Nr. 8, 21. März 2003
Aufregung um Balz Höslis
Bonuszahlungen
Express-Porto zahlt die Bundeskasse
Die schweizerische Eidgenossenschaft unterhält eine halbstaatliche Agentur, welche im Dienste des Bundes Exportförderung zu betreiben hat.
Chef dieser Agentur mit dem wohlklingenden Namen «OSEC Business Network Switzerland» ist Balz Hösli, FDP-Fraktionspräsident im Zürcher Kantonsrat. Seit einigen Monaten kursieren zu Höslis halbstaatlicher Tätigkeit Gerüchte: Er kassiere fette Bonuszahlungen. Dies macht deshalb stutzig, weil der Umsatz dieser OSEC, seit Hösli deren CEO (Chief Executive Officer) ist, markant gesunken ist.
Bundesrat Joseph Deiss, seit kurzem Höslis Chef beziehungsweise Auftraggeber, legte die Zahlen auf den Tisch: Hösli habe Fr. 80 000 Bonus erhalten, das entspreche einem doppelten Monats-salär. Mit diesem Bonus werde die sehr gute Arbeit Höslis honoriert. Der massive Umsatzrückgang ergänzte Deiss nach entsprechender Rückfrage sei unbeachtet zu lassen, denn Hösli habe als OSEC-Chef sozusagen neu beginnen müssen. Nanu: Wenn 80 000 Franken einem doppelten Monatssalär entsprechen, dann würde Hösli also 13 x Fr. 40 000, insgesamt also Fr. 520 000 pro Jahr verdienen, deutlich mehr als ein Bundesrat? Und erhält dann noch zweiMonatslöhne Bonus! Weiss Gott eine fürstliche Entlöhnung bei sinkendem Erfolg.
Da trifft Post ein. Per Wochenend-Express. Balz Hösli legt sein Einkommen offen: Er habe 2001 Fr. 270 000. Normalsalär, Fr. 80 000. als Bonus und Fr. 12 000. als pauschale Spesenentschädigung bezogen. Wenn dies stimmt, dann müsste man daraus schliessen, dass Bundesrat Deiss nicht weiss, was seine eigenen Spitzenleute verdienen. Im Jahr 2002, erläutert Hösli weiter, sei sein Lohn auf Fr. 280 000. erhöht worden. Die Höhe des Bonus sei noch nicht bestimmt. Doch die Pauschalspesen seien auf Fr. 32 000. erhöhtworden, weil er seit 2002 einen Dienstwagen (Mercedes Coupé) benutze.
Betrachtet man den Umschlag des Wochenend-Express-Briefes genauer, entdeckt man Interessantes: Absender ist gar nicht Hösli, Absender ist das Bundesamt für Wirtschaft (Seco). Wer alles geniesst in diesem Land wohl noch das Privileg, sündenteure Wochenend-Express-Post der Bundeskasse belasten zu dürfen? Auch wenn dies nicht Millionen an Steuergeldern verschlingt die damit zum Ausdruck kommende Mentalität ist dennoch mehr als bloss ärgerlich. Was den «Tages-Anzeiger» dazu nötigt, dem freisinnigen Spesenabwälzer sofort Rückendeckung zu geben: Hösli würde, mutmassen die Journalisten an der Zürcher Werdstrasse, in der Privatwirtschaft eher noch mehr verdienen.
Stimmt nicht ganz! Hösli
kommt nämlich aus der Privatwirtschaft. Wo er möglicherweise früher
tatsächlich gut verdient hat. Aber weil er für eine Versicherungsgesellschaft
einen dreistelligen Millionenbetrag in den Sand gesetzt hatte als unbrauchbar
entlassen wurde. Er war dann lange arbeitslos, bis ihm Parteifreund Couchepin
die feine Pfründe OSEC zuhielt wo der CEO selbst dann eine Erfolgsprämie
kassieren darf, wenn der Umsatz einbricht. S