Nr. 5, 23. Februar 2001
Erfolgreiche Erpressung
der Schweiz
Die Abkassierer
Auszüge aus dem Buch «Die Holocaust-Industrie» von Norman G. Finkelstein
In den letzten Jahren ist die Holocaust-Industrie geradezu zu einem erpresserischen Geschäft geworden. Unter dem Vorwand, die Juden in aller Welt, ob lebendig oder tot, zu vertreten, erhebt sie in ganz Europa Anspruch auf jüdische Besitztümer aus der Zeit des Holocaust. Dieses doppelte Abkassieren sowohl bei europäischen Ländern als auch bei Juden mit legi- timen Ansprüchen, das man passend als «letztes Kapitel des Holocaust» tituliert hat, zielt zunächst auf die Schweiz.
Beim Gedenken an den fünfzigsten Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs bat der schweizeri- sche Bundespräsident im Mai 1995 formell dafür um Entschuldigung, dass man den Juden während der Massenvernichtung durch die Nazis keine Zuflucht gewährt hatte. Etwa zur gleichen Zeit kamen auch wieder Diskussionen über die seit langem schwelende Frage nach den jüdischen Vermögenswerten auf, die vor und während des Krieges auf schweizerischen Konten deponiert worden waren (S. 93 f.).
Leichte
Beute
Der Jüdische
Weltkongress (WJC) stürzte sich auf diese neue Gelegenheit, seine Muskeln
spielen zu lassen. Schon früh war klar, dass die Schweiz eine leichte Beute
sein würde. Wenige würden mit den reichen Bankiers der Schweiz sympathisieren,
denen die «bedürftigen Überlebenden des Holocaust» gegenüberstanden. Was jedoch
wichtiger war: Die Schweizer Banken waren überaus anfällig für wirt- schaftliche
Pressionen seitens der USA.
Im Dezember 1995 tat sich Edgar Bronfman, der Präsident des WJC, mit Senator D'Amato zusammen. Da D'Amatos Umfragewerte auf dem Tiefpunkt waren und ein Senats-Wahlkampf bevorstand, kostete er diese Möglichkeit aus, sein Ansehen bei der jüdischen Gemeinde mit ihren entscheidenden Wähler- stimmen und den wohlhabenden politischen Spendern zu verbessern. Bevor die Schweizer schliesslich auf die Knie gezwungen wurden, hatte der Jüdische Weltkongress das gesamte politische Establish- ment der Vereinigten Staaten mobilisiert. Von Präsident Clinton, über elf Regierungseinrichtungen sowie Parlament und Senat, bis hinunter zu Behörden von Bundesstaaten und Gemeinden im ganzen Land, kamen Pressionen zum Tragen, und ein Amtsträger nach dem andern reihte sich ein, um die perfiden Schweizer anzuklagen. Die Holocaust-Industrie benutzte die Banken-Komitees von Parlament und Senat als Sprungbrett, um eine schamlose Diffamierungskampagne in Gang zu setzen. Mit einer unendlich willfährigen und leichtgläubigen Presse, die bereit war, jeder noch so absurden Story, die mit dem Holocaust zu tun hatte, Schlagzeilen zu widmen, erwies sich die Schmutzkampagne als unauf- haltsam (S. 95 f.).
Der Hauptvorwurf der amerikanischen Organisationen gegen die Schweiz lautete, dass es «eine fünfzig Jahre dauernde Verschwörung von Schweizern und Nazis» gegeben habe, «um von den europäischen Juden und Überlebenden des Holocaust Milliarden zu stehlen» (S. 99).
Man hat auch behauptet, die Schweizer Bankiers hätten die Einlagen von Holocaust-Opfern kassiert und systematisch entscheidende Unterlagen vernichtet, um die Spuren zu verwischen (S. 101). Die Holocaust-Industrie heizte nicht nur die öffentliche Hysterie an, sondern koordinierte auch eine zwei- gleisige Strategie, um die Schweizer «mit unablässigem Druck» zur Unterwerfung zu zwingen: durch Sammelklagen und wirtschaftlichen Boykott. Anfang Oktober 1996 brachten Edward Fagan und Robert Swift (...) die erste Sammelklage über insgesamt 20 Milliarden Dollar ein. Ein paar Wochen darauf erhob das Simon-Wiesenthal-Zentrum, das dafür die Anwälte Michael Hausfeld und Melvyn Weiss bestellte, eine zweite Sammelklage, und im Januar 1997 leitete der «World Council of Orthodox Jewish Commu- nities» eine dritte in die Wege. Alle drei Klagen gingen bei Richter Edward Korman ein, einem Richter am US-Bezirksgericht in Brooklyn (S. 106).
Boykott
Die wichtigste
Waffe, die man einsetzte, um den Widerstand der Schweizer zu brechen, war
jedoch der wirtschaftliche Boykott. Bereits im Januar 1996 hatte der WJC damit
begonnen, den Boykott zu planen. Bronfman und Singer nahmen Kontakt mit Alan
Hevesi auf, dem Finanzchef von New York City, sowie mit Carl McCall, dem Finanzchef
des Staates New York. Zusammen legen diesen beiden Rechnungs- führer Milliarden
von Dollars in Pensionsfonds an. Im Februar 1996 schrieben Hevesi und McCall
an die Schweizer Banken und drohten ihnen Sanktionen an. Während der folgenden
Monate brachten die örtlichen und staatlichen Regierungen in New York, New
Jersey, Rhode Island und Illinois jeweils Entschliessungen ein, in denen sie
mit einem wirtschaftlichen Boykott drohten. Im Mai 1997 verhängte die Stadt
Los Angeles die ersten Sanktionen und zog mehrere hundert Millionen Dollar
von Pensions- fonds aus einer Schweizer Bank ab. Mit Sanktionen New Yorks
folgte Hevesi rasch nach. Innerhalb weniger Tage schlossen sich Kalifornien,
Massachusetts und Illinois an (S. 107 f.).
Kapitulation
Im Juli 1998
drohten Hevesi und McCall weitere harte Sanktionen an. New Jersey, Pennsylvania,
Connecticut, Florida, Michigan und Kalifornien schlossen sich ihnen innerhalb
weniger Tage an. Mitte August kapitulierten die Schweizer schliesslich. In
einem von Richter Korman herbeigeführten Vergleich zu den Sammelklagen willigten
die Schweizer ein, 1,25 Milliarden Dollar zu zahlen. «Die zusätzliche Zahlung»,
stand in einer Presseerklärung der Schweizer Banken, «zielt darauf ab, sowohl
die Gefahr von Sanktionen wie auch lange und kostspielige Gerichtsverfahren
abzuwenden» (S. 109).
Norman G. Finkelstein