Nr. 11, 28. Mai 2010
Rede zum Bruder Klaus-Gedenktag
Wer rettet heute unsere Heimat?
Von Dr. Hermann Suter-Lang, Greppen LU
Am traditionellen Bruder Klaus-Gedenktag vom 13. Mai 2010 in Flüeli-Ranft und in der Wallfahrtskirche Melchtal wurde der grossen Bedeutung von Bruder Klaus für die Heimat gedacht und daran, dass die Schweiz im Zweiten Weltkrieg verschont wurde.
Der Luzerner Historiker Hermann Suter-Lang sagte in seiner Rede unter anderem:
Ich heisse Sie zu diesem Gedenktag herzlich willkommen. Es tut gut zu wissen, dass so viele Menschen unserem Landespatron – 523 Jahre nach seinem Todesjahr – die Ehre ihrer Anwesenheit erweisen. Dieser ebenso grossartige, wie unvergleichlich bescheiden-demütige Heilige hat das Land in seinen schwersten Stunden beschützt. Ihm und den Generationen, die damals während der schweren Kriegsjahre Grossartiges geleistet haben, wollen wir nach 70 Jahren gedenken und für immer dankbar sein.
Am Ende des Ersten Weltkrieges forderten die Menschen: «Nie wieder Krieg!» und stellten die Frage: «Braucht die Schweiz überhaupt noch eine Armee?»
Friedenssehnsucht
Nach dem schrecklichen Ersten Weltkrieg war die Sehnsucht nach ewigem Frieden genau so gross wie die Illusion, dieses uralte Ziel der Menschheit sei wirklich erreichbar. Innert weniger Jahre liessen die verantwortlichen Behörden damals die Armee regelrecht verlottern.
Als am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, war unsere Milizarmee in keiner Weise kriegsbereit: Es fehlte schlicht an allem! Im Mai 1940: Das denkbar schlimmste Szenario trat ein! Mit einem militärisch brillanten Täuschungsmanöver, vermochte die gewaltige deutsche Wehrmacht den französischen Generalstab derart in die Irre zu führen, dass dieser seine Truppen vollkommen falsch disponierte. Nach nur sechs Kriegstagen gelang der topmodernen deutschen Kriegsmaschinerie der Durchbruch an der Maas. Die neutralen Benelux-Staaten wurden besetzt und versklavt. Die stolze «Grande Nation» lag zerstört am Boden. Auch die schweizerischen Armeeleitung und ihre Nachrichtendienste erkannten das raffiniert angelegte deutsche Täuschungsmanöver nicht.
Anpassung oder Widerstand?
In diesen äusserst gefährlichen und dramatischen Mai-Tagen des Jahres 1940 mussten Bundesrat und Armeeführung stündlich mit einem deutschen Grossangriff auf die Schweiz rechnen. Die Angst vor der Kriegsfurie war riesengross. Zehntausende flüchteten aus dem Norden des Landes Richtung Süden.
Am 11. Mai 1940 wurde die Armee zum zweiten Mal mobilisiert. 450‘000 Mann, gegen 100‘000 Frauenhilfsdienstangehörige und ebenso viele Ortswehrpflichtige schwörten den Eid und waren bereit, ihr Leben für die Heimat herzugeben. Millionen von Frauen, Müttern, Grossmüttern, junge und ältere Mitmenschen nahmen die gewaltigen Lasten an der Heimatfront auf sich und leisteten Grossartiges für das Überleben, für die Unabhängigkeit und die Freiheit des kleinen Schweizerlandes.
Bundesrat und Teile des Parlamentes blieben zögerlich und begannen von „Anpassung an die neue Ordnung Europas“ zu sprechen.
Göttliche Vorsehung
Der überaus couragierte General Henri Guisan wurde demgegenüber zum Inbegriff des Widerstandes um jeden Preis. Es gelang ihm, die gewaltige Mehrheit des Volkes hinter sich zu scharen. Guisan hat Zeit seines Lebens nie einen Hehl daraus gemacht, dass nicht die eigene militärische Kraft, sondern dass es die göttliche Vorsehung gewesen sei, welche das Land damals vor dem Krieg verschont habe. Die Aktivdienstgenerationen haben dies genau so empfunden. Die gewaltig leuchtende Hand am nächtlichen Himmel über Waldenburg, hat ihnen am 13. Mai des Jahres 1940 wieder Hoffnung und Zuversicht gegeben.
