Nr. 05, 27. Februar 2004
Beispiel Schweiz löst
Sehnsüchte aus
Der Euro als Teuro
Von Nationalrat Ulrich Schlüer, Flaach ZH
Während zu Bern zumindest
eine bundesrätliche Mehrheit noch immer alles Heil aus Brüssel erwartet,
wächst im EU-Ausland offensichtlich die Sehnsucht, endlich gleich unabhängig
zu werden wie das Nicht-EU-Mitglied Schweiz.
In Kärnten wirft die durch den Euro ausgelöste Teuerung derzeit
besonders hohe Wellen. Dies, weil eine alte Kärntnerin mit Namen Anna
Schupp ihre seit Jahren geführten exakten Aufzeichnungen über die
Preisentwicklung von Lebensmitteln über Leserbriefe einer weiteren Öffentlichkeit
kundtat worauf ihr unerwartet grosses Echo entgegenbrandete. Insgesamt,
weist Anna Schupp nach, habe die Einführung des Euro die Lebensmittel
in Kärnten um durchschnittlich 45 Prozent verteuert. In der Vor-Euro-Zeit,
konnte Frau Anna Schupp präzise nachweisen, kosteten die von ihr für
ein ganzes Jahr benötigten Lebensmittel umgerechnet 2602.57 Euro. Im
Jahr 2003 habe sie für den gleichen Aufwand an
Lebensmitteln 3794.87 Euro ausgeben müssen, 45 Prozent mehr! Vor der
Euro-Einführung habe ein Kilogramm Brot 2.03 Euro gekostet, heute koste
es 2.25 Euro (plus zehn Prozent). 100 Gramm (aus Holland importierter) Gouda-Käse
hätten von 0.72 Euro auf 1.19 Euro (plus 65 Prozent)
aufgeschlagen, eine normale Semmel von 0.13 Euro auf 0.27 Euro, also um 107
Prozent.
Beispiele, die zahlreiche Leserbriefe auslösten, in denen sich viele
Leser Luft machten über ihren Alltagsärger mit Euro und EU. Einer
dieser Leserbriefe forderte ganz direkt den Austritt Österreichs aus
der Europäischen Union. Die Vorteile pries er wie folgt: Österreich
hätte dann, weil selbst dafür verantwortlich, statt der offenen
Binnengrenze zu Italien (demnächst auch der offenen Binnengrenze zu Slowenien)
endlich geschützte Grenzen. Und eine härtere Währung. Österreich
müsste keine Nettozahlungen mehr leisten und könnte die Transitfrage
eigenständig regeln. Es hätte volle Selbstbestimmung und würde
vom Ausland im Gegensatz zum Empfinden heute wieder geachtet.
Der Leserbrief-Schreiber schliesst mit der Feststellung:
«Dass es nach einem Austritt eigentlich nur besser werden kann, lebt
uns die Schweiz vor.»
Ein Leserbrief aus Klagenfurt, der zu Bern gewiss nicht gelesen wird.
Ulrich Schlüer