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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 9. Februar 2001

Kommunikationsprobleme bei der der Zürcher Stadtpolizei
Teil-Wahrheit

Zürich sei, wird die Stadtzürcher Polizeidirektorin Esther Maurer nicht müde zu betonen, von Graubünden sträflich im Stich gelassen worden. Als der Chaoten-Haufen auf dem Weg nach Davos gestoppt und in Landquart zurück nach Zürich verfrachtet worden sei, sei Zürichs Polizeikommando über das herannahende Unheil völlig im unklaren belassen worden. So dass die Überraschung, als sich die Krawallanten über Zürich ergossen hätten, vollkommen gewesen sei.

Hätte es sich so verhalten, wie Esther Maurer zur Rechtfertigung ihres viel zu spät angeordneten Polizei-Einsatzes behauptet, so müsste sich Graubünden tatsächlich harsche Vorwürfe gefallen lassen. Doch die Darstellung der mit Vorwürfen - im Gegensatz zu Einsatzbefehlen - so allzeit bereiten Zürcher Polizeidirektorin blendet einige nicht ganz unwesentliche Tatsachen aus: Da waren doch, zur Verstär- kung der Bündner bei der Absicherung von Davos, auch Kräfte der Zürcher Stadtpolizei im Prättigau im Einsatz. Darunter zwei Verbindungsleute, die auf der Einsatzzentrale der Bündner Polizei, also im eigentlichen Zentrum des Geschehens, stationiert waren. Dort, wo alle Nachrichten zusammenliefen, wo man über alles, was sich ereignete, lückenlos im Bild war. Hat Esther Maurer ihre beiden Verbindungs- leute etwa mit dem ausdrücklichen Auftrag in dieser Zentrale plaziert, sie dürften allein das Geschehen in Davos, wo die Stadtpolizisten im Einsatz standen, verfolgen? Sie dürften keinesfalls nach Zürich berichten, wenn sich Unvorhergesehenes ereignen sollte, das die Limmatstadt bedrohen könnte? Wäre diesen beiden Verbindungsleuten tatsächlich ein derart engstirniger Auftrag erteilt worden, dann müsste die Stadtzürcher Polizeidirektorin erst recht den Hut nehmen. Und zwar ohne Verzug!

Da lamentieren die Linken - im Vorfeld der EU-Abstimmung vom 4. März - derzeit ohne Unterlass über die bezüglich Sicherheit international angeblich so sträflich «isolierte Schweiz». Weil wir als Nicht-EU- Mitglied vom Schengener Abkommen ausgeschlossen seien. Als ob, wenn sich eine städtische Polizeidirektorin bei der Abwehr schwerer, gewalttätiger Krawalle als unfähig erweist, uns irgendeine europäische Instanz die Arbeit abnehmen würde. Als könnten wir Sicherheitsaufgaben delegieren. Lächerlich, solches Lamentieren! Weil es die Wahrheit vertuscht. Weil es die Krankheit vertuscht, von der so viele blinde Brüssel-Eiferer heimgesucht werden: den Glanz eines von den Medien gehätschelten Amtes, in diesem Glanz möchten sie sich nur allzugerne sonnen. Die mit dem Amt verbundene Verantwortung - zuweilen auch in unangenehmen Situationen Entscheidungsfreude und Rückgrat verlangend - möchten sie indessen lieber irgendeinem unsichtbaren Kollektiv irgendwo in Brüssel übertragen. Denn ohne Verantwortung lässt es sich viel angenehmer regieren.

Ulrich Schlüer

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