Nr. 6, 10. März 2006
Klipp&Klara
Das Lehrerhasserbuch
Eine Neuerscheinung sorgt derzeit in Deutschland für heisse Debatten:
Die Journalistin Gerlinde Unverzagt rechnet in ihrem "Lehrerhasserbuch"
mit dem real existierenden Schulbetrieb ab. Dabei schöpft sie als Mutter
von vier schulpflichtigen Kindern aus dem Vollen.
Natürlich ist das Buch einseitig, polemisch und ungerecht. Aber auch zutreffend, unterhaltsam und bissig. Die Kritik zielt vornehmlich auf den linken Lehrerbeamten, der seine eigene Faulheit als besonders soziale Haltung verkauft. Die Autorin ärgert sich entsprechend über die herrschende "Kuschelwuschel"-Pädagogik: "Lehrer haben sich vom Leistungsgedanken auf breiter Front verabschiedet, in der Grundschule sowieso, aber auch im Gymnasium geht der Plumpsack um. Leistung steht unter Generalverdacht."
Auch der Schweizer Lehrer lebt im geschützten Biotop und tut alles, damit die Wirklichkeit nicht in die Schulzimmer dringt. Gerlinde Unverzagt: "Er arbeitet drinnen an der Tafel mit dem Rücken zur Klasse und zum Leben da draussen." Von der Schule in die Uni und von dort zurück in die Schule - so sieht die schmale Biographie eines Durchschnittspädagogen aus. Um so grösser ist sein Misstrauen gegen alles, was jenseits der staatlichen Regelung und Umhegung geschieht. Diese Feindseligkeit gegenüber der Marktwirtschaft entspringt nicht selten der tief empfundenen Einsicht, dass man selber den Anforderungen des Wettbewerbs nicht genügen würde. Dabei sähe sich der Lehrer "umringt von Menschen, die für Geld alles tun würden - sogar arbeiten".
Der wichtigste Auftrag
der Schule bestünde noch immer darin, den Kindern Grundfähigkeiten
in Mathematik, Schreiben und Lesen beizubringen. Was sie kaum noch schafft.
Hauptverantwortlich sind "windelweiche" linke Pädagogen, die
seit dreissig Jahren fast ungestört in den Schulen herumexperimentieren:
Noten wurden abgeschafft; die Schüler können nach Lust und Laune
schreiben, ohne sich um die Regeln der Orthographie kümmern zu müssen;
antiautoritäre Erziehungsprinzipien liessen die Schulzimmer im Chaos
versinken; das Bildungsniveau sinkt, weil sich die Lehrer scheuen klare Anforderungen
zu stellen. Und was dabei am meisten nervt: Die Lehrer jammern dauernd über
ihr schlechtes Berufsimage - das sie in erster Linie selber zu verantworten
haben.
Klara Kaiser