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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Thomas Meier vom 27. April 2001

Wirkungslosigkeit der KFOR in Kosovo
Unterschlagene Information

Die OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) und das Uno-Flücht- lingshilfswerk UNHCR haben Mitte April einen Bericht veröffentlicht. Thema: Die Lage in Kosovo. Der Bericht wird der Schweizer Bevölkerung weitgehend vorenthalten. Weil er die Situation völlig ungeschminkt schildert. Weil seine Bilanz des zweijährigen Militäreinsatzes der KFOR ­ mit den Swisscoys im Schlepptau ­ äusserst kritisch, ja negativ ausfällt. Das soll der Schweizer Bevölkerung ­ wenige Wochen vor der Abstimmung über Auslandeinsätze unserer Armee ­ nicht zu Ohren kommen. Das Kartell von Bundesverwaltung und Medien verhindert¹s.

Was ist der Kern der Kritik? Der Bombenkrieg der Nato habe, wird ausgeführt, zwar die zuvor für die Unterdrückung der Albaner verantwortlichen Serben in Kosovo zur Minderheit gemacht. Diese Minderheit werde seither aber rigoros unterdrückt. Mit dem Ziel, sie aus Kosovo zu vertreiben. Der humanitär begründete Bombenkrieg hat also bloss die Herrschaft ausgewechselt. Die Herrschaftsmethoden sind so grausam wie zuvor.

Verschlimmert werde die Lage, weil noch immer keine wirkliche Polizei für Sicherheit, Ordnung und Recht sorge. Die dafür verantwortliche Uno-Verwaltung getraue sich nicht, gegen die sich ausbreitende, wohlorganisierte, von den Clans beherrschte Kriminalität vorzugehen. Anarchie, Mord und Totschlag herrschten. Der Schwächere sei dem brutalen Stärkeren schutzlos ausgeliefert.

Auch die KFOR muss sich schweres Versagen vorwerfen lassen: Zwar stehen viele Truppen in Kosovo. Aber diese ziehen Tätigkeiten vor, die in Westeuropa und in den USA bei den Fernsehzuschauern gut ankommen. «Dachdecker in Kugelwesten» lassen den Eindruck aufkommen, sie würden «Gutes tun». Was in den Herkunftsländern Applaus verspricht. Vor der eigentlichen, wirklich militärischen, allein durch Militärs zu bewältigenden Aufgabe schrecken die KFOR-Truppen indessen zurück ­ obwohl ihnen der Waffenstillstandsvertrag genau diese Aufgabe übertrug: Die Entwaffnung der gewalttätig, militärisch wohlorganisiert auftretenden Kämpfer nämlich, wie sie eben erst in Tetovo/ Mazedonien wieder zuge- schlagen haben. Diese Entwaffnung ist eine gefährliche Aufgabe. Genau deshalb wurde sie dem Militär übertragen. Die KFOR-Truppen drücken sich davor. Sie decken lieber medienwirksam Dächer. Aus Angst vor Verlusten. Verluste gibt es trotzdem. Vor allem bei Angehörigen der schutzlosen Minderheit. Das wird hingenommen ­ mehr oder weniger achselzuckend.

So dreht sich der Teufelskreis von Gewalt und Anarchie weiter. Die Schweizer, meint der Bundesrat, müssten sich unbedingt auch noch ­ «richtig», also mit der Waffe in der Hand ­ in diese fremden Händel einmischen. Als ob damit im geringsten etwas verbessert werden könnte.

Ulrich Schlüer

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