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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 24. Februar 2006

Die Uno schweigt zu schwersten Charta-Verstössen
Todesurteile

Die dänischen Karikaturisten, gegen welche die Regierungen muslimischer Staaten Millionen militanter Manifestanten mobilisierten, berufen sich auf Wertvorstellungen - Redefreiheit, Gedankenfreiheit, Kunstfreiheit -, die ihnen verfassungsmässig garantiert sind. Wertvorstellungen, die nach der Zerschlagung des totalitären Nationalsozialismus als unveräusserliche Grundrechte auch Eingang in die Uno-Charta gefunden haben. Globale Respektierung müsste diesen Werten gesichert sein.

Aber irgendwelche Mullahs aus bisher zwei Staaten haben Todesurteile gesprochen und die Massen zur Tötung der Karikaturisten aufgehetzt - hohe Kopfgeldprämien wurden ausgesetzt. Sie sind namentlich bekannt, die Einpeitscher dieser Todesurteile - aber keine Regierung verfügt über so viel Rückgrat, dass diese Anstifter zu Mordtaten vor Gericht gestellt werden. Auch die Uno schweigt betreten. Fundamentale Rechte, garantiert im Grundlagendokument der Uno, lösen sich zu New York buchstäblich in nichts auf. Die Dänen sind ernsthaft an Leib und Leben bedroht.

Der Vorgang ist nicht einzigartig. Ein weiterer, nicht minder schwerwiegender Verstoss gegen elementare Menschlichkeit hat aus dem Mittleren Osten den Weg um die Welt angetreten: Die Hinrichtung (genauer: die Abschlachtung) von Unschuldigen vor laufenden Fernsehkameras, ausgestrahlt von arabischen Sendern in die ganze Welt - als gezielte, gewollte, von oben gesteuerte Polit-Botschaft. Eine Botschaft grausamster Einschüchterung und Lähmung. Rückfall ins finsterste Mittelalter.

Abschlachtungen als Polit-Botschaft: Hat die Uno je ernsthaft - also unter Androhung spürbarer Sanktionen - derart entmenschlichte Untaten zu ahnden versucht? Keine Spur! Allenfalls ein papierener Pflicht-Tadel war zu vernehmen - worauf die Funktionäre sich sofort wieder mit sich selbst beschäftigten.

Deutlich wird also: Elementare Grundwerte und elementare Menschlichkeit finden in der Uno im entscheidenden Moment keinen Rückhalt. Polit-Todesurteile, ungestraft ausgesprochen und verhängt, werden ebensowenig geahndet wie als politische Demonstration in Szene gesetzte Abschlachtungen von Unschuldigen.

Die Menschheit geht schwierigsten Zeiten entgegen. Auf das, was sich "Völkergemeinschaft" nennt, ist nicht der geringste Verlass. Sicherheit kann nur erlangen, wer sie aus eigener Kraft im eigenen Land zu gewährleisten vermag.

Ulrich Schlüer

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