Nr. 11, 21. Mai 2004

Wer hat sich wem anzupassen?
Integration - Illusion und Wirklichkeit
Von Lubomir T. Winnik, Wil bei Rafz ZH

Die politische Linke hat das Schlagwort verbreitet: «Kein Mensch ist illegal.» Das Schlagwort wurde weltweit als Einladung verstanden. Und die Asylantenwelle liess nicht auf sich warten: Menschen verschiedenster Rassen, Kulturen, Religionen und Mentalitäten.

Sie brachten uns nicht nur ihre exotische Küche. Sie brachten auch Probleme, zuweilen selbst grausame Konflikte mit, die dann auf helvetischem Boden weiter ausgetragen wurden. Banden-Kriminalität musste die Schweiz erst kennenlernen; und immer öfter trifft man auf Strassen und Plätzen auf Abfall-Hinterlassenschaften, von denen man bislang glaubte, sie würden bloss das Strassenbild Kalkuttas «zieren». Sogar in ihren eigenen Wänden fühlen sich viele nicht mehr sicher: Einbrüche, zunehmend von sog. Rumänen-Banden, auch Vergewaltigungen durch Eindringlinge nehmen zu. Unsere - im internationalen Vergleich - Nobel-Gefängnisse platzen aus allen Nähten, ein Heer von Psychologen, Betreuern, Hilfswerks-Mitarbeitern lassen den Betreuungsaufwand ins Uferlose wachsen - ein Ende ist nicht abzusehen. Den «Asylanten» verdankt die Betreuungs-Bürokratie die krisensichersten Jobs,
die der Arbeitsmarkt heute und für lange Zeit anzubieten hat. Denn der fahrlässig herbeigeführte Zustand wird immer stärker zementiert - fast für die Ewigkeit.

Naivität oder Berechnung?
Der Eifer der für den steten Willkomm-Gruss an immer weitere Fremde sorgenden «Progressiven» ist ungebrochen - so wenig ihre Argumente auch zu überzeugen vermögen.
Ein Beispiel: Vor etwa zwei Jahren veranstaltete die Gemeinde Opfikon-Glattbrugg (Ausländeranteil: 58%!) sogenannte «Tage der Integration». Der damalige Stadtpräsident, Jürg Leuenberger, pries
unermüdlich die multikulturelle Vielvölker-Harmonie in seiner Stadt. Im grossen Festzelt offenbarte sich die Realität deutlich: Zahlreiche Schweizer fanden sich zum Integrations-Fest ein; die zu integrierenden fremden «Mitbürger» kamen gar in Scharen. Der folgende Tag war als «Tag der Schweiz» etikettiert: Das riesige Zelt blieb weitgehend leer. Die integrationsdurstigen «Mitbürger» fehlten gänzlich. Die nicht allzu zahlreich anwesenden Schweizer hatten ihre Fest-Bratwurst ganz allein zu verzehren.
Was bedeutet eigentlich das aus dem Lateinischen abgeleitete Wort «Integration»? Im Fremdwörterbuch von Knaur wird «Integration» erklärt als «Zusammenschluss, Vereinigung». Haben etwa die Agitatoren der forcierten Einwanderung das ursprüngliche Ziel von Integration verändert? Wollen sie - nicht völlig uneigennützig - die Fremden vor allem im hiesigen Betreuungsapparat unterbringen? Von «Anpassung» - im Sinne der ursprünglichen Bedeutung von «Zusammenschluss» - ist keine Rede mehr! Oder spürt jemand eine Anstrengung, Muslime den Christen, Schwarze den Weissen
anzupassen? Nicht einmal den hiesigen Arbeitsgewohnheiten, der hiesigen Bereitschaft zur selbständigen Bestreitung des eigenen Lebensunterhalts, der hiesigen Bereitschaft zur Bezahlung von Steuern, Sozialabgaben usw. sollen sich die Fremden «anpassen» müssen. Steuern kann man der arbeitenden hiesigen Bevölkerung zumuten, aber doch nicht papierlosen, für sich Asylrecht beanspruchenden jungen Ausländern - Arbeitsfähigkeit hin oder her.

