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Nr. 11, 4. Mai 2001
Interoperabilitäts-untauglich
Das Armeepferd abschaffen?
Von Jürg Weber, Chur
Mit seltsamen Sprüchen
statt überzeugenden Argumenten versucht das VBS der Öffent-
lichkeit die Abschaffung des Train schmackhaft zu machen. Angesichts der
systemati-
schen Ausrichtung der Schweizer Armee auf die Nato bräuchte man sich eigentlich
nicht darüber zu wundern, dass in der geplanten Armee XXI keine Train-Formationen
mehr vorgesehen sind; in der Nato braucht es keine grossen Gebirgsverbände
und folg-
lich auch keine Militärpferde.
Erstaunlich ist jedoch,
mit welchen Argumenten VBS-Sprecher Oswald Sigg in seinem Fernseh-
auftritt vom 27. März 2001 auf dem Privatsender «Tele 24» die Abschaffung
der Traintruppe ver-
treten hat. Mit unverhohlener Geringschätzung sprach der Achtundsechziger
von den Anforde-
rungen der zeitgemässen Armee, denen «traditionelle Bereiche» wie der
Train nicht mehr zu
genügen vermögen. Im «modernen Krieg» seien Mann und Ross verloren: «Bis
die dem Pferd
die Schutzmaske angezogen haben, ist der Krieg schon vorbei.»
Wer die erwähnte Fernsehsendung
gesehen hat, dem ist es aufgefallen, mit welch positiver
Einstellung die Trainrekruten ihren Dienst leisten. Was für ein Kontrast
zur Miesmacherei des
VBS-Sprechers! Diese Leute stehen zu ihrer Arbeit. Vom Rekruten über den
Unteroffizier und
Zugführer bis hinauf zum Schulkommandanten setzt sich alles ein für die
gemeinsame Sache.
Es steht ausser Zweifel, dass die Leistungen dieser hoch motivierten Truppe
weit überdurch-
schnittlich sind. Das bestätigt jederzeit ein Besuch in der Luziensteig
oder bei einer WK-Ein-
heit. Eine vergleichbar vorbildliche Haltung begegnet uns auch bei den
Gebirgssoldaten und
bei den Radfahrern. Auch hier haben wir es mit Armeeangehörigen zu tun,
die für ihren Dienst
besonders motiviert sind und durch ihre gemeinsam gemachten Erfahrungen
auch ausserdienst-
lich und oft bis ins Veteranenalter mit der Armee verbunden bleiben. Ist
es ein Zufall, dass ge-
rade diese Truppengattungen nun abgeschafft werden sollen?
Was steckt hinter
der Armeereform XXI? Welche Kräfte sind hier am Werk? Es macht den An-
schein, dass diesmal das Kind mit dem Bad ausgeschüttet werden soll. Es
ist bis jetzt kein
Grund genannt worden, der die Abschaffung von Bewährtem und gut Funktionierendem
rechtfer-
tigt. Die nachteiligen Auswirkungen dieser Reform werden trotz gegenteiliger
Beteuerungen
die Miliz in ihrer Grundlage treffen.
Hilfreich, nützlich
Das Schicksal des
Trains ist beispielhaft. Noch vor drei Jahren hat der damalige VBS-Chef
die
Öffentlichkeit beruhigt; trotz der allgemeinen Reduktion der Bestände
sei eine Abschaffung des
Armeepferdes nicht geplant. Hat Herr Ogi damals gewusst, was die Armee-XXI-Planer
hinter
seinem Rücken vorbereiten? Wissen die VBS-Funktionäre überhaupt, welche
wertvollen Dien-
ste die Pferde im Gebirge, in den Voralpen und im Jura zu leisten vermögen,
insbesondere dann,
wenn Motorfahrzeuge und Helikopter nicht durchkommen? Wie hilfreich der
Einsatz des Trains
zum Beispiel im Zusammenhang mit Naturkatastrophen sein kann, hat sich
in den letzten Jah-
ren mehrmals gezeigt. Nicht umsonst geniesst diese Truppe eine grosse
Popularität. Im er-
wähnten TV-Beitrag hat eine Zivilperson treffend gesagt: «Die Panzer und
die Flugzeuge üben
für den Krieg, der Train bringt aber schon im Frieden einen Nutzen.»
Leider wird diese
Truppe fälschlicherweise von vielen nur für eine «logistische» gehalten.
Effek-
tiv kann sie aber im Zusammenspiel mit der Infanterie als leistungsfähige
infanteristische Kampf-
truppe eingesetzt werden und dient gerade darin ausländischen Armeen als
Vorbild. Die Armee
XXI in der geplanten Ausgestaltung verliert mit der Abschaffung des Gebirgsarmeekorps
die Fä-
higkeit, den zentralen Teil unseres Landes zu verteidigen. Will man in
Zukunft diese Aufgabe
den italienischen Alpini oder den deutschen Gebirgsjägern überlassen?
Die Train-Abschaffung
ist ein Schritt in Richtung Armee-Abschaffung. Die uralte und bewährte
Verbindung zwischen Volk und Armee wird mit dieser Reform aufs Spiel gesetzt.
In diesem
Licht ist es keine Überraschung, dass viele Armeegegner diese Reform befürworten.
Fridolin Weber
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