Sommer 1940: 120‘000 Mann bleiben an der Grenze – 300‘000 Mann ziehen sich ins Gebirge («Réduit national») zurück! Angesichts der gewaltigen Überlegenheit der deutschen Wehrmacht, die jetzt an der Westgrenze der Schweiz – mithin im Rücken des Gros unserer Armee lag, blieb dem General gar nichts anderes übrig, als das Gros der Armee ins Réduit zurückzuführen, während 120‘000 Mann an den Landesgrenzen auszuharren hatten. Es ist völlig abwegig, wenn die famose Bergier-Kommission in diesem Zusammenhange von einer «Demutsgeste gegenüber Hitler» spricht, oder wenn General Guisan als «Réduit-Showman» hingestellt wird.
Dass sich die ab Mitte Mai 1940 total vom nationalsozialistischen Deutschland und vom faschistischen Italien eingekreiste Schweiz – die damit ums nackte Überleben ihrer 4,5 Millionen Menschen bangte – neu orientieren und nach tauglichen Überlebensstrategien suchen musste, lag auf der Hand. Daraus den damaligen Generationen den Vorwurf der Kollaboration mit den Nazis – allein um der schnöden Bereicherung willen – zu machen (wie es eben diese Bergier-Kommission tat) kommt der Geschichtsklitterung, ja der Geschichtsfälschung gleich und kann deshalb nicht mehr länger ernst genommen werden. Diese «Pseudo-Historiker» haben sich damit selber entlarvt und ihre «Erkenntnisse» haben die Glaubwürdigkeit für alle Zeit verspielt.
Wer rettete vor siebzig Jahren unsere Heimat ?
Wir müssen und wollen diesen Generationen für immer dankbar sein. Nur dank ihrer mutigen Opferbereitschaft, können wir überhaupt als freie Menschen heute hier sein. Es ist eine grosse Freude, es ist für uns ein wirkliches Privileg, dass wir Augenzeugen des damaligen Wunders hier unter uns haben dürfen! Stellvertretend spreche ich Ihnen, liebe anwesende Augenzeugen des Wunders von Waldenburg, unser Aller Dank und unsere Anerkennung aus. Der Herrgott möge Ihnen einen weiterhin gesegneten Lebensabend schenken!
Und wer rettet unsere Heimat heute ?
Es sind bestimmt nicht jene Kreise, welche
Man kann diesen Katalog beinahe unendlich verlängern. Heiliger Bruder Klaus behüte uns vor diesen falschen Propheten! Gib uns die Kraft, dass wir für sie beten!
Und wer rettet unsere Heimat heute wirklich ?
Auch diesem Katalog könnte man unzählige weitere Beispiele des Guten anfügen.
Unsere christlichen Ideale
Möge es uns durch die Fürbitte des Heiligen Bruder Klaus gelingen, diese allgütige Hand des Schöpfer Gottes immer wieder zu suchen und zu ergreifen. Möge es uns gelingen, voller Vertrauen die christlichen Ideale hochzuhalten und für deren neue Verbreitung in unserem Lande und in der weiten Welt einzustehen.
Unser ehemaliger Generalstabschef Jörg Zumstein (1923-1997/Gst C 1981-1985) hat es so gesagt:
„Es ist an der Zeit, dass wir einsehen, dass wir auf die Botschaft nicht verzichten können, die für uns in den Evangelien enthalten ist, und dass es dafür keinen Ersatz gibt. Wir leben gewiss in einer schwierigen Zeit. Aber eine Aufgabe ist von uns genommen: Wir müssen die Ordnung nicht neu erfinden, in die uns der Schöpfer in seiner Weisheit und in seiner Gnade hineingestellt hat. Wir müssen lediglich bereit sein, auf Ihn zu hören.“
Hermann Suter-Lang