nur das Gedenkjahr für 150 Jahre Bundesver- fassung. Es hätte auch als Gedenkjahr «150 Jahre Pressefreiheit» gefeiert werden müssen. Die Tatsache, dass Medienfreiheit die Verantwortung für wahrheitsgetreue Information voraussetzt, war keinem Exponenten der schweizerischen Medienwelt eine Gedenkstunde wert. Einzig der «Förderverein für wahrheitsgemässe Information» hat auf dieses Jubiläum hingewiesen ­ und gleichzeitig festgestellt, dass der dreissig Jahre zuvor von der politischen Linken angekündigte «Marsch durch die Institutionen» in den Medien, insbesondere in den Massenmedien besonders tiefe Spuren hinterlassen hat. Die beiden Initianten sind überzeugt: Nur ein mündiger, wohlinformierter Bürger kann solcher Unterwanderung Einhalt gebieten, kann sie auch rückgängig machen. Voraussetzung ist, dass der Bürger mit den Medien ­ so wie diese sich heute präsentieren ­ umgehen kann, indem er den Informationsgehalt von Medienberichten richtig und sicher einzuschätzen lernt.

Interessierte Jugend
Eine wichtige Feststellung beflügelt die Tätigkeit der beiden Initianten: Das hohe Interesse der Jugend von heute an politischen Ereignissen und politischen Entwicklungen wird ­ zum Beispiel in den alljähr- lichen Rekrutenbefragungen ­ immer wieder belegt. Die Jugend wird aber kaum altersgemäss ange- sprochen. Medienpädagogik hat sich deshalb gezielt auch an die junge Generation zu richten. Im Klartext: Die Informationsverbreitung via Internet ist mit Umsicht in die medienpädagogischen Anstren- gungen miteinzubeziehen. Deshalb wird der «Förderverein für wahrheitsgemässe Information» seinen nächsten Ausbauschritt im Bereich Internet vornehmen. Damit er unmittelbarer mit der Jugend in Kontakt treten kann.

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