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Das von der amerikanischen
Regierung, vom Jüdischen Weltkongress und von den Sammelklagen-Strategen inszenierte,
milliardenfordernde Erpressungsmanöver scheint tatsächlich dem Durchbruch nahe: Die
Schweizer Grossbanken sind vom Kotau vor den Erpressern offenbar nicht mehr abzubringen;
sie wollen zahlen! Als Schweizer, ist aus Kreisen dieser Erpressten zu hören, müsse man
sich mit den Machtverhältnissen eben abfinden, müsse überkommene Vorstellungen von
Recht und Gerechtigkeit fallen lassen. Die «selbstgewählte Isolation», fügen sie in
vorwurfsvollem Ton noch bei, koste eben ihren Preis.
Selbstgewählte Isolation? Es ist doch nichts anderes als grotesk, für den
jämmerlichen Kniefall vor Erpressern jetzt noch «dem Schweizervolk» alle Schuld
zuschieben zu wollen. Empfinden fragt man sich unwillkürlich diejenigen,
die sich dem skrupellosen Druck aus den USA unterwürfig unterziehen, etwa noch
klammheimlich Freude darüber, als würde ihnen endlich ein vermeintlich zügiges Argument
gegen den sich so störrisch «internationaler Öffnung» verweigernden Souverän in die
Hand gegeben?
Als ob das Schweizervolk vor den Erpressern in die Knie ginge! Als ob der Souverän den
ebenso verdienten wie klarsichtigen früheren Schweizer Botschafter in Washington
angesichts ungehobelter Angriffe nach gezielt von der «SonntagsZeitung» gegen ihn
inszeniertem Abschussmanöver in die Wüste geschickt hätte.
Als ob der Souverän auf die verhängnisvoll appetitanregende Idee gekommen wäre, die
erste Druckwelle aus den USA mit einem Sieben-Milliarden-«Befreiungsschlag» namens
Solidaritätsstiftung kontern zu wollen. Als ob es dem Souverän an Mut und
Standhaftigkeit gefehlt hätte, dem amerikanischen Unterstaatssekretär Stuart Eizenstat
auf dessen beleidigende Etikettierung der schweizerischen Neutralität als «unmoralisch»
mit scharfem, formellem Regierungsprotest zu begegnen. Als ob dem Souverän der Mut
fehlte, die Verbindung zum Jüdischen Weltkongress abzubrechen, nachdem dessen Präsident
der Schweiz den «totalen Krieg» angedroht hat. Als ob das Schweizervolk unserem heutigen
Botschafter in den USA den Auftrag erteilt hätte, USA-auf und USA-ab demütig
Schuldbewusstsein und Zahlungsbereitschaft zu demonstrieren.
Als würde der Souverän den Bundesrat daran hindern, die Verhandlungen zwischen
amerikanischer Regierung und schweizerischen Banken endlich zu unterbinden mit der
formellen Erklärung, dass sich eine ausländische Regierung mit Anliegen in einem andern
Land, wie es internationalem Recht entspricht, an die hiesige Landesregierung zu wenden
habe.
Wer in zweifellos nicht harmloser internationaler Auseinandersetzung
Rückgrat, Mut und Standhaftigkeit vermissen lässt, dem ist verständlicherweise daran
gelegen, die Schuld für das eigene Versagen andern in die Schuhe zu schieben. Zumal die
Schweiz als Folge ihrer unterwürfigen Hinnahme von Attacken und Erpressungen aus den USA
tatsächlich ins Abseits gedrängt wird. Wer sich gegen ungerechte und erpresserische
Angriffe nicht wehrt, wer sich bloss duckt und zahlt, der gewinnt keine Freunde.
Schwächlinge geraten in der Weltpolitik immer unter die Räder.
Ulrich Schlüer |