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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 30. Januar 2004

Die Agitation kirchlicher Hilfswerke am WEF
Kirchenideologie

Das Davoser WEF hat sich ­ Antwort an notorische Demonstranten ­ «geöffnet»: Einst Wirtschaftsführern und Wirtschaftsthemen reserviert, erhalten jetzt auch die Gegner wirtschaftlicher Freiheit Plattformen. Nicht zuletzt ideologisch geprägte Funktionäre entwicklungspolitischer Organisationen, auch solche, die unter kirchlichem Vorzeichen Millionen sammeln und damit
«Bewusstseinsbildung» betreiben.

Seltsamerweise berichteten bloss ausländische Zeitungen über das Wirken dieser Funktionäre am WEF, beispielsweise jene von «Swissaid», der Dachorganisation vor allem kirchlicher Hilfswerke wie «Brot für Alle», «Fastenopfer», «Caritas». Diese rückten vor allem dem Schweizer Bankkundengeheimnis zu Leibe. In altbekannter Klassenkampf-Manier forderten sie das «Knacken der steuerlichen Privatsphäre». Es müsse, warben die Schweizer Kirchenfunktionäre, endlich durchgesetzt werden, dass mit elektronischen Mitteln «alle Kontobewegungen jedes Weltbürgers» lückenlos
erfasst würden. Auf dass kein Dollar, kein Pfund, kein Euro, kein Franken mehr auf dieser Welt zirkulieren könne, ohne dass ihn Funktionäre irgendwelcher Oberbehörden nicht jederzeit verfolgen und orten könnten. Denn nur so sei «weltweite Steuergerechtigkeit» herbeizuführen.

Sozialistische Slogans genügten den Kirchenfunktionären freilich nicht. Sie bemühten sich auch um «Bündnispartner», vor allem ­ wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) berichtet bei Finanzministern von EU-Ländern und bei der EU-Kommission. Diese sollten, meinten die kirchlichen Klassenkämpfer, in den laufenden bilateralen Verhandlungen die Schweizer Regierung nur gehörig in den Schwitzkasten nehmen, auf dass der freiheitliche Finanzplatz Schweiz mit seinem Bankkundengeheimnis endlich ausgemerzt werde. Am meisten Echo habe diese Kirchenagitation beim deutschen Finanzminister Hans Eichel gefunden, der, weil bis über beide Ohren in Schulden versinkend, derzeit jeden Strohhalm packe, um ehrbaren Steuerzahlern noch mehr Geld aus der Tasche zu holen. Die abschliessende Bilanz über das ideologisch motivierte Wirken der Schweizer Kirchenfunktionäre am WEF zu Davos muss wörtlich aus der FAZ zitiert werden: «Die Berner Vereinigung verfügt offensichtlich über ansehnliche Geldmittel, die wohl nicht zuletzt aus der Kollekte von Kirchenbesuchern aus aller Welt stammen. Ob die alle schon aufgeklärt worden sind, was mit ihren Spendengeldern zielstrebig beabsichtigt ist?»

Wenigstens die Schweizer Kirchgänger wären gut beraten, alle von ihnen erreichbaren kirchlichen Funktionäre mit Nachdruck darauf aufmerksam zu machen, dass sich eine Kirche, die zur Klassenkämpferin mutiert, höchstens das eigene Fundament abgräbt.


Ulrich Schlüer


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