Nr. 4, 9. Februar 2001
Früher Honecker-Bewunderer,
heute Cüpli-Sozialisten
Erfolgreicher Marsch durch die Institutionen
Von Thomas Meier, Zürich
In der Schweiz ist - im Gegensatz zu Deutschland - zumindest im jetzigen Zeitpunkt keine heute in Gesellschaft oder Politik einflussreiche Persönlichkeit bekannt, der eine frühere Nähe zum Terrorismus vorgeworfen werden kann. Immerhin gibt es auch in unserem Land zu Macht und Geld gelangte Personen, die früher zu linken Krawallanten und Diktatoren totalitärer Regimes Sympathien gezeigt haben.
Seit bereits mehr als zwanzig Jahren zu den wichtigsten Exponenten der SP Schweiz gehört der 1946 geborene Peter Vollmer Der promovierte Politologe war von 1979 bis 1990 Vizepräsident der SP Schweiz, ist heute noch im schweizerischen Parteivorstand, sitzt seit 1989 im Nationalrat und bezieht als Direktor des Verbands Öffentlicher Verkehr und der Seilbahnen Schweiz ein Spitzengehalt.
Vollmer
gehörte zu den glühendsten Bewunderern des DDR-Regimes:
- Am 1. Juli 1982 traf sich Peter Vollmer in Begleitung des damaligen SP-Präsidenten
Helmut Hubacher mit dem DDR-Schergen Erich Honecker zu einem «freundschaftlichen
Meinungsaustausch» in Ostber- lin.
- Am 18. April 1986 pilgerte Vollmer als offizieller Vertreter der SP Schweiz
an den elften Parteitag der SED nach Ostberlin, geisselte in einer an Landesverrat
grenzenden Grussbotschaft die politische Heuchelei, wie sie in der westlichen
Demokratie immer wieder zum Ausdruck kommt», und zeigte sich «beeindruckt
von der Rede des Genossen Erich Honecker» und vom Beitrag der DDR «für
eine menschengerechte Welt und Gesellschaft».
- Am 13. Parteitag der kommunistischen «Partei der Arbeit» vom 27. Februar
bis 1. März 1987 traf Vollmer als Gastgeber mit SED-Funktionären zusammen
und betonte sein Interesse am Meinungs- austausch mit der SED und an der Entsendung
einer Delegation in die DDR.
- Im September 1989, wenige Wochen vor dem Fall der Mauer, gratulierte die
SP, deren Vizepräsident immer noch Peter Vollmer war, dem kurz vor seiner
Entmachtung stehenden Diktator Erich Honecker offiziell zum 40. Jahrestag
der DDR.
Vollmer scheint dem menschenverachtenden DDR-Regime auch heute noch nachzutrauern; am 30. April 1998 nahm der SP-Politiker in Luzern an einem Podiumsgespräch zum 1. Mai teil, zu dem als Ehrengast die bekennende deutsche Kommunistin und erklärte Ulbricht- und Honecker-Verehrerin Sahra Wagenknecht geladen war.
In jüngeren Jahren ebenfalls von einem totalitären kommunistischen Regime angezogen fühlte sich der heutige Ringier-Chefpublizist Frank August Meyer. Der gelernte Typograph und Studienabbrecher Meyer gefällt sich heute in der Rolle eines pseudointellektuellen Talkmasters, der in der Fernsehsendung «Vis-à-vis» mit Prominenz aus Kultur, Politik und Wirtschaft auf hohem Niveau zu konversieren versucht, und betreut im «Sonntagsblick» eine Hetzkolumne, in der er über alles, was rechts der SP steht, herzieht, in geradezu wadenbeisserischer Manier Gift und Galle gegen Christoph Blocher speit und auch schon mal einen Artikel mit der Überschrift «Wir Antisemiten» betitelt, womit er pauschal das Schweizervolk meint («Sonntagsblick» vom 2. 2. 1997).
Noch Abstruseres aus der Feder Frank August Meyers als in seinen «Blick»-Sonntagspredigten kann man im Buch «Notizen aus China» nachlesen, in dem Meyer zusammen mit Mitautor Mario Cortesi eine Reise nach China beschreibt, wo damals gerade die sogenannte Kulturrevolution wütete. Die Schrift mit dem unverfänglichen Titel erweist sich bei näherem Hinsehen als eigentliches Mao-Verherr- lichungsbuch, in dem Meyer in blumigsten Worten vom chinesischen Regime schwärmt: «Es dürfte nicht richtig sein, von einer Unterdrückung des Volkes zu reden. Man hat in China nie den Eindruck, sich in einer Atmosphäre der Unterdrückung zu bewegen (...). Die Menschen bewegen sich unge- zwungen, sind fröhlich, eher gemächlich, ja sogar geniesserisch, wenn sie zusammen Bier trinken, Melonen verzehren oder vor dem Hause Schach und Karten spielen.». Zu den Bildungslücken Frank August Meyers dürfte die Information gehören, dass während der in seinem Buch so wortreich besun- genen Kulturrevolution selbst chinesischen Quellen zufolge über 10 Millionen Menschen umgebracht oder in Konzentrationslager gesteckt worden sind.
Zu den militanten Achtundsechzigern zählte vor 30 Jahren der heutige SP-Fraktionschef im Nationalrat Franco Cavalli. Der wohlbetuchte Chefarzt, der sich auch heute noch zum Marxismus bekennt, kämpfte als Student an vorderster Front gegen den Vietnam-Krieg. 1968 wurde gegen ihn ein militärgerichtliches Verfahren eröffnet, weil er in Uniform an einer Demonstration gegen Vietnam teilgenommen hatte.
Der militanten Anarchisten-Szene zugerechnet wurde in den achtziger Jahren der heutige Zuger Regie- rungspräsident Hanspeter Uster. Als aktives Mitglied der Jugendbewegung und der Häuserbesetzer- Szene - Uster war unter anderem an einer mehrmonatigen Besetzung der Kaserne Zug beteiligt - wurde Hanspeter Uster damals von der Polizei scharf beobachtet. Heute ist der 42-jährige Regierungsrat Polizeidirektor...
Selbst Journalisten, die früher ihre Feder in den Dienst linker Revolutionsideen stellten, haben sich heute bestens etabliert. Als Beispiel erwähnt sei Kenneth Angst. Der Journalist Angst übte in den siebziger Jahren in den linksextremen Zeitungen «Konzept» und «Tell» scharfe Kritik am Establishment, an der Armee und an der bürgerlichen Kultur und Gesellschaft. Heute ist Kenneth Angst stellvertre- tender Chefredaktor der NZZ. Ob in dieser Tatsache wohl ein Grund dafür liegt, dass das früher zuver- lässig bürgerliche Weltblatt immer mehr zu einer linksliberalen Zeitung mutiert?
Thomas Meier