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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Thomas Meier
am 4. Mai 2001 zur 1.-Mai-"Feier" in Zürich

Trauerspiel

Auch für den diesjährigen 1. Mai in Zürich hatte man das Schlimmste erwarten müs-
sen. In den vergangenen zehn Jahren war es jeweils im Anschluss an die offiziellen
Veranstaltungen zu einer unbewilligten Nachdemonstration des sogenannten «schwar-
zen Blocks» gekommen, bei der linke Chaoten wüste Saubannerzüge durch die Stadt
veranstalteten.

Einer der Gründe dafür, weshalb der 1. Mai in der grössten Schweizer Stadt in den vergange-
nen Jahren untrennbar mit Gewalt verbunden war, lag in der inkompetenten politischen Führung
der Polizei. Obwohl die Gewalttätigkeiten von Jahr zu Jahr schlimmer wurden, hielt die SP-Poli-
zeidirektorin Esther Maurer früher am Konzept fest, die Polizeikräfte möglichst lange zurückzu-
halten und nur im äussersten Notfall zum Einsatz gelangen zu lassen, weil polizeiliches Ein-
greifen angeblich zu einer Eskalation führe. Die Folge dieser verfehlten Taktik war, dass in den
vergangenen Jahren die Polizisten tatenlos zuschauen mussten, wie von den Chaoten ganze
Strassenzüge verwüstet und Autos regelrecht abgefackelt wurden.

Doch es kam in diesem Jahr ­ zum Glück für die grösste Schweizer Stadt ­ anders als erwartet.
Die Polizeipräsenz war unübersehbar. Schon als sich die ersten vermummten Krawallanten zu-
sammenrotteten, fuhren Wasserwerfer auf, und mehr als 200 Mitglieder des «schwarzen Blocks»
wurden, nachdem dieser zuvor von einer Hundertschaft von Polizisten erfolgreich eingekesselt
worden war, einzeln gepackt und verhaftet. In der Folge konnte die Polizei eine positive Bilanz
ziehen: Es kam zu deutlich weniger Sachbeschädigungen und Körperverletzungen als früher.
Der diesjährige 1. Mai in Zürich hat gezeigt, dass das kriminelle Treiben von gewaltbereiten Po-
lit-Chaoten erfolgreich eingedämmt werden kann, wenn die Polizei entschieden eingesetzt wird
und konsequent durchgreift.

Grund zur Freude über den 1. Mai in der grössten Schweizer Stadt gibt es jedoch nicht. Wäh-
rend in der ganzen Schweiz sämtliche Feiern friedlich verliefen, erlebte Zürich eines der gröss-
ten Polizeiaufgebote der Geschichte und glich einer Stadt im Belagerungszustand. Vier Polizi-
sten erlitten Verletzungen. Bei den offiziellen Veranstaltungen des 1.-Mai-Komitees, in dessen
Mitgliederliste sich unter anderem Organisationen wie Civata Kurd, Irakische Kommunistische
Partei, Kurdischer Roter Halbmond, Liberation Tigers of Tamil Eelam, PDS und Türkiye Komu-
nist Emek Partis finden, handelte es sich nicht um Feste der Arbeiterschaft, sondern um hass-
erfüllte Kundgebungen von kommunistischen ausländischen Gruppierungen. Keine Spur von
den traditionellen politischen Anliegen der Arbeiterschaft.

Auch im Jahre 2001 war der 1. Mai in der Limmatstadt ein multikulturelles Trauerspiel mit Ne-
bentönen von linken Chaoten. Nichts deutet darauf hin, dass dies in den kommenden Jahren
anders sein wird.

Thomas Meier

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