Nr. 6, 3. März 2000
Subventionen für Schwulen- und Lesbensport?
Steuergeldverschwendung
Von Ständerat Maximilian Reimann (AG), Präsident der parlamentarischen
Gruppe Sport
Vom 1. bis 4. Juni 2000 finden in Zürich die 6. Eurogames für Schwule und Lesben statt. Das ist grundsätzlich eine positive Feststellung, denn Breiten- wie Spitzensport sind empfehlenswerte Aktivitäten zur körperlichen Ertüchtigung für jedermann. Eine andere Frage ist es hingegen, ob sportliche Wettkämpfe von Schwulen und Lesben wie andere grosse Sportveranstaltungen mit internationaler Dimension von der öffentlichen Hand zu subventionieren sind. Vorgeprellt sind dabei bereits Stadt und Kanton Zürich. Die Stadt stellt die Wettkampfanlagen im Gegen- wert von rund 20'000 Franken zur Verfügung, der Kanton beteiligt sich mit einem direkten Zuschuss in gleicher Höhe.
Um eine Defizitgarantie von maximal 25'000 Franken ist aber auch der Bund angefragt worden. Die Eidg. Sportkommission (ESK), die das Gesuch vorzuprüfen hatte, rang sich zur Kompromissformel durch: Der Anlass wird nach Massgabe des Hochleistungsanteils finanziell unterstützt; d. h., je mehr schwule oder lesbische Spitzensportler dem Anlass in Zürich ihre Aufwartung machen, um so höher beziffert sich die Defizitgarantie des Bundes. Im übrigen, so stellte das Gremium fest, sei ein solcher Betrag verantwort- bar, da die entsprechende Budgetposition im VBS noch über ausreichend Kreditresten verfügt.
Persönlich halte ich den Einsatz von Steuergeldern für einen solchen Anlass für völlig deplaziert und inakzeptabel. Es geht nicht an, dass neben den konventionellen Sportveranstaltungen wie Welt- und Europameisterschaften oder sonstigen wichtigen internationalen Wettkämpfen auch parallele Anlässe von spezifischen Segmenten unserer Gesellschaft von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Man kann sich ausdenken, wohin das führt, wenn solche Präzedenzfälle geschaffen werden. Es könnten irgendwelche Organisatoren von irgendwelchen Sportveranstaltungen auf den Plan treten und von uns Steuerzahlern ihr Scherflein abverlangen, auf dass sie in die Schweiz kommen können. Eurogames von Links- oder Rechtsradikalen, von Geschiedenen oder Selbsterziehenden, von Parlamentariern oder Internet-Usern würden dann staatlich subventioniert. Schwulen, lesbischen oder welchen Spitzen- sportlern auch immer steht es ohnehin offen, sich auf ordentlichem Weg für jene internationalen Wett- kämpfe zu qualifizieren, die mit einer - ohnehin fragwürdigen - staatlichen Defizitgarantie ausgestattet sind!
Bleibt zu hoffen, dass Bundesrat Ogi als zuständiger Departementschef für einmal die Empfehlung seiner ESK unberücksichtigt lassen wird. Das Argument, die entsprechende Budgetposition sei noch nicht ausgeschöpft, muss einem finanzpolitisch auf Sparsamkeit getrimmten Politiker schwerstens zu denken geben. Gerade wenn sich am düsteren Horizont der Bundesfinanzen langsam wieder Licht- streifen abzuzeichnen beginnen, soll und darf nicht wieder in den alten Schlendrian des unbedarften Geldverteilens nach allen Seiten zurückgefallen werden, auch nicht beim «Liebkind Sport».