Nr. 6, 9. März 2001

Aufgezwungener «autonomer Nachvollzug»
Maul- und Klauenseuche: Die EU ist schuld

Der verheerende Seuchenzug der Maul- und Klauenseuche in Grossbritannien ist eine Folge der Nichtimpfpolitik der EU. Auch die Schweizer Bestände von Wiederkäuern und Schweinen sind gefährdet. Schreckliche Nachrichten und Bilder erreichen uns in diesen Tagen aus Grossbritannien. Tausende von Rindern und Schweinen werden in Mastbetrieben und Bauern- höfen, in denen Fälle von Infektionen oder Erkrankungen durch das Virus der Maul- und Klauenseuche (MKS) festgestellt worden sind, getötet, aufgeschichtet und an Ort und Stelle verbrannt.

Bis zum Ausbruch der Seuche im Februar 2001 galt die MKS als in Europa ausgerottet. Zu den letzten grossen europaweiten Seuchenzügen war es in den sechziger Jahren gekommen. Ältere Schweizer Bauern erinnern sich mit Schrecken an den letzten grossen Ausbruch, der 1965/66 die ganze Schweiz heimgesucht hat. Mit Einführung der Impfung gegen MKS im Jahre 1966 konnte die Seuche in West- europa erfolgreich eingedämmt werden. Zum letzten vereinzelten Krankheitsfall in der Schweiz kam es 1980 im Kanton Bern. Anfang der neunziger Jahre wurde in der EU die Impfung eingestellt.

Sie hatte ihre Aufgabe, die MKS in Europa zu eliminieren, erfüllt. Statt dessen setzte die EU (damals noch «Europäische Gemeinschaft» genannt) auf eine konsequente Nichtimpfpolitik und erliess sogar ein Impfverbot. Die Schweiz zog sofort nach und führte am 20. Januar 1991 das Verbot der MKS-Schutz- impfung ein. Man befürchtete, dass eine Fortsetzung der schweizerischen Impfungen die Ausfuhr von Tieren in den EG-Raum gefährdete. Ob es gelingt, ein Überschwappen der Maul- und Klauenseuche von Grossbritannien auf den europäischen Kontinent und damit auch auf die Schweiz zu verhindern, ist ungewiss. Sicher ist aber, dass sich kein Schweizer Bauer vor der Seuche fürchten müsste, wenn man vor zehn Jahren nicht die bewährten Schutzimpfungen aufgegeben hätte. Lakonisch stellte das dem Bundesamt für Veterinärwesen zugehörige «Informationszentrum Tiergesundheit Schweiz» im Sommer letzten Jahres in den «Berichten zur Gesundheit von Tier- und Mensch» (Nr. 2/00) fest, «dass Distan- zen, Ländergrenzen und jahrzehntelange Seuchenfreiheit keine Garantie dafür bieten, dass die Seuche nicht plötzlich wieder auftaucht. Damit müssen auch wir in der Schweiz rechnen (...). Der fehlende Impfschutz hat zur Folge, dass heute der gesamte schweizerische Rindviehbestand von 1,8 Millionen Tieren hochempfänglich für das MKS-Virus wäre, und selbstverständlich gilt das gleiche für Schweine, Schafe und Ziegen.»

Bleibt bloss zu hoffen, dass sich diese nüchterne Feststellung in einem amtlichen Bericht nicht als Schreckensvision der nahen Zukunft erweisen wird.

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