Dass «Zusammenschluss» und «Vereinigung» auch kulturelle, geistige, weltanschauliche Anpassung bedeuten würde an das Land, das Fremde als ihren neuen Lebens-Mittelpunkt auswählen, wird in der Diskussion ausgespart. So, als könnten die Fremden reinen Herzens zwei Herren gleichzeitig dienen:
Fremd denken, fremd glauben, fremd verstehen, sich fremd fühlen - aber von den Schweizer Errungenschaften profitieren. Man muss - will man sich ehrlich in ein neues Land und Volk integrieren - zweifellos einiges ablegen, das zur persönlichen Identität im ursprünglichen Herkunftsland gehört hat. Und zwar freiwillig, sozusagen aus Anstand und eigener Überzeugung jenen gegenüber, die den Ankömmling in ein neues Land aufgenommen haben. Dies ist der einzige ehrliche Weg zu echter Integration im neuen Land der Wahl. Jede andere, bloss formelle Lösung hätte dagegen den Charakter einer bloss administrativen «Erledigung eines Falls». Ghetto-Bildung - auch als Brutstätten von Rassen-, Religions- und Klassenkonflikten ungeahnter Dimension - wäre bei solch oberflächlicher Administration zumindest nicht auszuschliessen.

Demontage
Will ein Volk als souveränes Land und eigenständige Nation bestehen, dann ist es angewiesen auf Patrioten. Auf Mitbürger, die selbstlos für ihr Land einstehen. Wer Werte wie Heimatliebe, nationale Identität, Tradition prinzipiell und oberflächlich schmäht, trägt bei zur Abschaffung der Schweiz. Stückweise. Stein um Stein. Etwa damit, dass - wie in etlichen Basler Schulen - das für gewisse
Unterrichts-Lektionen übliche Schweizerdeutsch durch sogenannte «Standardsprache» ersetzt wird. Hat jemand je gehört, dass Franzosen oder Engländer sich der eigenen Sprache in den Schulen im eigenen Land lossagen würden? Mitnichten! Von der Schweiz und den Schweizern aber wird erwartet, dass sie ihr Verhalten privat und amtlich untertänigst - der «Integration» zuliebe - den Ankömmlingen anpassen. Aus Sorge um deren religiöse Gefühle sind Kruzifixe aus Schulen zu entfernen. Es gibt in der Schweiz sogar Schulgemeinden, wo den Kindern das Tragen von T-Shirts mit dem Schweizerkreuz untersagt wurde: Es könnte die fremdländischen Mitschüler «provozieren», lautete die Begründung. Vorsorglich wird der «Christbaum» zum «Tannenbaum» neutralisiert - wegen befürchteter Proteste von Andersgläubigen. Und in Kantonsverfassungen wird die Berufung auf «Gott» ersetzt durch unverbindliche Aussagen über die «Schöpfung» usw., usw.

Integrationoder Kapitulation?
Kommt solche Form von «Integration» nicht viel eher einseitiger Kapitulation vor Einwanderern gleich? Nicht selten sind es die Fremden selbst, die uns aus selbstgefälligen Integrations-Träumereien abrupt aufwecken. So etwa, wenn ein in Zürich wirkender Imam im Schweizer Fernsehen nach dem Scheitern
der Zürcher Vorlage zur staatlichen Anerkennung nichtchristlicher Religionsgemeinschaften im November 2003 bedauert, dass mit diesem Nein der «Integration der Muslime im Kanton Zürich» ein Riegel vorgeschoben worden sei. Sie wollten nur noch mehr Moscheen bauen, für ihre Kinder noch mehr
Koranschulen errichten, um noch mehr Islam unterrichten zu können. So beschrieb er seine Erwartungen an die abgelehnte Vorlage. Oder als am 28. Februar 2004 eine Muslimin die Anbiederungsversuche der Linken mit der schroffen Absage quittierte: In der Schweiz machten Frauen Karrieren und regierten. Solches sei unakzeptabel für sie. Islamische Frauen dürften sich nicht so weit degenerieren lassen! Wahrhaft ein eindrückliches Resultat staatlich geförderter Integration.

Lub. T. Winnik