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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 20. Februar 2004

Der Generalstabschef will mit einer Brigade nach Nordschweden
Lappland verteidigen?

Mit zehntausend Mann samt vollständiger Kampfausrüstung zieht es Generalstabschef Keckeis mit der Schweizer Armee nach Lappland. Er will dort Panzerschlachten veranstalten.

Was üben die Schweizer denn in Lappland? Gebirgs-Einsatz? Einsatz in stotzigem Voralpengelände, in coupiertem Mittelland? Oder interessiert die Armee-Führung das Schweizer Gelände längst nicht mehr? Man könne, meint der Generalstabschef, die Armee (ausser zum Pistenstampfen) in der Schweiz gar
nicht mehr einsetzen: Die Landschaftsschäden würden zu gross. Welch kapitaler Unsinn! Würde Herr Keckeis nur einen Teil der für die vielen tausend Flugstunden zur Verlegung ganzer Kampfbrigaden von jeweilen 10 000 Mann mitsamt Kampfmaterial nach Nordschweden aufzubringenden Gelder für
Landschaden-Entschädigung einsetzen, so hätte mancher Bauer für alle Tage ausgesorgt.

Die Fakten liegen völlig anders: Generalstabschef Keckeis, seit einigen Wochen Träger der Guisan-Standarte, ist der Schweiz überdrüssig. Er will das schwere Material nämlich für immer aus der Schweiz entfernen. Um in völlig «unschweizerischem» Gelände Einsätze zu üben, wie sie die Nato (pardon: Partnership for Peace natürlich) vorgibt. Übungen nach Nato-Muster für
Einsätze irgendwo auf der Welt.

Wie würde denn das schwere Material, etwa die Panzer, kurzfristig in die Schweiz zurückgeholt, wenn es hier plötzlich benötigt würde? Die USA brauchen zum Transport eines einzigen Kampfpanzers ein Grossraumflugzeug. Solche möchte Herr Keckeis natürlich auch. Weil er von sich selber träumt
als Feldherr einer 10 000- Mann-Kampfbrigade im Nato-Auftrag. Zugegeben: Der Schweizer Souverän hat Auslandeinsätze der Armee abgesegnet. Hat man ihm aber je gesagt, man werde mit diesem Ja ganze Kampfbrigaden vollständig bewaffnet und ausgerüstet im Ausland auf Nato-Einsätze
vorbereiten? So wie das der Generalstabschef jetzt glaubt durchstieren zu können?

Zur Schadensbegrenzung ist jetzt eines überfällig: Ein Machtwort des VBS-Chefs, von Bundesrat Schmid. Damit der Generalstabschef ­ der notabene dringendst gefordert wäre, die schwierigen mit der Einführung der Armee XXI sich stellenden Probleme endlich zu meistern ­ mit seiner Auslandversessenheit unsere Armee nicht noch ganz zugrunde richtet. Weil eine auf Nato-Einsätze getrimmte Armee von der Bevölkerung nie und nimmer mitgetragen, geschweige denn finanziert wird.


Ulrich Schlüer


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