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Alt Bundesrat Hans Schaffners Artikel in der New York Times

 

 

Die «Schweizerzeit» entspricht offensichtlich einem dringenden Wunsch sehr zahlreicher Leserinnen und Leser, wenn sie heute den Artikel, den alt Bundesrat Hans Schaffner am 6. April 1998 in der New York Times placieren konnte, im vollen Originalwortlaut abdruckt.

Nach eingehender Absprache mit alt Bundesrat Hans Schaffner hat sich die «Schweizerzeit» entschlossen, den Artikel im englischen Originalwortlaut abzudrucken. Dies drängt sich auf, weil alt Bundesrat Schaffners Stellungnahme in den USA sehr grosses Gewicht erhalten hat. Wollen wir unsere Leserinnen und Leser wirklich genau orientieren, so können wir dies nicht mittels einer deutschen Übersetzung des englisch verfassten Artikels tun.

Alt Bundesrat Schaffner beklagt in seiner Stellungnahme zunächst, wie die Wahrheit in den die Schweiz derzeit aus den USA treffenden Anklagen schwerwiegend verdreht wird. Er erläutert sodann die Neutralität der Schweiz als eine nicht bloss im Zweiten Weltkrieg opportunistisch gewählte Haltung vorübergehenden Abseitsstehens, sondern als historische Tradition immerwährender bewaffneter Neutralität unseres Landes, die die Schweiz einerseits dem Zugriff der Nazis entzogen, anderseits den Alliierten (zum Beispiel bezüglich Betreuung von Kriegsgefangenen) wertvolle Dienste geleistet hat.

Dann äussert sich alt Bundesrat Schaffner zu den völkerrechtlichen Verpflichtungen neutraler Handelspolitik. Das – sachlicher Kenntnis der Kriegsrealität ausgeprägt entbehrende – Ansinnen von US-Unterstaatssekretär Stuart Eizenstat, die Schweiz hätte nach der deutschen Niederlage in Stalingrad ihre Handelspolitik ganz auf die Alliierten ausrichten sollen, verweist Schaffner ins Reich unrealistischer Utopien: Stalingrad hat den Belagerungsring um die Schweiz nicht gesprengt; die Niederlage liess Hitler noch unberechenbarer, sprunghafter und damit für die Schweiz noch gefährlicher werden.

Anschliessend hält alt Bundesrat Schaffner fest, dass sich in der Schweiz niemand an nachrichtenlosem Vermögen bereichert hat – während solch ruhende Konten in andern Staaten, auch in den USA, in die Staatskasse geflossen seien.

In aller Form weist alt Bundesrat Schaffner Vorwürfe unmenschlicher Behandlung von Flüchtlingen zurück. Als einziges Land – erneut in klarem Gegensatz zu den USA – war die Schweiz 1938 an der Konferenz von Evian bereit, jüdische Flüchtlinge in grosser Zahl zwecks späterer Weiterreise aufzunehmen. Es war vor allem die von allen andern Konferenzteilnehmern verfolgte Politik der gegenüber jüdischen Flüchtlingen rigoros verschlossenen Türen, die die Juden in so grosse Not stürzte.

Alt Bundesrat Hans Schaffner schliesst mit dem Bekenntnis, er habe sich zeit seines ganzen Lebens für gute Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA eingesetzt. Heute sei indessen nachdrücklich daran

zu erinnern, dass gute Beziehungen nur auf dem Boden der Wahrheit überleben könnten. S.


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