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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 12. März 2004

Das neue Radio- und Fernseh-Gesetz
Am Staats-Tropf

Was sich in Sachen Radio und Fernsehen in der Schweiz tut, ist schlicht trostlos. Fader Eintopf ist angesagt. Eintopf ohne Würze. Und alles, restlos alles wird abhängig von staatlichen Funktionären. Von Funktionären, die Geld verteilen, die Sendekanäle zuteilen. Und die für das Geld, das sie den in
ihre Gnade aufgenommenen privaten Medien grossmütig, aber immer bloss in Tröpfchenform zurinnen lassen, in alles und jedes dreinreden ­ bis hin zu eidgenössisch normierten Mindestlöhnen und Bundes-Anstellungsbedingungen. Kein Zweifel, dass der mit Bern verbandelte Gewerkschaftsfilz diese kleinen,
auf dem Papier privaten, aber völlig vom Manna aus Bern abhängigen Kleinsender seine Macht spüren lassen wird ­ sozusagen zum voraus zum Eintopf erziehend.

Das Vorgehen, das diesen Eintopf bewirkt, war regelrecht machiavellistisch: Bisher bezog die Monopolanstalt SRG genau 99 % ­ rund 1,2 Milliarden Franken ­ aller Fernseh- und Radiogebühren. Und der ganz auf von Bern kontrollierte Einheitsinformation ausgerichtete Bundesrat Leuenberger tat alles, dass kleine Private nie eine echte Konkurrenz zur SRG ­ was Vielfalt bedeutet hätte ­ werden konnten. Er hat die kleinen Privatsender gezielt an den Abgrund gedrückt. Alle kämpfen sie ums Überleben. Und da verzichtet nun die SRG grossmütig auf drei ihrer neunundneunzig Prozent und tritt knapp vierzig
Millionen ab an die Kleinen ­ ein paar Brösmeli im Vergleich zum Löwenanteil von noch immer mehr als 1,15 Milliarden, welche die SRG im Gegenzug fest garantiert erhält. Und wegen der notorischen, gewollten, sozialistischen Aushungerungspolitik Bundesrat Leuenbergers gegenüber den kleinen
Privatsendern blieb diesen nichts anderes übrig, als sich auf die ihnen vorgeworfenen Brosamen zu stürzen ­ und Parlamentarier aller Parteien regelrecht zu beknien, alle Grundsätze von Freiheit und Wettbewerb zu vergessen und dieser den Kleinen die Existenz vorderhand sichernden
Brösmeli-Politik mit gleichzeitiger Zementierung des SRG-Monopols um des Überlebens der Kleinen willen doch auf jeden Fall zuzustimmen.

So kam die Schweiz zu einem neuen Radio- und Fernsehgesetz, das auch passen würde auf den vor fünfzehn Jahren untergegangenen Einheitsstaat DDR. Einziger Lichtblick: Könnte sein, dass sich innerhalb der FDP tatsächlich sachte, sachte etwas zu verändern beginnt. Zwar blieben die vor der SRG
kniefälligen FDP-Etatisten noch in der Mehrheit. Aber mit Filippo Leutenegger als Sprecher gewann die Minderheit zweifellos an Profil. Könnte sich solche Politik fürs erste wenigstens einmal in der Zürcher FDP durchsetzen, wäre wohl eine wichtige Etappe erreicht.


Ulrich Schlüer


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