Nr. 5, 5. März 2010

Neue Herausforderungen für die zukünftige Generation
Der Wert der Familie

Von Nadja Pieren, Stadträtin, Burgdorf BE  

War der Wert der Familie zu Gotthelfs Zeiten anders als heute? Es kann auf den ersten Blick etwas vermessen wirken. Da schreibe ich als 30Jährige über Gotthelfs Zeiten. Aber genau mir als junge Person steht es zu, sich Gedanken über die Zukunft unserer Kinder, und somit unseres Landes zu machen.

Und ich weiss, dass es manchmal bereichernd sein kann, zuerst in die Vergangenheit zu blicken. Die Erfahrungen unserer Vorfahren, und was sie daraus gemacht haben, ist für die Gestaltung der Gegenwart sehr wertvoll.

Die Botschaft von Jeremias Gotthelf

Ich entscheide mich sehr bewusst für Jeremias Gotthelf, wenn es um die Familie und um die Kinder geht, weil genau von dort meine Wurzeln kommen. Diese Persönlichkeit hat mich in meinem Leben immer wieder begleitet – und jedes Mal tief beeindruckt.

Meine Grosseltern sowie auch meine Urgrosseltern Kirchhofer haben im Gotthelfdorf Lützelflüh gelebt, gewirkt und gearbeitet. Als Viehhändler und Metzger passen meine Vorfahren genau in das Bild der Emmentaler Familien, wie sie bildlich und lebhaft in den Schriften von Jeremias Gotthelf zu lesen sind.

Schon als kleines Kind erzählte mein Grossvater von Gotthelf und zeigte mir das Grab und die Gedenkstätte. Die alten Gotthelfbücher stehen heute bei mir in der Wohnung und ich bin sehr stolz auf dieses Erbe. Beim Lesen dieser Bücher beeindruckt mich immer wieder, wie sehr das Leben, die Sorgen und Probleme vor über 150 Jahren dem heutigen Leben ähnlich sind.

«Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland».

Dieses Zitat von Gotthelf kennen wir alle. Und es ist so allgegenwärtig, dass wir Gefahr laufen, uns nicht genau zu besinnen, was Gotthelfs Botschaft war und ist. «Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland»: Im Hause, in der Familie werden die Grundwerte fürs Leben vermittelt. Nur auf ein stabiles und gutes Fundament kann weiter gebaut werden. Wir streben doch alle an, dass unser Vaterland auch in Zukunft leuchten soll.

Erziehung der Kinder

Dadurch, dass sich der Staat immer früher in die Erziehung der Kinder und in das Leben unserer Familien einmischt, geht genau diese wichtige Zeit der Kinder verloren, in der sie von ihren Eltern starke und solide Grundwerte mit auf den Lebensweg erhalten. Die Elternliebe, das Gefühl von Sicherheit durch die Urverbundenheit zwischen Eltern und Kind, das kann dem Kinde niemand anderes geben – es ist unersetzbar. Aber es ist auch unabdingbar für die Entwicklung der Kinder. Vor allem im Kleinkindalter brauchen die Kinder ihre Eltern. Das heisst nicht, dass ein Elternteil rund um die Uhr beim Kind sein muss. Das heisst nicht, dass das Kind keinen Schritt ohne Eltern machen soll – nein – im Gegenteil. Kinder sollen ihren Weg gehen dürfen, Eltern sollen loslassen können. Aber, und da liegt jetzt der Unterschied zwischen dem, was die Familien sollten und was uns der Staat aufdrängt: Die Eltern wissen am Besten, was gut für ihr Kind ist.

Auch zu Gotthelfs Zeiten waren die Kinder nicht rund um die Uhr am Rockzipfel der Mutter. Beide Elternteile mussten auf Hof und Feld arbeiten und konnten sich nicht pausenlos um ihre Schützlinge kümmern. Damals waren es die älteren Geschwister, die Grosseltern (und zu Gotthelfs Zeiten brauchten diese noch keine Bewilligung vom Staat, um ihre Enkel zu hüten) und Mägde (heute besser bekannt als Nannys), welche bei der Betreuung alle tatkräftig mitgeholfen haben. Die Eltern aber hatten die Hauptverantwortung für ihre Kinder. Und wenn’s darauf ankam, waren diese da für ihre Kinder.

Nestwärme und Elternliebe

Haben sich die Bedürfnisse der Kinder von damals so sehr geändert zu heute? Wohl kaum! Das Bedürfnis nach Nestwärme hat im Laufe der Zeit nicht abgenommen. Auch das Bedürfnis nach Elternliebe und Geborgenheit ist heute sicher noch genau so stark wie vor 200 Jahren.

Die Herausforderungen in der Schule, der Leistungsdruck, die Durchmischung der Klassen von verschiedenen Sprachen und Kulturen, die Integration von lernschwachen Schülern… all dem müssen sich die Kinder von heute stellen und parallel neben dem Lernen bewältigen. Da ist es eine logische Folge, dass das Niveau der Bildung in der heutigen Zeit stetig sinkt. Es ist nicht die Lösung, wie dies die Linken wollen, die Kinder einfach früher einzuschulen. Oh nein, denn so passiert genau das, was uns Jeremias Gotthelf vor über 150 Jahren mitteilen wollte: Die zarten Wurzeln der Kinder können sich nicht genügend im Boden verankern, um sich später dem Leben mit all seinen Witterungen stellen zu können.

Eigenverantwortung stärken

Die Eigenverantwortung der Familien muss dringend beibehalten werden können. Das darf nicht an den Staat delegiert werdenNur so sind die Kinder gerüstet fürs Leben und können in der Schule eine Bildung auf hohem Niveau geniessen. Gegen diese Verstaatlichung der Familien und Kinder müssen wir uns einsetzten – konsequent und gradlinig – damit der Wert der Familie in 150 Jahren immer noch mit Stolz und Liebe erhalten bleibt.

Manchmal ist es gar nicht so schlecht, an Vergangenem fest zu halten. Nur so können wir unsere Werte und Normen mit Stolz von Generation zu Generation weiter geben. Die Zeit ist so schnelllebig, da müssen wir aufpassen, den Wert und deren Wichtigkeit der Familie nicht zu vergessen.

Und zum Schluss nehmen Sie sich doch folgende Worte von Jeremias Gotthelf zu Herzen:

«Es ist nicht der Staat, nicht die Schule, nicht irgendetwas anderes des Lebens Fundament, sondern das Haus ist es. Nicht die Regenten regieren das Land, nicht die Lehrer bilden das Leben, sondern Hausväter und Hausmütter tun es. Nicht das öffentliche Leben ist in einem Lande die Hauptsache; sondern das häusliche Leben ist die Wurzel von allem, und je nach dem die Wurzel ist, gestaltet sich alles andere.»

Nadja Pieren

Nadja Pieren ist Stadträtin in Burgdorf und Mitglied der städtischen Geschäftsprüfungskommission (GPK). Sie ist Kandidatin für die Grossratswahlen vom 28. März 2010 auf der SVP-Liste (Liste 2) im Wahlkreis Unteres Emmental.