Spalte rechts

Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 14. März 2008

Hintergründe des Anti-Blocher-Komplotts
Vielsagender Verzicht


Tatsächlich: Die Dok-Sendung des Schweizer Fernsehens über das Komplott zur Abwahl Christoph Blochers als Bundesrat war aufschlussreich. Man staunt im Rückblick höchstens über die Selbstgefälligkeit der Drahtzieher. Indem sie der Versuchung nicht widerstehen konnten, ihre ihnen selbst offensichtlich masslos imponierende abgefeimte Durchtriebenheit mit leuchtenden Teenager-Augen unter kokett geschütteltem Lockenkopf vor allen Fernsehzuschauern auszubreiten, erreichten sie etwas, womit die in der Kunst der Kabale – und damit insbesondere des beharrlichen Schweigens selbst über gelungene Kabalen – wohl etwas versiertere Eveline Widmer-Schlumpf nicht gerechnet haben dürfte:

Die neue Bundesrätin steht seit dieser Sendung mit den munter ausplaudernden Verschwörern nicht nur als diejenige vor der Öffentlichkeit, die ihre eigene Partei schnöde hereingelegt hat. Sie erscheint auch als die, die bereits zu ihrem Amtsantritt die gesamte Öffentlichkeit skrupellos belogen hat. Ihre damalige Überraschung erscheint im Rückblick als wohlinszenierte Komödie. Ihre Wahl als Ergebnis einer linken, von ihr von allem Anfang an mitinszenierten Verschwörung, der die Stimmen der CVP schliesslich zum Durchbruch verholfen haben. Alles andere war geschauspielert, war Lug und Trug.

Eine wichtige Frage aufzugreifen, darauf verzichtete das Fernsehen überraschenderweise. Oder vielsagenderweise? Weil niemand diese Frage kompetenter beantworten könnte als das Fernsehen selber:

Die Berner Intrigengemeinschaft behauptet ja bis heute, dass selbst das Fernsehen vom Komplott gegen Blocher nichts, aber auch gar nichts gewusst habe. Wirklich nicht? An jenem an Dramatik so reichen 12. Dezember 2007 reisten insgesamt wohl dreihundert Gäste an die traditionellen Fraktionsessen nach Bern. Darunter gewiss fünfundzwanzig Regierungsräte. Doch nur eine einzige Regierungsrätin wurde vom Schweizer Fernsehen ab Abgangsstation begleitet. Jene, die dann «zufällig» Bundesrätin wurde. Will uns jemand ernsthaft weismachen, das Schweizer Fernsehen sei zur Inszenierung dieses Coups völlig ahnungslos nach Chur gereist?

Offen bleibt die Frage: Wer hat das Schweizer Fernsehen damals zur Begleitung Eveline Widmer-Schlumpfs aufgeboten? Etwa die nachher «zufällig Gewählte» selbst? Aufgrund ihrer nunmehr entlarvten Rolle im ganzen Komplott wäre ihr auch das zuzumuten.

Ulrich Schlüer

**Weitere Kommentare**