Nr. 3, 1. Februar 2008

Regionale Bedeutung von Flugplätzen und Lärmschutz
Flugwaffe sichert Dach über dem Kopf
Von Susanne Huber, Gemeindepräsidentin, Meiringen BE

Bei einer Annahme der Initiative gegen den Kampfjetlärm am 24. Februar müsste der Flugplatz Meiringen geschlossen werden, das steht ausser Zweifel. Die entsprechenden, volkswirtschaftlichen Auswirkungen auf die Region wären verheerend.

Ich bin Gemeindepräsidentin in genau derjenigen Region, wo auch die Urheber dieser unüberlegten Initiative in unmittelbarer Nähe des Militärflugplatzes Meiringen ein Hotel betreiben. Ein Hotel, das übrigens mit Unterstützung von Helikoptern der Luftwaffe renoviert worden ist! Wir haben es hier also mit einer Volksinitiative zu tun, die durchaus auch aus egoistischen Motiven eines einzelnen Hotelinhabers, nämlich Franz Weber, entstanden ist.

Wirtschaftlich bedeutend

In der Region um den Militärflugplatz in Meiringen und vor allem im Dorf selber sieht es allerdings anders aus. So ist die regionalwirtschaftliche Bedeutung des Flugplatzes im Haslital von enormer Tragweite für die Berner Oberländer. Die bei uns ansässigen Betriebe der Luftwaffe bieten als einer der grössten Arbeitgeber in der Region über 180 hochwertige Arbeitsplätze sowie etwa 25 Lehrstellen an. Durch den Flugplatz und auch die Wiederholungskurse der Armee, die dadurch einmal pro Jahr während drei Wochen bei uns stattfinden, fliessen insgesamt jährlich rund 25 Millionen Franken in die regionale Wirtschaft.

Zudem wurden in den letzten acht Jahren vom Bund über 180 Millionen Franken in die Infrastruktur des Flugplatzes investiert, ebenfalls mit entsprechend positiven Auswirkungen für das Gewerbe in der Region.

Bei einer Annahme der Initiative gegen den Kampfjetlärm müsste der Flugplatz Meiringen geschlossen werden, das steht ausser Zweifel. Die entsprechenden, volkswirtschaftlichen Auswirkungen auf die Region wären verheerend. Dies um so mehr, als eine Umnutzung des Areals bei gleicher Wertschöpfung kaum möglich ist. Vor diesem Hintergrund bin ich mir denn auch ziemlich sicher, dass wohl nur wenige Bürgerinnen und Bürger aus Meiringen diese Luftwaffen-Abschaffungsinitiative unterschrieben haben. Für mich als Gemeindepräsidentin steht es ausser Frage, dass ich aufgrund der volkswirtschaftlichen Bedeutung im Interesse meiner Region gegen die Initiative anzutreten habe.

Kooperative Luftwaffe

Gestatten Sie mir auch einige Bemerkungen zur Lärmthematik. Vorab möchte ich einmal mehr betonen, dass die Luftwaffe heute noch gerade 33 F/A-18-Flugzeuge und ca. fünfzig F-5-Flieger betreibt. Wobei noch vor zwanzig Jahren hatten wir aber in der Schweizer Armee insgesamt noch fast dreihundert Jet-Flugzeuge! Alleine schon diese gewaltige Reduktion zeigt, dass der durch Kampfflugzeuge verursachte Lärm in der Schweiz insgesamt offensichtlich massiv abgenommen hat. Es ist jedoch auch eine Tatsache, dass die FA-18-Jets im Vergleich zum F-5-Tiger eine massive höhere Lärmbelastung verursachen. Nicht zuletzt deswegen hat die Luftwaffe gerade in jüngster Zeit enorm viel zur Lärmreduktion unternommen. In eigens geschaffenen Kontaktgremien bekommen die Vertreter der Regionen um die Flugplätze Sion, Payerne und Meiringen die Gelegenheit, direkt mit den Luftwaffenverantwortlichen und den Verantwortlichen der Flugplätze den Austausch zu pflegen und Massnahmen auszuarbeiten, welche zur Entlastung von Bevölkerung und Tourismus vom Fluglärm dienen können. So wurde zum Beispiel die Pistensperre auf dem Flugplatz Meiringen im Jahr 2008 neu auf den Monat Juli verlegt und im Moment läuft ein Versuchsbetrieb mit den Nachtflügen - diese starten neu um 17 Uhr und enden bereits um 21 Uhr anstelle wie bisher um 22 Uhr.

Effiziente Massnahmen

Bereits seit längerer Zeit werden klare Flugzeiten unter der Woche eingehalten und die Wochenenden sind flugfrei. Die Flugplatzleitung nimmt Rücksicht und stellt den Flugbetrieb an besonderen Anlässen wie zum Beispiel Beerdigungen in der Region bereits ein. Schweizweit werden bereits heute nach Möglichkeit nächtliche Tiefflüge ins Ausland verlegt, Überschallflüge nur in oberen Flughöhen durchgeführt, für die Ausbildung so weit als möglich Flugsimulatoren eingesetzt und restriktive Flugbetriebszeiten eingehalten.

Der Einbau der erforderlichen Lärmschutzfenster wurde aufgrund des Druckes der lokalen Behörden vorgezogen und ist bereits in der Umsetzung. Daneben finden Prüfläufe von Flugzeugen mittlerweile in lärmisolierten Gebäuden statt und mit dem Ziel, die Anzahl Starts und Landungen zu reduzieren, wird in der Regel mit Zusatztanks geflogen.

Für Fluglärmreklamationen aus dem Bereich der Militärflugplätze gibt es zudem klare Ansprechpartner der Luftwaffe und der Dialog mit der Bevölkerung wird seitens VBS aktiv gesucht, das habe ich selber erfahren.

Arbeitsplätze in Gefahr

Angesichts dieser enormen Bedeutung des Flugplatzes für uns Haslitaler und den vielen effektiven Lärmreduktionsmassnahmen des VBS einerseits ist es andererseits völlig unverhältnismässig, mit dieser Initiative de facto die Schweizerische Luftwaffe und damit das Dach über unserem Land abzuschaffen! Die Initiative zeugt von einem schwarz/weiss-Denken - es gibt für Franz Weber nur Fluglärmgegner und die Wertschöpfung des Flugplatzes für die Region wird nicht berücksichtigt. Die Mehrheit der Bevölkerung sieht die Bemühungen der VBS zur Einschränkung der Lärmbelastung und ist sich bewusst, dass die Arbeitsplätze für die Region eine wichtige Bedeutung haben. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir in Meiringen auch in Zukunft über einen vernünftigen Dialog mit der Luftwaffe immer wieder für beide Seiten tragbare Lösungen finden werden und damit die Lärmbelastung für uns auf ein akzeptables Minimum senken können, auch ohne gleich die gesamte Luftwaffe abzuschaffen!

Susanne Huber