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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 30. April 2004

Bundesrat Deiss und sein Preisüberwacher

Linke Erbpfründe

Am 10. Dezember letzten Jahres waren Bundesratswahlen. Sie brachten markante Veränderungen - auch Überraschungen. Zu den Überraschungen gehörte, dass Bundesrat Joseph Deiss gegen Ruth Metzler obenausschwang. Diesen innerparteilichen Triumph über seine Rivalin verdankte Deiss der Linken - SP und Grünen. Diese räumten linkem Programm absoluten Vorrang ein. Auch die
linken Frauen unterzogen sich dieser Prioritätenordnung. FrauenSolidarität hatte hintanzustehen. Und wegen dieser diszipliniert befolgten linken Prioritätenordnung musste Ruth Metzler über die Klinge springen. Gratis empfing Deiss solche Wahlhilfe von der Linken nicht. Weil er seinen Sitz in der Landesregierung der Linken verdankt, fühlte er sich der Linken gegenüber auch in der Schuld. Jetzt sieht er die Gelegenheit, diese Schuld zu begleichen: Er - als Volkswirtschaftsminister dafür zuständig - ist offenbar bereit, das Amt des Preisüberwachers zur linken Erbpfründe zu erklären. Dem SP-Mann Werner Marti soll - so will es Deiss - SP-Mann Rudolf Strahm folgen.

Bewirkt hat der Preisüberwacher in den letzten Jahren zwar kaum Konkretes. Aber das Amt sichert, nebst gutem Salär, attraktive Medienauftritte - Gratis-Schaumschlägerei vor allen Kameras, wo Linke ihre staatswirtschaftlichen Uralt-Rezepte - in der Realität überall gescheitert - unablässig verkünden und lobpreisen können. Wobei ein erstrangiges Anliegen dieser linken Wortführer immer darin bestand, Monopole, die der Linken am Herzen liegen und nützen - wie etwa das gebührenfressende SRG-Monopol -, von aller Kritik konsequent auszusparen.

Es war schwarz-roter Filz, der Joseph Deiss den Sitz im Bundesrat gerettet hat. Und es ist schwarz-roter Filz, der Rudolf Strahm das Preisüberwacherämtli zuhalten soll. Immerhin: Selbst im Bundesrat - man spürt die neue Zusammensetzung - beginnt Widerstand gegen diesen Filz zu wachsen. Aber Filz lebt, Filz ist zäh, Filz ist offensichtlich stärker als jede mit Theorien unterlegte Beteuerung des Volkswirtschaftsministers, die Verwaltung zum Wohle von Wirtschaft und Wettbewerb von Überflüssigem, Überholtem - der Preisüberwacher überwacht, entgegen der Meinung breiter
Bevölkerungskreise, heutzutage gar keine Konsumentenpreise mehr - endlich zu entschlacken. Rot-schwarzer Filz scheint noch immer zäher als professorale Theorie.


Ulrich Schlüer


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