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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 8. Februar 2002
Nach dem Abschuss Filippo
Leuteneggers als Chefredaktor TV DRS
Gleichgeschaltet
In geradezu barocker Ausschmückung floss sie fast allen Journalisten aus der Feder: Die Geschichte vom «Kampf der Titanen» zu Leutschenbach, wo zwei Gladiatoren anderen gefiel das Bild mit Primadonnen besser in dramatischem Kampf aufeinanderprallten, bis der eine, der Schwächere, gleichsam tödlich getroffen liegen blieb. Als hätte zwischen Peter Schellenberg und Filippo Leutenegger wirklich nur ein Hahnenkampf auf höchster Etage stattgefunden.
Als wäre der Abschuss Leuteneggers nicht von Ringiers «Blick» mit klarer Absicht eingeleitet und zielbewusst herbeigeführt worden: Jener Medienmann, dessen Skepsis gegenüber der von der Classe politique gewollten Einbindung der Schweiz in die Europäische Union sichtbar geworden war, sollte nicht länger am Monopol-Fernsehen auftreten dürfen...
Dass es Leutenegger für den mit «Idée Suisse» und «Service public» hausierenden, durch Bundesrats- entscheid allein in der ganzen Schweiz ausstrahlungsberechtigten Sender gelungen ist, die in der Schweiz mit Abstand am meisten beachtete politische Sendung zu kreieren, zählt nicht mehr. Vorge- worfen wird Leutenegger pauschal «SVP-Nähe» als wären die (immer in Überzahl anwesenden) Gegner der SVP in der «Arena» nie zu Wort gekommen.
Leuteneggers Abschuss ist eine ungeschminkte Absage an den offenen politischen Wettbewerb in der freien Demokratie. Seit der Bundesrat selbst mit, soweit er sie nicht dem Steuerzahler abnimmt, Millionen der Economiesuisse im Rücken Abstimmungskämpfe bestreitet, scheint in der Schweiz die Bereitschaft zu offener, direkter Auseinandersetzung nahezu verschwunden zu sein. Millionen werden in Inserate- und Plakatkampagnen gesteckt. Aber der direkten politischen Auseinandersetzung, dem öffentlichen Streitgespräch, wo sich die besseren Argumente vor Publikum durchsetzen dieser demo- kratischen Auseinandersetzung verweigert sich die Classe politique, verweigern sich gegenwärtig jedenfalls die Uno-Befürworter systematisch und penetrant. Weil es ihnen einfacher scheint, allein am Rednerpult zu stehen, wenn sie die zur Auseinandersetzung nicht zugelassenen, andere Meinungen vertretenden und begründenden politischen Gegner pauschal und undifferenziert des «Lügens» zu bezichtigen belieben.
Gleichschaltung ist neuerdings Trumpf im Lande Schweiz. Zuerst hatte die private Konkurrenz vom Bund durch existenzverunmöglichende Auflagen krass benachteiligt zu verschwinden. Und jetzt wird Fernsehen DRS gesäubert. Im Herzland der Demokratie ist Meinungsvielfalt nicht mehr gefragt!
Ulrich Schlüer