Nr. 10, 27. April 2001
Transport von lebendem
Schlachtvieh über lange Distanzen
Das hässlichste Gesicht der EU
Zu den traurigsten Realitäten in der EU gehört das Thema Tiertransporte. In der EU werden Lebendvieh-Transporte subventioniert, nicht aber der Transport von Kühlfleisch. Daher lohnt sich das Geschäft: Jährlich werden 250 Millionen Tiere kreuz und quer durch Europa gekarrt. Bis zu 10 Prozent kommen gar nicht lebend im Schlachthof an.
Nur in wenigen Schlachthöfen werden in der Europäischen Union (EU) Masttiere geschlachtet, und zwar aus Kostengründen. In einigen Regionen Europas wird zwar viel Fleisch vor allem billig produziert, in anderen wiederum übersteigt die Nachfrage das Angebot. Die Folge: Die Schlachttiere gehen quer durch ganz Europa auf ihre letzte Reise, von Holland nach Spanien, von Deutschland nach Italien und sogar Nordafrika, halb verhungert, halb verdurstet, nicht selten mit gebrochenen Beinen, die Schwachen und Kranken erdrückt und zu Tode getrampelt. Schweine, Rinder, Kälber, Pferde, Schafe oder Geflügeltiere kommen in der Regel in einem erbärmlichen Zustand in den Schlachtstätten Europas oder des Nahen Ostens an. Osteuropäische Rinder werden über Tausende von Kilometern in den Westen gefahren, weil dort höhere Preise für sie bezahlt werden.
Weil die Politiker in Brüssel kneifen und die Behörden wegsehen, hat sich an der Grausamkeit der Tiertransporte bis heute wenig geändert. Zwar gibt es seit 1995 in der EU eine Richtlinie zum Schutz von Tieren während des Transportierens. Die Fahrzeuge sehen jetzt etwas schöner aus, die Tiere sollen auf mehrtägigen Transporten zwischendurch ruhen dürfen. Einige sollen bei ihrer Ankunft von einem Tierarzt begutachtet werden. Nur wenn sie noch «leben» und einigermassen «gesund» aussehen, sollen die Händler die EU-Gelder für den Transport bekommen. Dies alles und mehr steht in umfangreichen Gesetzestexten. Aber in Wirklichkeit haben die Tiere nur wenig davon: weil sie immer noch unbegrenzt weit und lange transportiert werden dürfen. Weil es zu wenige Kontrollen gibt und weil der finanzielle Anreiz, Tiere über weite Strecken zu transportieren, nach wie vor besteht.
Was muss geschehen? Die Subventionen für den Export von lebenden Tieren, die von den steuerzah- lenden EU-Bürgern wohl oder übel bezahlt werden, müssen abgeschafft werden. Der BSE-Skandal liegt noch nicht hinter uns, und bereits haben uns neue Seuchen erreicht. Die Maul- und Klauenseuche (MKS) bedroht die Nutzviehbestände ganz Europas. Auch dies ist ein zweifelhaftes «Verdienst» der EU. So wurden vor Jahren die Schutzimpfungen in der EU eingestellt, die Schweiz zog nach und verbot die MKS-Schutzimpfungen. Man befürchtete, dass die Fortsetzung der schweizerischen Impfungen die Ausfuhr von Fleisch in den EU-Raum gefährde. Der Unsinn der Tiertransporte über alle Landesgrenzen hinweg bedeutet für die Nutztiere Europas unermessliches Leid und Gefahren, und darüber hinaus bedrohen sie die Existenz unzähliger Bauernfamilien.
Da erlauben wir uns in aller Bescheidenheit, einmal mehr auf die Verhältnisse der Schweiz hinzuweisen, wo Tierhaltung und Tiertransporte streng kontrolliert sind und der Transport weitgehend in Form von geschlachteten Tierkörpern erfolgt. Die Beispiele aus jüngster Zeit die Einfuhr von Eiweissfutter in Form von Tiermehl erkrankter Schafe und neuerdings die Maul- und Klauenseuche zeigen mit aller Deutlichkeit, dass die Schweiz gut beraten wäre, das Heft in den eigenen Händen zu behalten. Dies nicht zuletzt auch im Interesse unserer eigenen Gesundheit.