Nr. 4, 10. Februar 2006
Bisherige
Zahlen sind massiv falsch
Klima-Bombe geplatzt
Von Theophil Pfister, Nationalrat, Flawil SG
Forscher des Heidelberger
Max-Planck-Instituts für Kernphysik machen eine überraschende Entdeckung:
Pflanzen produzieren selbst Methan und senden es direkt in die Atmosphäre.
In den letzten Jahren ist die Biosphäre immer mehr in den Blickpunkt
der Forschung geraten, gerade was den Austausch klimarelevanter Gase zwischen
Biosphäre und Atmosphäre betrifft. Forscher des Max-Planck-Instituts
für Kernphysik in Heidelberg haben jetzt analysiert, welche organischen
Gase von Pflanzen abgegeben werden. Dabei machten sie die überraschende
Entdeckung, dass Pflanzen - entgegen allen bisherigen Annahmen - das Treibhausgas
Methan selbst freisetzen. Ebenso überraschend war, dass die Bildung von
Methan durch die Anwesenheit von Luftsauerstoff nicht verhindert wird. Diese
Entdeckung ist nicht nur für Pflanzenforscher, sondern gerade auch für
das Verständnis der Wechselwirkungen wichtig, die zwischen der globalen
Erwärmung und der erhöhten Produktion von Treibhausgasen bestehen.
In der Tat ist das atmosphärische Methan heute überwiegend biogenen
Ursprungs. Bisher nahm man an, dass biogenes Methan grundsätzlich durch
Mikroorganismen und unter Ausschluss von Sauerstoff, also anaerob, gebildet
wird. Dabei werden Acetat oder Wasserstoff und Kohlendioxid zu Methan umgewandelt,
die ihrerseits beim anaeroben Abbau von organischem Material entstehen. Die
mengenmässig wichtigsten Quellen von Methan sind natürliche Feuchtgebiete
und Reisfelder, ausserdem die Verdauung bei Wiederkäuern und Termiten,
Mülldeponien sowie das Faulgas aus Klärwerken. Nach bisherigen Schätzungen
machen diese Quellen nahezu zwei Drittel der weltweiten Methan-Jahresproduktion
von etwa 600 Millionen Tonnen aus.
Pflanzen schaden der
Luft
Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts haben nun herausgefunden, dass
Pflanzen selbst Methan produzieren und in die Atmosphäre abgeben, und
zwar in ganz normaler sauerstoffreicher Umgebung. Hierbei zeigte sich, dass
die lebenden Pflanzen sogar 10- bis 100-fach mehr Methan freisetzten als abgestorbenes
Pflanzenmaterial. Zudem stellten die Forscher fest, dass sich die Methan-Bildungsrate
noch drastisch erhöhte, wenn die Pflanzen der Sonne ausgesetzt waren.
Ersten Schätzungen zufolge produzieren terrestrische Pflanzen auf der
Erde zwischen 60 und 240 Millionen Tonnen Methan pro Jahr. Dies bedeutet,
dass heutzutage etwa 10 bis 30 Prozent der Methanproduktion eines Jahres von
Pflanzen stammt. Der Grossteil, also etwa zwei Drittel, kommt aus tropischen
Gebieten, da dort am meisten Biomasse gebildet wird.
Erkenntnisse revidieren
Die Ergebnisse sind umwerfend. Ist es doch heute möglich, dass eine massgebliche
natürliche Quelle des Treibhausgases Methan, etwa 20 Prozent dieser Produktion,
von der Forschung nicht erkannt wurde. Das bedeutet natürlich auch, dass
die bisherigen Bilanzen nicht stimmen können und die Szenarien für
die Klimaerwärmung grundlegend revidiert werden müssen. Solche Fehler
können natürlich passieren, aber wenn wir die bisherigen Ansprüche
der Forscher an ihre Genauigkeit betrachten, die auch zum sofortigen politisches
Handeln aufrufen, dann ist dieser Anspruch heute mehr als erschüttert.
Natürlich sind diese neuen Zahlen kein Thema für die Medien. Es
könnten ja Zweifel an der Absolutheit und Unfehlbarkeit der Modelle und
Szenarien entstehen, was dann politisch wieder relevant wäre. Theophil
Pfister
Quelle: Max Plank Gesellschaft, Heidelberg, Presseinformation vom 11. Jan. 2006