Nr. 10, 17. April 2003
Schildbürger und
Krawallanten
Bern stellt Chaoten unter Heimatschutz
Von Nationalrat Ulrich Schlüer, Flaach ZH
Das Ereignis ist noch nicht vergessen: Als den gewaltbereiten Chaoten der Weg zum letzten Davoser Weltwirtschaftsforum bereits in Landquart versperrt worden war, suchten sie Stunden später (auch dank massiv subventionierten SBB-Billetts) die Stadt Bern heim.
Die Spuren rund um den Bahnhof Bern waren noch tagelang zu sehen: Hunderte von Schaufenstern zerschlagen! Wo diese nicht aus Sicherheitsglas waren, waren die Auslagen geplündert. Bern sah während und nach dem Saubannerzug der Zerstörungswütigen aus wie im Krieg.
Der Stadtberner Polizeidirektor,
Nationalrat Kurt Wasserfallen, sprang mit jenen Zerstörern und Plünderern,
deren seine Polizisten habhaft werden konnten, verständlicherweise nicht
allzu zimperlich um. Und an einer Pressekonferenz setzte er die zerstörungswütigen
Chaoten gar auf die gleiche Ebene wie Terroristen. Das war für einige
zarter besaitete Mitglieder der Berner Stadtregierung allerdings zuviel. Man
müsse, meinten sie, nicht gegen die Krawallanten, vielmehr gegen den
so harte Worte brauchenden Polizeidirektor "etwas unternehmen".
Und alsbald schritten sie zur Tat: Berns Polizeidirektor Kurt Wasserfallen
darf künftig, wenn Chaoten in Bern erneut ihre Zerstörungswut ausleben
möchten, den Polizei-Einsatz nicht mehr allein befehlen. Die sanftmütige
Ursula Begert und Berns linker, zwischenhinein auch ganz gerne einmal monarchische
Allüren pflegende Stadtpräsident Baumgartner haben Wasserfallens
Kommandogewalt gedrittelt: Sollten Chaoten erneut in Bern wüten, darf
der Polizeidirektor nicht mehr einfach die Polizei gegen die Randalierer und
Plünderer einsetzen. Zuerst muss das sanftmütige Dreierkollegium
zusammenkommen und beraten, was an Massnahmen den "Randständigen"
denn überhaupt zumutbar sei. Erst danach darf die Polizei in Marsch gesetzt
werden. Berns neuer Ruf dürfte nicht lange auf sich warten lassen: Krawallanten
von überall, kommt in die Bundesstadt! Dort überlässt euch
eine aus Schildbürgern zusammengesetzte Stadtregierung die Stadt fast
ungeschützt zum Ausleben all eurer Frustrationen, Emotionen und Gewaltexzesse.
Ob die Stadtberner wirklich keine bessere Stadtregierung verdient haben?