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Der
aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 3.
Februar 2006
Masslose Vorwürfe gegen den Nachrichtendienst
Wahrheit: Bei Ringier Glücksache
Offenbar
herrscht Krieg. Entfesselt von Ringier. Vor allem gegen Bundesrat Blocher.
Ihn persönlich und die Spitzenbeamten seines Departements will der "SonntagsBlick"
mächtig in die Pfanne hauen. Als willfährige Knechte der amerikanischen
CIA "entlarven", bereit zur Vertuschung schwerer Menschenrechts-Verletzungen.
Dass Beweise fehlen - was schert das den "SonntagsBlick". Er stellt
die als Übeltäter Gebrandmarkten um so demonstrativer an den Pranger.
Allen voran Urs von
Daeniken, Chef des Inland-Nachrichtendienstes. Pech nur, dass Ringiers Schluder-Bande
das falsche Bild erwischt. Zur öffentlichen Verunglimpfung ausgestellt
wird schon ein von Daeniken. Aber er heisst Franz, war seinerzeit Staatssekretär
im Aussendepartement. Hat mit Urs, dem Nachrichten-Chef, nichts zu tun. In
Ringiers Kriegskabinett verkommt Wahrheit offensichtlich zur Glücksache.
Dem Volk werde, lamentieren Ringiers "Wahrheits-Strategen" nur um so lauter, "die Wahrheit" verschwiegen. So posaunt der "SonntagsBlick" in die Welt, während sich allmählich herausschält, woher denn Ringier seine "Wahrheiten" über angebliche Folter-Geheimgefängnisse in Europa bezogen hat. Im Verdacht steht ein bekannter Scharfmacher aus Rumänien, dem in seiner Heimat längst niemand mehr etwas glaubt. Weil er allen bekannt ist als notorischer Übertreiber und skrupelloser Erfinder von allerlei Skandal-Storys. Ringier sieht in ihm derweil den Kronzeugen.
Zwecks Ablenkung von solchen Fakten wählt Ringier die Eskalation: Frank August der Möchtegern-Grösste sieht sich bemüssigt, höchstselbst ins Geschehen einzugreifen. Schliesslich hat er Erfahrung. War er doch Spiritus Rector der seinerzeitigen Schmutzkampagne gegen Thomas Borer. Diese kostete, obwohl von A bis Z erstunken und erlogen, Borer den Botschafterposten in Berlin. Ringier etwas später immerhin eine höchst erkleckliche Wiedergutmachungs-Summe an den Geschädigten. Und Frank A. Meyer, der strategische Denker und Schröder-an-Bord-Holer im Reiche Ringier, musste für ein Jahr aus dem Verkehr gezogen werden.
Aber er ist längst
wieder da, der Frank August. Und nimmt jetzt schonungslos den Bundesrat ins
Visier. Geisselt angebliche "Sondergerichte", die Bern einsetze
gegen solche Mitarbeiter im Nachrichtendienst, die geheime Informationen an
Ringier durchgeschleust haben. Merkwürdig, dieser massive Einsatz Meyers
zwecks Erzielung einer Voraus-Absolution für all jene, die Ringiers trübe
Suppe illegal angereichert haben. Weiss denn Frank August schon heute, dass
das Fundament zu den vom "SonntagsBlick" so lauthals in die Welt
gehämmerten "Wahrheiten" durch und durch morsch ist?
Ulrich Schlüer