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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 2. Februar 2001
Gewalttätige
Gegner des World Economic Forums
Dialog
Sie seien, sagen sie, zum Diskutieren, auch zum Demonstrieren, besonders aber «zur Pflege des Dialogs» gekommen - und sie waren entsprechend ausgerüstet: Sie trugen alle dicke, auffallend wattierte, merkwürdig martialische Wirkung ausstrahlende Einheitsjacken. Vielleicht zur Abdämpfung erwarteter harter Gegenargumente. Aber auch massive Schlag- stöcke trugen sie auf sich. Und Vermummungstücher - ob dies Rede und Gegenrede verständ- licher machen soll? Und viele von ihnen erschienen merkwürdigerweise massiv behelmt zum «Dialog» - als bestünden ihre Argumente aus Pflastersteinen, die entsprechende Antwort provozieren könnten.
Trotzdem: Die politische Linke, insbesondere der marxistisch abgehobene SP-Fraktionspräsident aus dem Tessin, will uns - mit seiner Einpeitscher-Mentalität die Erinnerung an längst verblichene Kreml- Apparatschiks aus der Zeit des Kalten Kriegs wachrufend - belehren: Krawall hätten nur die Polizei und selbstverständlich auch «die Bonzen» gemacht.
Obwohl es Krawallanten gab, die sich sogar zu artikulieren verstanden: «Hoch die internationale Soli- darität!», lautete ihr Schlachtruf, betont linke Herkunft dokumentierend. Die Medien schwiegen sich peinlichst darüber aus, aber die Tatsache bleibt: Die Chaoten mit ihrer Zerstörungswut sind linker Herkunft. In Zürich manifestierte sich linke Gewalt.
Was die im übrigen kaum nachvollziehbare Naivität der linken Zürcher Stadtregierung möglicherweise verständlich macht. Hat sie doch - beachten Sie die Details dazu auf Seite 8 der heutigen «Schwei- zerzeit» - den Chaoten gar städtische Zivilschutzanlagen zum Übernachten überlassen.
Und treuherzig sagt die städtische SP-Polizeichefin Esther Maurer in alle Kameras, sie habe zu jedem Zeitpunkt über genügend Polizeikräfte verfügt. Der Davoser Einsatz von Zürcher Polizisten habe die Stadt nicht entblösst. Wenn dies stimmt, gerät Frau Maurer in Argumentations-Not: Warum wurden die in genügendem Bestand vorhandenen Polizeikräfte nicht (beziehungsweise viel zu spät) eingesetzt, als dringende Notrufe eingingen wegen der von den «Dialog-Suchern» im Stadtkreis 4 begangenen massi- ven Zerstörungen, gipfelnd im «Abfackeln» (Chaoten-Wirtschaft!) zufällig am Ort des Geschehens parkierter Autos. Wenn die Zürcher Polizeichefin - sei es aus linker Überzeugung oder als Folge von Überforderung - ihre Pflicht vernachlässigt und verletzt hat, macht sie die Stadt für die massiven Schäden haftbar. Und sich selbst als Stadträtin unhaltbar.
Ulrich Schlüer