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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 1. März 2002

Schlaglicht auf den Uno-Abstimmungskampf
Neue Sitten

Der Schweizerische Unteroffiziersverband (SUOV) war bis heute eine effiziente, Überzeugung ausstrahlende, aber auch kluge Vereinigung. Engagiert setzte er sich für eine starke Landes- verteidigung ein. Klug enthielt er sich jeglicher Einmischung in andere politische Auseinan- dersetzungen, wohl wissend, dass er seine Existenz und seine Durchschlagskraft Mitgliedern verdankt, die in andern als die Armee betreffenden Fragen in guten Treuen unterschiedliche Ansichten vertreten konnten.

Diese weise politische Zurückhaltung hat der SUOV ­ so schien es zumindest ­ im Vorfeld der Uno-Abstimmung plötzlich über Bord geworfen. Tauchten doch unversehens Inserate auf, die ­ mitunter- zeichnet vom Unteroffiziersverband ­ für den Beitritt warben, weil damit ­ las man mit etwelcher Verwun- derung ­ ein Beitrag zu unserer Sicherheit geleistet würde.

Bald allerdings wurde klar: Das Erstaunen ob dieser inserierten Aussage teilt selbst der Unteroffiziers- verband. Die Führung dieses Verbands wusste nämlich nichts von diesem Inserat. Weder hat sie den Text genehmigt, noch hat sie je die Unterschrift darunter gesetzt oder Geld für seine Veröffentlichung gesprochen. Gerade deshalb, weil der SUOV seine politische Zurückhaltung nicht ablegen will, haben sich andere skrupellos seines Namens bemächtigt.

Die Fäden dieses schnöden Namens-Missbrauchs liefen offenbar beim Präsidenten der auf Auslands- betätigung geradezu versessenen, jede politische Zurückhaltung in den Wind schlagenden Schweizeri- schen Offiziersgesellschaft zusammen. Der Präsident der Offiziersgesellschaft, Nationalrat Ulrich Siegrist ­ bei Gelegenheit mit Hilfe der armeefeindlichen Linken auch nach höheren Weiten im Staate strebend ­ gefällt sich in der Rolle des Politoffiziers, der die Armee ­ nachdem schon der Bundesrat Staatsgelder für Abstimmungspropaganda missbraucht ­ für innenpolitische Kämpfe zu instrumentali- sieren versucht ­ den der Landesverteidigung damit bereitenden Schaden kurzerhand in den Wind schlagend.

Eine Aussage, die in besagtem Inserat steht, lässt aufhorchen: Über die Beteiligung der Schweiz an einem internationalen, von der Uno beschlossenen Truppeneinsatz würden wir, sagen die Uno-verses- senen Offiziere, «selber bestimmen». Was von Selbstbestimmung zu halten ist, wenn das Uno-Fieber grassiert, haben die Unteroffiziere mit diesem Inserat erfahren: Wer rnicht mitmachen will, über den wird einfach verfügt! Neue Sitten! Uno-Sitten!

Ulrich Schlüer

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