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Der
aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 28.
April 2006
Markus Rauh und der
Asylmissbrauch
Geldbeutel-Humanisten
Er schäme
sich, meinte Markus Rauh - als Verwaltungsratspräsident eigentlich verantwortlich
für den von der Börse laufend dokumentierten Substanzverlust der
Swisscom, davor sich heute lieber in die Rolle des "Asyl-Experten"
flüchtend. Er schäme sich, dass die Schweiz arme Fremde verhungern,
verdursten und erfrieren (das sagte Rauh wörtlich) lasse. Als Verhungerte,
Verdurstete, Erfrorene bezeichnet Rauh jene, die sich in Wahrheit unter Vortäuschung
von Asylgründen jährlich in Milliarden-Höhe ein recht angenehmes,
allerdings illegales Dasein in der Schweiz bezahlen lassen. Aufgefordert vom
Chef des Bundesamts für Migration, wenigstens einen einzigen Beweis für
seine von A bis Z erlogene Behauptung zu liefern, blieb Rauh die Antwort schlicht
schuldig. Was kümmert ihn schon die Wahrheit, wenn ihn der "Blick"
mit seiner Polit-Lüge gleich zum Titelblatt-Helden erkürt - als
vermeintliche Waffe gegen den verhassten Blocher.
Wer auf "Blick"-Titelblättern prangt, findet sofort weitere Bewunderer: Etwa alt Nationalrätin Judith Stamm, die Rauh für eine 1. August-Rede flugs das Rütli sichert - wohlbewacht und abgeschirmt, so wie einst die Vögte vom Volk abgeschirmt werden mussten, wenn sie dessen Ausbeutung betrieben.
Rauh schob immerhin nach, seine auf makabren Unwahrheiten aufgebaute Kampagne gegen das endlich den Asyl-Missbrauch bekämpfende neue Asylgesetz erfolge "aus humanitärer Betroffenheit". Ob solche Betroffenheit davon dispensiert, sich an die Wahrheit zu halten? Zumal Herrn Rauhs "Humanität" eine solche der etwas besonderen Art ist. Er, der - nach eigenen Angaben - dank entsprechendem Kleingeld seine Familie zu Ostern auf den Bahamas zusammenrufen kann, erlebt die, für die er sich angeblich einsetzt, dort vor allem als Bedienstete für Bedürfnisse, wie sie in Fünf-Sterne-Hotels so anfallen.
Schulklassen mit überhöhtem
Ausländeranteil und daher ausbleibendem Lernerfolg? Damit schlagen sich
Luxus-Humanisten nicht herum. Sie wählen Privatschulen. Unliebsame Begegnungen
auf nächtlichen S-Bahn-Fahrten? Für Protz-Humanisten kein Problem.
Sie fahren in Limousinen mit Privatchauffeur. Die widrigen Folgen tausendfachen
Asyl-Missbrauchs? Geldbeutel-Humanisten kaufen sich davon los. Die Duldung
der Nachteile verordnen sie andern. Und lassen sich dafür als Humanisten
feiern. Sie, die Geldbeutel-Humanisten.
Ulrich Schlüer