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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 17. März 2006

Parlament bewilligt Kohäsions-Milliarde
Verpulvert

Es kam, wie es zu erwarten war: Das Schweizer Parlament überweist aus völlig leerer Bundeskasse eine volle Milliarde in den EU-Osten. Ohne Rechtsgrundlage, ohne Verpflichtung, einfach aus EU-Gefallsucht. Nicht einmal die EU-Ankündigung, ihre Milliarden-Forderung - im Hinblick auf den bevorstehenden EU-Beitritt Rumäniens und Bulgariens - noch um "ein paar hundert Millionen" aufzustocken, mochte das Parlament in seiner Tributzahlungs-Lust zu bremsen: Die aufgestockte Milliarde floss.

Die Schweiz könne davon profitieren, behaupteten einige. Dass die EU-Osterweiterung der Schweizer Wirtschaft - gemäss einer brandneuen Osec-Untersuchung - bis heute nur gerade 2,4 Prozent neue Geschäfte ermöglicht hat, wurde unter den Tisch gewischt. Man müsse, sagten die Milliarden-Spendierer, "langfristiger" denken. Dass mit der Milliarde Wirtschafts-Standorte subventioniert werden, welche die Schweiz schon bald massiv konkurrenzieren werden - was schert das die EU-Devoten im Parlament.

Geradezu abenteuerlich wurde es, als das Rateburgern über die Finanzierung der Ost-Milliarden anhob: Der Bundesrat wollte wenigstens noch Budget-Neutralität mittels "departementsinterner Ausgaben-Umgruppierung" beim Volkswirtschafts- und beim Aussendepartement. Das Parlament lehnte jede Bindung an solche Verpflichtung ab - und nahm statt dessen die Entwicklungshilfe mit ihrem Bürokratie-Apparat von jeder Kürzung aus.

Dafür wurde eine echte Glanzidee präsentiert: Bundesrat Blocher spare dank seiner energisch durchgesetzten Massnahmen neuerdings doch Monat für Monat Dutzende von Millionen im Asylwesen, wurde festgestellt. Das so eingesparte Geld, meinen die Milliarden-Verschleuderer, liege seither "herrenlos" herum. Die Steuerzahler dank erzielter Einsparungen zu entlasten, das komme keinesfalls in Frage. Das Geld müsse raus, an die EU, milliardenweise - trotz fehlender Verpflichtung… So wurden die Weichen gestellt. So wird es - wenn kein Referendum dazwischen kommt - geschehen.

Wie solches Tatsache werden kann im Parlament der Schweizerischen Eidgenossenschaft? Ganz einfach: Die Linke ist zusammen mit Bundesrätin Calmy-Rey immer für Milliarden-Spenden ins Ausland. Die CVP schwenkte ganz nach links. Die FDP war - wie immer - gespalten, mehrheitlich aber auf Seite der Linken. Allein die SVP wehrte sich für die vielfach gebeutelten Steuerzahler.

Ulrich Schlüer

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