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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 31. Januar 2003
Der
Gratis-Palast
Flughafen Zürich-Kloten auf Schlingerkurs
Es nennt sich "Dock Midfield", das neue, prachtvolle Gebäude,
das Nacht für
Nacht mitten auf dem Flughafen Zürich in hellstem Licht erstrahlt. Der
grossartige Glaspalast sei mit Kosten von 751 Millionen Franken das teuerste
je in der Schweiz erstellte Gebäude.
Aber es koste nichts, dieses Prachtsgebäude. Weil es leer stehe, weil
es
vorderhand nicht in Betrieb genommen werde. Und da es nichts koste, belaste
es die Buchhaltung nicht, wird der staunenden Öffentlichkeit vorgerechnet.
Soll doch einmal jemand ein viel zu teures Haus bauen, es leer stehen lassen
und seiner Bank die Behauptung anzudrehen versuchen, weil das Gebäude
leer
stehe, koste der Prunkpalast auch nichts...
In Wahrheit ist diese Es-kostet-nichts-Behauptung nichts anderes als
verantwortungslose Zahlenmanipulation. Als sei ein Swissair-Desaster nicht
bereits ein Desaster zuviel.
Einige realisieren, was sich da am Flughafen Zürich anbahnt. Der erste,
der
das Steuer herumzureissen versucht, ist SVP-Regierungsratskandidat Hans
Rutschmann, sofort sekundiert von Christoph Blocher. Umgehend hagelt Kritik
über die beiden nieder. Selbst die NZZ, die sonst von Wirtschaft etwas
versteht, titulierte sie als "Flughafen-Killer". Und eine Zürcher
FDP-Clique
um den in der Privatwirtschaft kläglich gescheiterten, jetzt von einer
ihm
von Kamerad Couchepin zugehaltenen Staatspfründe zehrenden Balz Hösli
schreit immer schriller, da werde die "internationale Flug-Drehscheibe
Zürich" ausradiert...
Alles dummes Geschwätz! Tatsache ist: Dem Flughafen Zürich, dem
"Hub Zürich"
wurde eine Grösse zugrunde gelegt, die sich an der Hunter-Strategie
orientierte, welche bei der Swissair im Milliarden-Fiasko endete.
Bezeichnenderweise meiden die selbsternannten "Retter des Hubs Zürich"
ein
ganz bestimmtes Wort wie der Teufel das Weihwasser. Das Wort "Markt"
nämlich. Was bringt denn
alle "Drehscheiben-Beschwörung", wenn der Markt eine solche
Drehscheibe gar
nicht verlangt? Genügt es nicht, dass bereits die Swissair an ihrem
Grössenwahn verendet ist?
Anders gefragt an die Hub-beschwörenden Herren Hösli und Co.: Wer
wird das
Scheitern der Hub-Strategie bezahlen? Schon wieder, wie bei der Swissair,
der Steuerzahler?
Von dem im FDP-Filz herangewucherten Grössenwahn hat die Schweiz die
Nase
voll. Einmal Swissair-Milliarden tilgen zu müssen, genügt dem Steuerzahler
vollauf.
Ulrich Schlüer