Bürgerlich-konservative Zeitung für
Unabhängigkeit, Föderalismus und Freiheit


Spalte rechts

Isoliert ?

Spalte rechts vom 8. Mai 1998 (Ausgabe Nr. 11)

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Das von der amerikanischen Regierung, vom Jüdischen Weltkongress und von den Sammelklagen-Strategen inszenierte, milliardenfordernde Erpressungsmanöver scheint tatsächlich dem Durchbruch nahe: Die Schweizer Grossbanken sind vom Kotau vor den Erpressern offenbar nicht mehr abzubringen; sie wollen zahlen! Als Schweizer, ist aus Kreisen dieser Erpressten zu hören, müsse man sich mit den Machtverhältnissen eben abfinden, müsse überkommene Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit fallen lassen. Die «selbstgewählte Isolation», fügen sie in vorwurfsvollem Ton noch bei, koste eben ihren Preis.
Selbstgewählte Isolation? – Es ist doch nichts anderes als grotesk, für den jämmerlichen Kniefall vor Erpressern jetzt noch «dem Schweizervolk» alle Schuld zuschieben zu wollen. Empfinden – fragt man sich unwillkürlich – diejenigen, die sich dem skrupellosen Druck aus den USA unterwürfig unterziehen, etwa noch klammheimlich Freude darüber, als würde ihnen endlich ein vermeintlich zügiges Argument gegen den sich so störrisch «internationaler Öffnung» verweigernden Souverän in die Hand gegeben?
Als ob das Schweizervolk vor den Erpressern in die Knie ginge! Als ob der Souverän den ebenso verdienten wie klarsichtigen früheren Schweizer Botschafter in Washington angesichts ungehobelter Angriffe nach gezielt von der «SonntagsZeitung» gegen ihn inszeniertem Abschussmanöver in die Wüste geschickt hätte.
Als ob der Souverän auf die verhängnisvoll appetitanregende Idee gekommen wäre, die erste Druckwelle aus den USA mit einem Sieben-Milliarden-«Befreiungsschlag» namens Solidaritätsstiftung kontern zu wollen. Als ob es dem Souverän an Mut und Standhaftigkeit gefehlt hätte, dem amerikanischen Unterstaatssekretär Stuart Eizenstat auf dessen beleidigende Etikettierung der schweizerischen Neutralität als «unmoralisch» mit scharfem, formellem Regierungsprotest zu begegnen. Als ob dem Souverän der Mut fehlte, die Verbindung zum Jüdischen Weltkongress abzubrechen, nachdem dessen Präsident der Schweiz den «totalen Krieg» angedroht hat. Als ob das Schweizervolk unserem heutigen Botschafter in den USA den Auftrag erteilt hätte, USA-auf und USA-ab demütig Schuldbewusstsein und Zahlungsbereitschaft zu demonstrieren.
Als würde der Souverän den Bundesrat daran hindern, die Verhandlungen zwischen amerikanischer Regierung und schweizerischen Banken endlich zu unterbinden mit der formellen Erklärung, dass sich eine ausländische Regierung mit Anliegen in einem andern Land, wie es internationalem Recht entspricht, an die hiesige Landesregierung zu wenden habe.
Wer in – zweifellos nicht harmloser – internationaler Auseinandersetzung Rückgrat, Mut und Standhaftigkeit vermissen lässt, dem ist verständlicherweise daran gelegen, die Schuld für das eigene Versagen andern in die Schuhe zu schieben. Zumal die Schweiz als Folge ihrer unterwürfigen Hinnahme von Attacken und Erpressungen aus den USA tatsächlich ins Abseits gedrängt wird. Wer sich gegen ungerechte und erpresserische Angriffe nicht wehrt, wer sich bloss duckt und zahlt, der gewinnt keine Freunde. Schwächlinge geraten in der Weltpolitik immer unter die Räder.

Ulrich Schlüer


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