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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 6. April 2001
Milliarden-Debakel
der Expo.01
Alle
seien schuld
Die Schuldigen am Milliarden-Debakel Expo.02 seien gefunden: Eigentlich, will uns eine ständerätliche Kommission weismachen, sei gar niemand schuld. Weil alle versagt hätten - die Wirtschaft, die Kantone, der Bundesrat, das Parlament. Und natürlich auch die Expo-Leitung. Und die um die Leitung aufgeblähten «strategischen» und andern Komitees.
Wie schön! Da öffnet sich ein Milliardenloch. Aber niemand sei daran schuld - weil «alle», aber alle nur «ein bisschen» schuld seien. Wo Freispruch von Verantwortung so leichtfertig erteilt wird, muss der Bürger und Steuerzahler hellhörig werden. Kollektivschuld - mit dem Zweck, Einzelverantwortung zu vertuschen - kann nur auf einem ganz bestimmten Nährboden gedeihen: auf dem Nährboden des Filzes!
Hat es denn, als Bundesbeiträge mehrfach aufgestockt wurden, keine Ablehnungsanträge gegeben? Gibt es nicht eine klar identifizierbare Mehrheit, die in Namensabstimmungen Kredite und (vor Beginn des Anlasses bereits aufgebrauchte) Defizit-Garantien bewilligt hat? Haben dazu nicht Debatten stattgefunden, in denen die unterlegene Minderheit - mit detaillierter, jetzt sich bewahrheitender Begründung - vor den Folgen der leichtfertigen und unseriösen Planung gewarnt hat? Hat man nicht - zur Beschwichtigung lästiger Kritiker - einen gewissen Franz Steinegger als krisenerfahrenen Beistand der überforderten Expo-Leitung beigegeben? Oder ging es bei dieser Ernennung bloss darum, sich von seiten einer schwankenden FDP das Ja zu weiteren Krediten zu erkaufen, ohne welche die Expo längst hätte abgebrochen werden müssen?
Filz! Nichts als Filz! Filz, der persönliche Verantwortung in kollektiver, niemanden persönlich treffender Schuld ertränken will: Alle ein bisschen, niemand wirklich!
Und dann die Behauptung, der Abbruch der Expo-Übung würde ebensoviel kosten wie das Durchziehen des verunglückten Unternehmens bis zu seinem bitteren Ende. Wieder eine Behauptung, die nur im Filz gedeihen kann. Weil damit zum Tabu erklärt wird, die Expo in Konkurs gehen zu lassen. Genau darauf, nämlich dass das (privatrechtlich aufgezogene) Unternehmen Expo von den Politikern nie und nimmer dem Konkurs überlassen würde - genau darauf spekulieren nicht wenige. In der Vergangenheit wie heute. Sie schanzen sich aus dem grossen Kuchen lukrative Aufträge zu in der sicheren Erwartung, dass - wie verschuldet das beauftragende Unternehmen auch immer ist - schliesslich alles bezahlt wird. Die Politiker werden dafür schon die Bundeskasse anzapfen.
Machenschaften, von Seilschaften angezettelt, die nur im Filz gedeihen können. Zum Schaden des Steuerzahlers.
Ulrich Schlüer