Nr. 9, 12. April 2002
Volksabstimmung voraussichtlich
am 22. September 2002
SVP-Initiative: Überflüssige
Goldreserven in die AHV
Jetzt liegt er vor, der Schlussbericht der Bergier-Kommission. Wurde der Auftrag, die von der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs verfolgte Politik unvoreingenommen und minutiös zu untersuchen, erfüllt?
Der Bergier-Bericht ist durch und durch unbefriedigend. Weil die Kommission der Versuchung zu ober- flächlicher, einseitiger Schuldzuweisung an die Verantwortungsträger von damals nicht widerstehen konnte. Die Schuldzuweisung gelingt den «Jung-Historikern» der Bergier-Kommission aber nur, weil sie wichtige Zusammenhänge zum Weltkriegs-Geschehen schlicht ausblenden. Insbesondere «vergassen» Bergiers Historiker zu untersuchen, über welchen Handlungsspielraum die Schweiz und ihre Behörden damals, als sie vom Nazi-Reich völlig umzingelt war, überhaupt verfügte, wenn sie sich dem braunen Totalitarismus mit all seinen verheerenden Konsequenzen für Land und Bevölkerung nicht ausliefern wollte.
Vorwürfe und Anschuldigungen
Wer erinnert
sich nicht an den Hagel von Vorwürfen und Anschuldigungen, welcher vor
ziemlich genau fünf Jahren auf die Schweiz niederprasselte: Sie habe
mit ihrer «unmoralischen Neutralität» den Krieg verlängert,
sie habe Guthaben von Holocaust-Opfern in Milliardenhöhe zurückbehalten,
sie habe den Nazis geholfen, sie habe den J-Stempel zwecks Abhaltung jüdischer
Flüchtlinge erfunden usw. Von all den tendenziösen, nicht selten
böswillig-unsachlichen Vorwürfen ist nicht viel übrig geblieben.
Aber der damals vom Bundesrat versuchte «Befreiungsschlag», aus
sieben Milliarden Goldreserven der National- bank eine Solidaritäts-Stiftung
zu schaffen dieser Vorschlag liegt noch auf dem Tisch (vgl. separaten
Artikel). Im kommenden September wird der Souverän über diese Solidaritäts-Stiftung
abzustimmen haben. Bundesrat und Parlamentsmehrheit präsentieren sie
als Gegenvorschlag zur sogenannten Gold-Initiative der SVP. Diese SVP-Initiative
will alle von der Nationalbank nicht mehr benötigten Goldreserven allein
der AHV zuführen.
Was will die SVP-Gold-Initiative?
Die SVP-Gold-Initiative
verlangt, dass alle von der Nationalbank nicht mehr benötigten Goldreserven
einzig und allein an den AHV-Fonds überwiesen werden. Im Unterschied
zur Solidaritäts-Stiftung, welche die Nationalbank um genau sieben Milliarden
Franken Goldreserven «erleichtern» will, nennt die Gold-Initiative
der SVP keine Summe. Sie hält nur fest, dass Währungsreserven, welche
die National- bank für währungspolitische Absicherungen nicht mehr
benötigt, ausschliesslich an die AHV fliessen müssten.
Der Grund für diese Zweckbindung ist klar: Zwar ist es tatsächlich die ureigene Aufgabe der politischen Behörden sowohl der gesetzgebenden wie der ausführenden , für die gesetzeskonforme, sinnvolle Verwendung jener Gelder besorgt zu sein, welche den Bürgerinnen und Bürgern in Form von Steuern und Abgaben auf gesetzlicher Grundlage Jahr für Jahr abgenommen werden. Die Verwendung dieser gesetzlichen Staatseinnahmen unterliegt eindeutig dem Verantwortungsbereich der politischen Behör- den. Genau dafür werden Behörden gewählt.
Währungsreserven
gehören dem Volk
Dies gilt aber
nicht für die Währungsreserven der Nationalbank. Die Währungsreserven
der Nationalbank sind Eigentum des Volkes; sie gehören nicht öffentlichen
Kassen, über die Politiker verfügen. Die Wäh- rungsreserven
sind das Ergebnis der Leistungsbereitschaft, des Erfindungsgeistes, des Fleisses
und der Produktivität des Volkes. Keine politische Behörde ist auch
nur im entferntesten legitimiert, sich dieses Nationalbankschatzes einfach
zu bemächtigen und darüber zu verfügen.
Falls die Nationalbank tatsächlich nicht mehr alle Währungsreserven benötigt, ist der nicht mehr benötigte Teil dem Volk zurückzugeben. Die einzige Frage, die dazu erlaubt ist, kann bloss lauten: In welcher Form findet diese Rückerstattung statt? Eine Möglichkeit bestünde darin, die gesamte von der Nationalbank nicht mehr benötigte Summe auf alle Einwohner aufzuteilen. So bekäme jedermann einige tausend Franken ausgehändigt.
Die perfekte Lösung:
Gold für die AHV
Die noch bessere
Lösung besteht darin, die nicht mehr benötigten Währungsreserven
einem Werk zuzuführen, an welchem tatsächlich jeder Einwohner dieses
Landes beteiligt ist. Es gibt nur ein einzi- ges solches Werk: die AHV!
Die SVP-Initiative lässt offen, ob die ganze Summe der nicht mehr benötigten Währungsreserven an den AHV-Fonds zu überweisen sei oder ob Jahr für Jahr die Erträge aus den nicht mehr benötigten Wäh- rungsreserven der AHV zufliessen sollen. Die Initiative verbietet lediglich dies aber rigoros jede Zweckentfremdung von Nationalbankvermögen für anderes als für die AHV.
Auch für die Jungen
von Vorteil
Wird der SVP-Vorschlag
in der Volksabstimmung vom 22. September angenommen, dann profitieren für
einmal wirklich alle: Die Senioren hätten die Gewissheit, dass ihre Renten
auf absehbare Zeit gesichert sind. Gleichzeitig würden Mütter und
Väter ebenso wie die Jungen, überhaupt alle im Erwerbsleben stehenden
Mitbürgerinnen und Mitbürger entlastet: Erhöhungen der Mehrwertsteuer
zwecks Sicherung der AHV könnten vermieden, zumindest für längere
Zeit aufgeschoben werden. Das würde jeder Einzel- ne in seinem Portemonnaie
zu spüren bekommen.
Alle profitieren
Zugegeben: Auch
wenn die SVP-Goldinitiative angenommen wird, ist die AHV nicht einfach «auf
alle Zeiten» gesichert. Die SVP-Initiative leistet aber einen wichtigen
Beitrag zur langfristigen, definitiven Sicherung dieses wichtigsten Sozialwerkes
der Schweiz. Sie ist der einzige Vorschlag, der für nicht mehr benötigte
Währungsreserven der Nationalbank eine Lösung präsentiert,
von welcher wirklich alle in diesem Land, Senioren, Männer und Frauen
im Erwerbsleben sowie Junge am Beginn ihrer Erwerbstätigkeit gleichermassen
und ausnahmslos profitieren.
Ulrich Schlüer, Nationalrat