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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer |
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| Am 19. Februar 1999 zum Thema: | ||
| Gewerkschafts-Forderung auf flankierende Massnahmen zu den
bilateralen Verhandlungen mit der EU. Lohndrücker Ziel der EU ist die Schaffung eines weitestgehend vereinheitlichten Binnenmarktes in Europa. Jeder Unternehmer, jeder, der irgend etwas produzieren, verarbeiten, der irgendwie beratend oder sonstwie tätig sein will, soll den ihm am günstigsten scheinenden Ort für möglichst erfolgreiches Unternehmen in Europa frei wählen können. Wer sich in den vergangenen Jahren mit den die EU tragenden Pfeilern gründlich auseinandergesetzt, nicht einfach bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit diffus von «Öffnung» geschwärmt hat, dem ist diese Tatsache bekannt. Doch jetzt kommen Gewerkschafter und andere Linke und fordern, nachdem sie sich jahrelang als «Vorkämpfer europäischer Vollintegration» haben feiern lassen, eine Lohnmauer rund um die Schweiz. Ein vom Staat nach linken Vorstellungen durchregulierter Arbeitsmarkt sollte die mit dem freien Personenverkehr drohende ausländische Lohnkonkurrenz verhindern... Würden diese «Weltoffenen» ihren Blick einmal über die Grenze nach Norden richten, würden sie feststellen, dass dort die Übung mit dem aus EU-Angst durchregulierten Arbeitsmarkt längst durchgepaukt worden ist. Mit dem «Erfolg», dass Deutschlands Arbeitslosigkeit einen Höchststand erreicht hat, nahezu dreimal grösser ist als die schweizerische. Natürlich kann man mit staatlichen Mindestlohn-Bestimmungen «Lohndumping» durch Arbeitskräfte aus andern EU-Ländern abzuhalten versuchen. Was bewirkten sie in Deutschland? Für gutausgebildete, tüchtige Arbeitskräfte aus EU-Südländern mit tiefem Lohnniveau waren die deutschen Mindestlöhne derart attraktiv, dass sie alle nach Deutschland drängten, bereit, dort zu Mindestlöhnen zu arbeiten. Die Unternehmer konnten plötzlich aus reichstem Angebot tüchtiger Mindestlohnarbeiter auswählen. Wollten Deutsche eine Stelle, erhielten sie diese nur, wenn sie ihre Ansprüche auf den Mindestlohn zurückschraubten. Die durchgesetzte Mindestlohnregelung wurde für sie zur krassen Lohndrückerei - von den eigenen Gewerkschaften herbeigeführt! Forderten diese Gewerkschaften angesichts des bei ihren Mitgliedern wachsenden Unmuts eine deutliche Erhöhung der Mindestlöhne, so liess sich auch dieses Begehren leicht durchsetzen. Nur: Niemand kann in einem Binnenmarkt einen Unternehmer an einen Standort fesseln. Beeinträchtigt das staatlich deklarierte Mindestlohnkorsett seine Konkurrenzfähigkeit, weicht er dorthin aus, wo die Bedingungen eben besser sind. Den zurückgebliebenen Arbeitern sind zwar bemerkenswert hohe Mindestlöhne garantiert. Nur haben sie keine Arbeit mehr. Treiben überhöhte Mindestlöhne die Preise des standortgebundenen Gastgewerbes in die Höhe, dann buchen Wintersportler eben in St. Anton statt in St. Moritz, in Chamonix statt in Zermatt. So einfach ist das, wenn machtgierige Gewerkschafter, die von gesamteuropäischen Arbeitskämpfen träumen, die Interessen ihrer Mitglieder nach Brüssel ausverkaufen. Sie, die Gewerkschafter, sind die wahren Lohndrücker! Ulrich Schlüer Ihre Meinung interessiert uns! Sie erreichen uns unter: Zur persönlichen Homepage von Ulrich Schlüer |
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