Nr. 5, 24. Februar 2006
Eine
Milliarde Franken für die EU-Oststaaten
Kohäsions- oder Korruptionsmilliarde?
Von
Hans Fehr, Nationalrat, Eglisau ZH
Nach dem Ständerat hat kürzlich auch die Aussenpolitische Kommission des Nationalrates der so genannten Kohäsionszahlung von einer Milliarde Franken, die der Bundesrat zugunsten der neuen EU-Oststaaten beschlossen hat, zugestimmt. Diese Milliardenzahlung wird vom Bundesrat schönfärberisch «Schweizer Beitrag zur Verringerung der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten in der erweiterten EU» genannt. Sie muss in der kommenden Frühjahrssession bekämpft werden.
Es ist nicht einzusehen, warum die Schweiz diese Milliarde zahlen soll, welche die Bundesräte Deiss und Calmy-Rey der EU seinerzeit in letzter Minute als gigantisches "Zückerchen" versprochen haben, um den Abschluss der Bilateralen II zu forcieren. Eine solche Zahlung trägt schon beinahe Züge einer Schmiergeldaktion oder gar von Korruption.
Referendum möglich
Sollte die Ablehnung
im Nationalrat scheitern, so ist die Milliardenzahlung zumindest an die folgenden
Bedingungen zu knüpfen: Sie muss ohne jeden Abstrich budgetneutral sein,
also durch Minderausgaben in den Departementen Deiss und Calmy-Rey vollständig
kompensiert werden, nötigenfalls auch zulasten der Entwicklungshilfe.
Zudem muss die EU unser Bankkundengeheimnis sowie die Steuerhoheit der Kantone
auf Dauer garantieren, und schliesslich muss die EU die Diskriminierung des
Flughafens Zürich-Kloten beenden. Als letzte Massnahme behält sich
die Auns das Referendum vor.
Skandalöses Milliardentheater
Das seinerzeitige
Versprechen des Bundesrates, die Kohäsionsmilliarde werde "budgetneutral"
finanziert, ist bereits vergessen. Einzelne Bundesräte, zahlreiche Parlamentarier,
und nun auch noch die Aussenpolitische Kommission des Nationalrates fordern,
die Milliarde sei durch Erträge aus der Zinsbesteuerung und der EU-Osterweiterung
zu finanzieren. Zudem seien die aus dem Dublin-Abkommen resultierenden Minderausgaben
im Asylbereich anzurechnen. Aber keinesfalls dürfe die Entwicklungshilfe
angetastet werden. So wird das Volk angelogen. Dass die behaupteten Mehreinnahmen
und Minderausgaben rein fiktiver und spekulativer Natur sind, interessiert
in Bundesbern offensichtlich nicht. Das ganze Theater um die Kohäsionsmilliarde
Ost zeigt, wie schludrig mit Steuergeldern und mit der Wahrheit umgesprungen
wird. Um so mehr muss dieses skandalöse Milliardentheater, das längst
zum nationalen Ärgernis geworden ist, gestoppt werden.
Hans Fehr
Hans Fehr ist Geschäftsführer der Auns (Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz).