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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 30. März 2001

Die Swisscoy im Schlepptau der KFOR
Stolperer

Es ist wieder Krieg auf dem Balkan. Die KFOR-«Friedenstruppe» - mit der Swisscoy im Schlepptau - hat sich als erstes aus der Kriegszone zurückgezogen. Dafür die eine Kriegs- partei, die Mazedonier,aufgerüstet, damit sie den Angreifern, Kosovo-Albanern, die Stirne bieten können.

Solange Erzbösewicht Milosevic in Belgrad das Sagen hatte, war die Kriegslage noch einfach: Die Nato half den unterdrückten Kosovo-Albanern, den «Guten», um die «Bösen», nämlich Milosevics Serben, aus dem Kosovo zu vertreiben. Dann wurde Milosevic gestürzt. Und wieder ist Krieg. Nicht mehr «Gut» gegen «Böse». Ein erbitterter Kampf um Macht und Einflussgebiete ist ausgebrochen. Weil die Kosovo-Albaner nur zu genau wissen: Wenn sie jetzt die so nah geglaubte Unabhängigkeit nicht auf dem Schlachtfeld erkämpfen, dann entschwindet sie. Deshalb greifen sie an. Und die Nato - vor zwei Jahren noch Retter vor den Serben - wird zum Gegner.

Sollte sich die Nato den Kosovaris tatsächlich in den Weg stellen, wird es keine Feldschlacht UCK gegen Nato geben. Dafür ist die UCK zu schwach. Sie greift den Gegner an seinen verwundbaren Stellen an. Zum Beispiel in den Städten Westeuropas. Mit Terroranschlägen. Und in der Zeitung lesen wir, dass die UCK ihren Krieg - wie schon vor zwei Jahren - teilweise aus der Schweiz organisiert. Das Haus, wo die Fäden zusammenlaufen (bezeichnenderweise in Emmen!) ist bekannt.

Der organisierende Kopf ist namentlich bekannt. Derweil schläft das für die innere Sicherheit zuständige Departement Metzler. Wie schon 1999, als der Chef der UCK von Zürich aus völlig unbehelligt blutige Kriegseinsätze organisierte und befehligte. Bern redet uns ein, mit ein paar «dem Frieden dienenden», gutbezahlten, bewaffneten Dachdeckern in Kosovo sei die Schweiz sicher. Dabei stolpert Bern im Schlepptau der Nato kopflos in einen Krieg hinein. Und vernachlässigt gleichzeitig seine elementare Pflicht, hier, in der Schweiz, in Emmen, von wo aus Fäden für den Machtkampf auf dem Balkan gezogen werden, zum Rechten zu sehen. Der Bundesrat fürchtet sich davor, das zu sagen, was jetzt gesagt werden muss: Von Schweizer Boden aus wird niemals Krieg geführt! Wer es versucht, miss- braucht sein Gastrecht. Und hat in der Schweiz ab sofort nichts mehr verloren! Der Bundesrat aber bleibt stumm. Lässt den Missbrauch - einmal mehr - zu. Behauptet, mit einigen Schweizer Soldaten, die im Ausland in einen Krieg hineinstolpern, dem eigenen Land Sicherheit bieten zu können.

Höchste Zeit, dass der Souverän dieser Unfähigkeit ein Ende setzt. Mit einem unzweideutigen Nein am 10. Juni zu Auslandeinsätzen unserer Armee im Nato-Schlepptau.

Ulrich Schlüer

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