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Der
aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 24.
März 2005
Zur Ablehnung der Rüstungsprogramme 2004
Korrektur
Nein, die
Schweizer Armee geht gewiss nicht unter, wenn ihr das Parlament Transportflugzeuge
für Auslands-Engagements verweigert. Im Gegenteil: Mit diesem Nein wurde
jene gefährlich falsche Orientierung, der die Armee-Führung in ihrem
unstillbaren Hang nach immer mehr Auslands-Engagements verfallen ist, nachdrücklich
korrigiert.
So fehlen der Armee nicht viel weniger als tausend Instruktoren. Ganze Lehrverbände
(früher Rekrutenschulen genannt) können auf Jahre hinaus - im Grunde
gesetzeswidrig - nur mit Teil-Beständen geführt werden. Mangels
Instruktoren. Niemand tut etwas Sichtbares gegen diesen eklatanten, den Kern
unserer Landesverteidigung treffenden Missstand. Dafür fordert die Armee-Spitze
Transport-Flugzeuge für Auslands-Abenteuer.
Da werden der Armee aus stationierten Schützenpanzern schwere Maschinengewehre
gestohlen - weil die Bewachung einsatzbereiter Panzer derart verantwortungslos
vernachlässigt wird, dass Tage verstreichen, bis der Diebstahl überhaupt
nur entdeckt wird. Die Armee-Spitze beschäftigt sich
derweil mit Flugzeugen für Auslands-Einsätze, die ihr weit wichtiger
scheinen als geordneter Dienstbetrieb im eigenen Land.
Auch liefert das Pisa-System, die computerisierte Mannschaftskontrolle und
Aufgebots-Zentrale noch immer Fehlleistungen. Die Armee-Spitze kümmert
sich lieber um Flugzeuge für Auslands-Engagements, träumt von WKs
mit Tausenden von Soldaten im Ausland und plant, schweizerische Brigade-Stäbe
an Nato-Stabsübungen zu beteiligen - wofür natürlich Flugzeuge
her müssen. Die
Versessenheit auf solche Auslands-Engagements in Nato-Strukturen ist beim
Chef Armee, Christophe Keckeis, derart dominierend, dass er als hohe Offiziere
nur noch Akademiker zulassen will - denn nur diese hätten den «Comment»,
wie man sich in Nato-Stäben zu bewegen habe. Für solche Eskapaden
wären Transport-Flugzeuge natürlich nötig.
Die Fehl-Orientierten wollten sich ihre Lieblinge erzwingen, indem sie das
ganze Rüstungsprogramm an die beiden Flugzeuge ketteten. Womit sie in
ihrer Sturheit das ganze Rüstungsprogramm zum Scheitern brachten. Was
an Notwendigem in diesem Programm enthalten ist, wird - die parlamentarischen
Vorstösse dafür wurden bereits eingereicht - rasch beschafft werden.
Ob die
auslandsversessene, die Zukunft unserer Armee nachhaltig gefährdende
Armee-Führung ihre Lektion gelernt hat, muss sich allerdings erst zeigen.
Ulrich Schlüer