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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer |
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| Am 12. März 1999 zum Thema: Betrachtungen im Vorfeld der Bundesratswahlen vom 11. März |
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| Volkswahl Es besteht nicht der geringste Zweifel: Wären die beiden Kandidatinnen Männer, sie würden nicht im entferntesten für die Landesregierung in Betracht gezogen. Das heisst nicht, dass sie - soweit man dies als Aussenstehender überhaupt beurteilen kann - nicht durchaus tüchtige Regierungsrätinnen sein können. Doch ihre Qualifikation ist im Bundeshaus derzeit gar nicht gefragt: Es muss ganz einfach mindestens eine Frau sein! So diktieren es die Medien. Und jeder Parlamentarier - gerade auch der an Qualifikationen und Erfahrung der Vorgeschlagenen zweifelnde - weiss: Würde sich dieses Parlament getrauen, seiner Überzeugung folgend keine Frau zu wählen, sich allein für Qualität und Erfahrung zu entscheiden, dann wäre eine übel verschmierte Bundeshausfassade das mindeste, das aus einem solch wirklich freien Entscheid resultieren würde. So wird der Rat das Mediendiktat eben schlucken - und sich zähneknirschend mehrheitlich wohl für jene entscheiden, die immerhin ein bisschen mehr Erfahrung mitbringt - und zudem deutlich nach links neigt. Wird so gewählt, dann rechnet sich das Parlament aus, im zweiten Umgang wenigstens jenen wählen zu können, der noch am ehesten gewisse bürgerliche Werte vertritt. So wird Mittelmass und Durchschnittlichkeit unserer Landesregierung treu bleiben, logisches Produkt der von Jahr zu Jahr miefiger werdenden Zauberformel. Eigentlich aber hat das Volk die Wahl der Landesregierung an die Bundesversammlung delegiert, weil es deren Mitgliedern, mit dem eidgenössischen Politbetrieb eng vertraut, am ehesten zutraut, die wirklich Besten und Tüchtigsten unseres Landes für das hohe Amt bestimmen und wählen zu können. Dazu wäre die Bundesversammlung auch in der Lage - würde sie sich nicht schmählich jenem Mediendruck beugen, der selbst dann eine Frau durchsetzen will, wenn die als vorschlagsberechtigt etikettierte CVP gar keine geeignete im Angebot hat. Wenn sich die Bundesversammlung unter Mediendruck - und unter Druck des von gewissen Medien regelrecht heranzitierten Strassenmobs - die freie Wahl, die Wahl nach eigener Überzeugung, nehmen lässt, dann ist wohl überfällig, dass das ganze Wahlgeschäft dem Souverän, dem Volk, überlassen wird. Wer auf der Strasse herumhört, ist fast sicher, dass die Wahl ziemlich anders - und kaum schlechter - herauskäme als die tatsächlich wohl erfolgende Entscheidung für jenen grauen Durchschnitt, der am 11. März einmal mehr obsiegen dürfte. Ulrich Schlüer Ihre Meinung interessiert uns! Sie erreichen uns unter: Zur persönlichen Homepage von Ulrich Schlüer |
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