Nr. 06, 12. März 2004
Entwicklungshilfe
Filz bleibt zugedeckt
Seit langem ist zunehmende personelle
und finanzielle Verflechtung zwischen sich als NGO (Nichtregierungsorganisationen)
bezeichnenden Hilfswerken einerseits, deren Exponenten persönlich zum
zweiten und der staatlichen Schweizer Entwicklungshilfe (Deza) als dritten
«Partner» zu registrieren.
Vor allem trifft man im
Sachbereich Entwicklungshilfe für Projekte und grössere Informations-Kampagnen
zunehmend auf «Berater» des Bundes, die gleichzeitig äusserlich
private, in Wahrheit aber in wachsendem Ausmass von Bundesbeiträgen lebende
Hilfswerke vertreten. Und als Vertreter dieser
Hilfswerke treten sie oft auch als Lobbyisten rund ums Parlament auf. Filz-Vermutungen
kursieren. Um genauen Aufschluss zu bekommen, wurden dem Bundesrat am 2. Oktober
2003 die folgenden vier konkreten Fragen gestellt:
1. Welches sind die Namen aller verwaltungsexternen Berater, welche für die Deza tätig sind?
2. In welchen privaten Hilfswerken und Entwicklungsorganisationen sind diese Berater tätig?
3. In welchem Umfang arbeitet die Deza mit den Organisationen, welchen die Berater entstammen, operationell und finanziell zusammen?
4. Welche Massnahmen wurden getroffen, dass Konflikte dieser Berater zwischen ihrer Beratungstätigkeit für die Deza und den Interessen der Organisationen, in denen sie tätig sind, ausgeschlossen sind?
Ende Februar 2004 raffte
sich der Bundesrat zu einer Antwort auf zu einer ausgesprochen verklausulierten
Antwort. Daraus ist zu entnehmen, dass die vermutete Überschneidung von
finanziellen und organisatorischen Aktivitäten und Interessen Tatsache
ist. Der Bund beteuert freilich, Berater nur
projektorientiert, nie als ständige Berater anzuheuern. Würde solche
Beratung sei es von Hilfswerken, sei es von einzelnen Exponenten von
Hilfswerken in Anspruch genommen, dann würde sie «marktüblich
abgegolten», bezüglich der Honorare gelte «die Tarifpolitik
des Bundes».
Es sei zutreffend, dass mehrere engagierte Experten bei NGOs tätig seien,
sie würden ihre dortige Vorstandstätigkeit in der Regel aber ehrenamtlich
ausüben. Allerdings seien mehrere der engagierten Experten neben ihrer
ehrenamtlichen Vorstandstätigkeit bei Hilfswerken zusätzlich noch
privatwirtschaftlich als Berater und Experten aktiv offensichtlich auch
für den Bund. Aus Gründen des «Datenschutzes» sei der
Bund aber nicht bereit, die Namen der von ihm besoldeten Berater sowie die
Namen der NGOs, mit denen er in finanzieller Beziehung steht, zu nennen.
Nur die Mitgliedernamen der den Bund «beratenden Kommission für
internationale Entwicklung und Zusammenarbeit» seien öffentlich
zugänglich. Es seien in dieser Kommission alle relevanten Kräfte
und Parteien vertreten. Dies, wie ein Blick auf die Mitgliederliste zeigt,
freilich auf sehr spezielle Weise: Die Hilfswerke werden von einschlägig
bekannten Persönlichkeiten betont linker Ausrichtung vertreten: Von Christine
Eberlein (Erklärung von Bern), von Nationalrat Hugo Fasel (Gewerkschaften),
von Bruno
Gurtner (Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Entwicklungshilfeorganisationen),
von Jürg Krummenacher (Caritas), von Christoph Stückelberger (Brot
für alle). Fast noch aufschlussreicher sind
die Parteienvertreter in dieser Kommission. Diese werden nicht von den Parteien
gewählt, sondern von der Deza «berufen». Während fast
alle andern Parteien von aktiven oder ehemaligen Mitgliedern der Aussenpolitischen
Kommission vertreten werden, hat die Deza als Stimme der SVP die nicht nur
in finanziellen Belangen notorisch gegen ihre eigene Fraktion agierende Brigitta
Gadient berufen, für die Deza wahrlich ein äusserst pflegeleichtes
Mitglied. Die Grünen vertritt alt Nationalrat Ruedi Baumann, die SP die
am äussersten linken Flügel politisierende Valérie Garbani,
die CVP Rosmarie
Zapfl, die Evangelischen werden von alt Nationalrat Roland Wiederkehr vertreten.
Selbst wenn die Arbeitgeber-Organisationen repräsentativ vertreten sind:
Eine ganz deutliche linke Mehrheit ist in dieser Kommission von allem Anfang
an garantiert.
Aufschlussreich: Die parlamentarischen Mitglieder dieser den Bund beratenden
Kommission gehören meist auch in die Spitzengruppe der «Vielreiser»
im Parlament auf Kosten der Steuerzahler natürlich. Kommt dazu,
dass ihnen auch die Hilfswerke notorisch und häufig kostenlose «Reise-Lasten»
aufbürden, wie das zu effizientem Lobbying eben so gehört. Ein Lobbying,
das gemäss dem Willen unserer Aussenministerin weiterhin dem «Datenschutz»
unterstellt bleiben soll. Der Steuerzahler darf also nichts erfahren über
Personen, welche sich unter Umständen in massivem Ausmass in
angeblich offizieller Funktion am Bundeshaushalt gütlich tun. Nicht einmal
den Bundesrat anfragende Parlamentarier erhalten Auskunft. Da deckt ein linkes
Departement linken Filz. Damit ist klar: Die
Auseinandersetzung geht weiter.
Ulrich Schlüer