Nr. 8, 24. März 2000

Eine aktuelle Studie belegt die politische Einseitigkeit der Medien
Linkslastige Medien

Mit einem Schlag sind dieser Tage Ausreden, die von Journalisten und linken Politikern seit Jahrzehnten unabänderlich gebraucht werden, unbrauchbar geworden. Immer dann, wenn die Verantwortung und die politisch einseitige Ausrichtung von Journalisten angesprochen wurden, hiess es: Eine Linkslastigkeit der Medien gebe es gar nicht, und wenn das dennoch behauptet werde, müsse journalistisch korrekt von einer «sogenannten Linkslastigkeit» gesprochen werden. Die zweite Ausrede lautete: «Natürlich sind wieder die Medien schuld.»

Diese Einwände sind ab sofort nicht mehr statthaft. Die Medien sind tatsächlich linkslastig. Das ist kürzlich von unbefangener Seite wissenschaftlich festgestellt worden, und von dieser Prämisse hat nun jede Beurteilung des Medienschaffens auszugehen. Auch ohne diese Erkenntnis ist in den letzten Wochen für viele klar geworden, dass die Medien, die sich in ihrem hektischen Eifer gegen die heutige SVP immer mehr in die nahe beieinander verlaufenden Transmissionsstränge von Information und Agitation verheddert hatten, sehr wohl Mitschuldige am aktuellen gehässigen politischen Klima sind.

Die Professoren Roger Blum (Institut für Publizistikwissenschaft der Univerität Bern) und Heinz Bonfa- delli (Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich) haben am 3. März in Bern die Ergebnisse eines Forschungsprojekts «Schweizerische Aussenpolitik als Gegenstand der Medienvermittlung» vorgestellt. Die Arbeit gründete auf der Befragung von 258 Journalisten und einer Inhaltsanalyse von 2671 Artikeln aus 22 Tageszeitungen, 297 TV-Nachrichtenbeiträgen und 94 offiziellen Mitteilungen.

«Die Ergebnisse», schreibt die NZZ, «lassen zunächst einmal Aussagen über die sich mit der Aussen- politik befassenden Medienschaffenden selbst zu.» Diese seien «im Schnitt gut gebildet (die Journa- listinnen als Minderheit und die Westschweizer sogar noch etwas besser), persönlich EU-freundlich (80 Prozent), fühlen sich primär dem verpflichtet, was sie unter Informationsjournalis mus verstehen. (...) 41 Prozent (60 Prozent in der französischen Schweiz) sind Mitglied der SP oder, vor allem, stehen ihr nahe; die entsprechenden Zahlen für die andern Bundesratsparteien sind 14 (FDP), 5 (CVP) und 1 Prozent (SVP)».

Dieses Ergebnis würde bei einer Befragung in andern Sparten des schweizerischen Journalismus kaum viel anders ausfallen, eher noch drastischer. Die eklatante Dominanz von SP-Sympathisanten im journalistischen Personal - die sich durch dauernden «Familiennachzug» noch verstärkt - lässt sich nicht mehr leugnen. Mochte die «sogenannte Linkslastigkeit der Medien» früher noch humorige Frech- heit gewesen sein - ab jetzt ist sie nur noch Frechheit. Was fast zwangsläufig geschehen muss, wenn die latent linke Medienbranche politische Windböen produziert, die dann politische Aktivismen anstossen, zeigte sich nach dem 4. März, dem Tag der SVP-Delegiertenversammlung unter anderem zum Thema AHV: Kampagnenjournalismus, der sich im Verein mit Parteipolitikern des Mittelfelds hochschaukelt, Manipulationen. Es ist in der «Schweizerzeit» bereits dargelegt worden, wie Wirklichkeit und journalistische Aufbereitung der SVP-Debatte vom 4. März in Altdorf auseinanderklafften. Die Montagspresse vom 6. März wusste aus der Medienversion des Ereignisses ein Optimum an politischer Brisanz herauszuholen. Was über eine angeblich geplante Demontage der AHV berichtet wurde - bis hin zur behaupteten radikalen Einebnung der Renten -, damit liessen sich nun leicht kritische Stimmen aus dem SVP-Lager selber einholen und so Spaltungsarbeit leisten. Höchst subtil wurde das am Montag auch bei Radio DRS betrieben. Dort wurden im Regionaljournal Bern Nationalrätin Ursula Haller, Nationalratspräsident Hanspeter Seiler und Bundespräsident Adolf Ogi zu den «AHV-Plänen» der SVP befragt, alle - da aus Altdorf zu einer Beerdigung abgereist - mit «Wissensstand Medien», und alle Befragten bekundeten mehr oder weniger temperamentvoll ihre Ablehnung. Frau Haller legte allerdings Wert auf die Einschränkung, dass sie nur auf Grund der Medienberichte urteile. Kurz danach wurde die Aufnahme mit Frau Haller im Mittags-Journal des Radios nochmals verbreitet, diesmal jedoch ohne ihren Hinweis auf die unvollständige Information.

So hatte man nun glücklich die plötzlich lieb gewordene, als «liberal» gepriesene Berner SVP aus den Banden des Bösen befreit (wogegen sich jetzt Berner Freisinnige zu regen beginnen, die immer noch nicht vergessen wollen, dass es in der Nachkriegszeit eine oder zwei kantonale Legislaturperioden mit einem Bündnis SP- BGB (SVP) gegeben hat).

Ob lokale oder internationale Ebene - die Medien mischen nach ihrem Gusto mit. Im kommenden Mai werden sich die «Mainzer Tage der Fernsehkritik» des ZDF mit der Manipulierbarkeit des Bildes befassen, insbesondere des TV-Bildes. Die Fernsehmacher haben dazu jüngst wieder ein aktuelles Fallbeispiel geliefert, das veranschaulicht, wohin es führt, wenn ein Medium nicht nur seine vorgegebene Tendenz, sondern gleich auch noch die technische Manipulierbarkeit ausspielt. Da gab es am Tag des Besuchs der österreichischen Aussenministerin in Bern eine kleine Kundgebung auf dem Bundesplatz - insgesamt hundert Personen, wovon dreissig SP-Parlamentarier mit der Vorsitzenden Ursula Koch, drei Kulturschaffende, ein Grüppchen Zugereiste aus Deutschland und Österreich sowie Dutzende von Journalisten. Das ZDF brachte schon am Nachmittag eine Bildmeldung über die «Anti-Haider-Demon- stration» in Bern. Der Bericht war mit so geschickt eingesetzter Kamera gemacht, dass Frau Koch fast wie auf einer Grosskundgebung erschien und das Fernseh-Publikum entsprechend beeindrucken konnte. Auch die Bilder der DRS-Tagesschau vermieden es sorgfältig, den Eindruck zu erwecken, den ein Beobachter aus einem Fenster des «Fédéral» am Bundesplatz erhielt: jenen eines verlorenen Häufchens. In diesen Tagen sind die tatsächliche Macht der Linken in den Medien und einige ihrer Kunstgriffe allgemein offenbar geworden. Entlarvung bedeutet Schwächung.

Patrouilleur suisse